Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Wie sollen sich Sachsens Schulen in den kommenden Jahren weiter entwickeln? - Die Vorstellungen der Parteien gehen hier teilweise weit auseinander. Bildrechte: imago/photothek

Landtagswahl Sachsen Bildungspolitik in Sachsen - Was haben die Parteien vor?

Wenn es um Schule und Hochschule geht, gehen die Positionen der sechs größten Parteien weit auseinander: Während sich die einen für Gemeinschaftsschulen stark machen, fordern die anderen, einen positiven Heimatbezug im Unterricht zu lehren. MDR KULTUR mit einem Blick in die Wahlprogramme von CDU, SPD, AfD, Linke, Grüne und FDP zur Landtagswahl in Sachsen.

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Wie sollen sich Sachsens Schulen in den kommenden Jahren weiter entwickeln? - Die Vorstellungen der Parteien gehen hier teilweise weit auseinander. Bildrechte: imago/photothek

Ein Blick auf die letzten fünf Jahre

Mathe fällt aus, und Musik findet erst mal gar nicht statt: Die vergangenen Jahre waren für Schüler, Eltern und Lehrer in Sachsen geprägt vom Lehrermangel und dem daraus resultierenden Unterrichtsausfall. Im ersten Schulhalbjahr 2018/19 etwa fanden an allgemein- und berufsbildenden Schulen im Freistaat fünf Prozent aller Schulstunden nicht statt. Außerdem kam es immer wieder zu "planmäßigem Ausfall", bei dem einzelne Fächer von vorneherein im Stundenplan gekürzt wurden, weil nicht ausreichend Fachlehrer verfügbar waren.

Nach langem Widerstand hat die sächsische Landesregierung deswegen Anfang 2019 begonnen, Lehrer zu verbeamten. Dieser Ansatz, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, ist vorerst aber nur bis 2023 angedacht. Außerdem wurde in den vergangenen Jahren massiv auf Seiteneinsteiger gesetzt, auf Lehrer also, die kein Lehramtsstudium absolviert haben. Inzwischen hat laut Kultusministerium etwa jeder zehnte der 32.000 Lehrer in Sachsens Klassenzimmern ursprünglich einen anderen Beruf gelernt.

Um dem Lehrermangel passgenau zu begegnen, bekommen Referendare nun monatlich rund 1.000 Euro extra, wenn sie nach ihrer Ausbildung auch auf dem Land oder in sogenannten Bedarfsgebieten unterrichten.

Eine Schule für alle?

Diese strukturellen Probleme drängten inhaltliche Debatten rund um schulische Bildung in Sachsen eher in den Hintergrund. Anlass für Diskussionen gab hier immer wieder das Thema Inklusion und die Frage, ob Kinder mit Behinderung grundsätzlich auf die Regelschule gehen sollen. Außerdem wird im Freistaat seit ein paar Monaten verstärkt darüber diskutiert, ob künftig die Gemeinschaftsschule als "Optionales Modell" ins Schulgesetz eingefügt werden soll. Ein Bündnis hat genügend Unterschriften für einen entsprechenden Volksantrag gesammelt.

Ist ein Studium immer die beste Wahl?

Im Hochschulbereich sorgten die hohen Abbrecherquoten für Diskussionen. Knapp 30 Prozent der Studierenden bundesweit führen ihr Studium derzeit nicht zu Ende. Das sachsenweite Netzwerk "Quickstart" wurde im vergangenen Herbst ins Leben gerufen, um mit Hilfs- und Beratungsangeboten als Ansprechpartner zu dienen. Auch die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter des Mittelbaus an Hochschulen (z.B. Doktoranden, freie Dozenten) standen im Fokus: Hier sind befristete Verträge derzeit die Regel, auch weil die Bezahlung oft an Drittmittel gekoppelt ist.

Die Positionen der Parteien im Überblick

SPD-Logo auf Würfeln
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

SPD Die SPD legt den Schwerpunkt ihrer Bildungspolitik auf die inhaltliche Weiterentwicklung der Schule. Sie will Lehrplankommissionen für alle Fächer einberufen und Richtlinien zur Neuorientierung des Prüfungswesens erarbeiten. Die SPD steht positiv zum Volksantrag "Gemeinschaftsschule in Sachsen" und will außerdem neue, wohnortnahe Schulen im ländlichen Raum schaffen. Lehrkräfte sollen mehr Möglichkeiten bekommen, sich fortzubilden. Außerdem soll ihr Pflichstundenmaß absinken.

An den Hochschulen wollen die Sozialdemokraten insgesamt 1.000 Beschäftigungsverhältnisse entfristen. Der Befristungszwang bei Drittmittelbeschäftigten soll aufgehoben werden. Die Grundfinanzierung der Hochschulen soll erhöht, die Zahl der Studienplätze in Bereichen wie Medizin oder Lehramt ausgebaut werden.

Das Logo der Partei Bündnis 90/ Die Grünen
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Bündnis 90/Die Grünen Die sächsischen Grünen wollen Bildungsbenachteiligungen entgegenwirken. Deshalb schwebt ihnen vor, Kitas und Schulen in einem schwierigen sozialen Umfeld mit einem Bildungsbonus unterstützen: Diese bekommen so zusätzliche Stellen und finanzielle Mittel zugewiesen. Gemeinschaftsschulen sollen von Klasse 1 bis 13 möglich sein. Schulen in freier Trägerschaft sollen finanziell in die Lage versetzt werden, Vergütungen zahlen zu können, die denen der öffentlichen Schulen entsprechen.

Bei den Hochschulen zielen die Grünen darauf ab, die Ausgaben für die laufenden Grundmittel je Student jährlich zu dynamisieren, um den Hochschulen finanzielle Spielräume zu geben und so die Abhängigkeit von Drittmitteln zu verringern. Außerdem sollen Mitbestimmungsrechte innerhalb der Institutionen gestärkt werden: Die Grünen wollen die direkt gewählte Hochschulversammlung einführen, welche insbesondere die Grundordnung beschließt und das Rektorat wählt. Außerdem sollen Fachhochschulen im bestimmten Bereichen das Promotionsrecht bekommen.

AfD Logo
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AfD Für die AfD ist das oberste Ziel, dass vor jeder Klasse ein Fachlehrer stehen muss. Sie will den "systematischen Fibelansatz in Verbindung mit der DDR-Schulausgangsschrift SAS" als einheitliches Lehr- und Lernziel in der Grundschule zu etablieren, "sodass alle Schüler ab Klassenstufe fünf eine verbundene Schrift schreiben können". Ziel der schulischen Bildung soll laut AfD sein, ein positives Bild von Sachsen und Deutschland, seiner Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu vermitteln. Die Partei strebt ein längeres gemeinsames Lernen bis zur Klasse 8 an.

Im Hochschulbereich möchte die AfD wieder zu den früheren Abschlüssen Diplom und Magister zurück kehren. Universitäten und Fachhochschulen sollen eine höhere Grundfinanzierung erhalten, um die Abhängigkeit von Drittmitteln zu verringern. Für Studiengänge im Bereich der Genderwissenschaft soll es kein Geld mehr geben.

Die AfD will Wissenschafts- und Kultusministerium zu einem Landesbildungsministerium vereinen, um bildungspolitische Entscheidungen von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschulbildung besser aufeinander abzustimmen.

Das Logo der Partei Die Linke.
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Die Linke Die Linke in Sachsen will die Gemeinschaftsschule als Regelschultyp einführen, an der Kinder bis mindestens zur 10. Klasse gemeinsam lernen können. Die Größe der Klassen soll auf maximal 20 Schülerinnen und Schüler reduziert werden, der fächerübergreifende Unterricht soll ausgebaut werden. Der Schulbesuch für Kinder an freien Schulen soll nach dem Willen der Linken kostenfrei sein. Die Partei will eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer und Lehrerinnen, mit einer Spezialisierung für unterschiedliche Schulstufen. So soll für eine universelle Einsetzbarkeit der Lehrkräfte an allen Schultypen gesorgt werden. Die aktuelle Verbeamtung will die Linke aufheben.

Durch die Einführung eines zweisemestrigen Orientierungsstudiums will die Linke die Studienabbruchs- und Studienwechselquoten senken. An Fachhochschulen soll man promovieren dürfen. Und: Die Grundfinanzierung der Hochschulen soll erhöht werden, um die Abhängigkeit von Drittmitteln zu verringern. Mitarbeiter des Mittelbaus sollen in der Regel unbefristet angestellt werden.

CDU-Logo
Bildrechte: CDU Deutschland

CDU In weiten Teilen halten die Christdemokraten an der jetzigen Bildungslandschaft fest: das mehrgliedrige Schulsystem inklusive der Förderschulen soll beibehalten werden, Noten und Kopfnoten soll es nach wie vor geben. Durch mehr Praxisanteile und engere Kooperation mit der Wirtschaft will die CDU die Oberschulen stärken. Bis 2024 sollen außerdem alle Schulen mit schnellem Internet ausgestattet werden. Bei der Lehrerausbildung soll der Standort Chemnitz ausgebaut werden: Künftig sollen hier neben Grundschullehrern auch Pädagogen für Ober- und Berufsschule ausgebildet werden.

Mit der Weiterentwicklung der Berufsakademie zur Dualen Hochschule will die sächsische CDU das duale Studienangebot ausbauen, damit einher geht die Erhöhung der Stellenzahl von hauptberuflichen Dozenten. An den Hochschulen sollen neue Professorenstellen in Bereichen wie Digitalisierung, Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz geschaffen werden. Zur Bindung guter Wissenschaftler sollen dauerhaft mehr finanzielle Mittel bereit gestellt werden.

FDP Die FDP will den Unterrichtsausfall minimieren und in einem ersten Schritt in den nächsten fünf Jahren mindestens halbieren. Dafür soll das Handlungsprogramm der Staatsregierung weiterentwickelt werden. Schulen sollen ein eigenes Budget bekommen, um mit eigenen Ideen und eigenen Maßnahmen den Unterricht garantieren zu können. Außerdem sollen sie über eigene Gelder verfügen, um Leistungsanreize für besonders engagierte Lehrkräfte zu schaffen. Gehälter und Besoldung von Lehrern verschiedener Schulformen sollen angeglichen werden, für besondere Mangelfächer und Regionen soll es weitere Zuschläge geben können.

Die Freidemokraten wollen den Hochschulen die Möglichkeit geben, Forschung und Lehre in einer Professur frei zu gewichten. So wäre auch der Weg für reine Forschungsprofessuren frei, solange die Lehre sichergestellt ist. Die Lehre soll aus den Mitteln der Grundfinanzierung gesichert sein.

Die Praxisrelevanz von Studiengängen soll durch die Arbeitgeber evaluiert werden. Außerdem sollen E-Learning-Angebote viel stärker als bisher ausgebaut werden.

MDR KULTUR fragt – Politiker antworten

Christian Piwarz
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Christian Piwarz, sächsischer Kultusminister, beantwortet den bildungspolitischen Fragebogen von MDR KULTUR.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 30.08.2019 17:40Uhr 06:54 min

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Norbert Bläsner
Bildrechte: Norbert Bläsner

Norbert Bläsner, bildungspolitischer Sprecher der FDP Sachsen, beantwortet den bildungspolitischen Fragebogen von MDR KULTUR.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 31.08.2019 17:45Uhr 04:15 min

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Nico Tippelt steht vor einer weißen Mauer und lächelt in die Kamera.
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Nico Tippelt, kulturpolitische Sprecher der FDP, beantwortet den kulturpolitischen Fragebogen von MDR KULTUR.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 31.08.2019 17:15Uhr 05:08 min

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Landtagswahl Sachsen

Clowns, Theater Altenburg 7 min
Bildrechte: Theater Altenburg/ Ronny Ristok

Was kann und was sollte Kulturpolitik bewirken? Die kulturpolitischen Sprecher von sechs Parteien erläutern zu dieser und anderen Fragen ihren Ansichten.

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Farbiges Raster wird auf den Körper einer Frau projiziert 18 min
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Die gesellschaftliche Wirklichkeit wird sich in den nächsten Jahren wohl nachhaltig ändern. Was ist zu erwarten? Im Gespräch ist dazu Zukunftsforscher Michael Carl.

MDR KULTUR - Das Radio Do 29.08.2019 18:05Uhr 17:34 min

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Kurz vor Saisonschluss zeigt die Theatergruppe der Naturbühne Maxen bei Dresden ein neues Kinder- und Familienstück: Der Zauberer von Oz. Premiere ist am Sonntag, 26. August 2018 – und die namensgebende Figur des Familienstückes „den Zauberer von Oz“ spielt kein geringerer als Sachsenradio-Moderator Maik Teschner Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Schule und Bildung

Schülern lernen das Arbeiten mit der Software "Adobe Photoshop" 9 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. August 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 21:40 Uhr

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