Ausstellung in Eisenach Luther - Erfinder der deutschen Sprache?

In der Wartburg bei Eisenach steht der Beitrag Luthers zur modernen hochdeutschen Sprache im Fokus einer Ausstellung. Nicht nur viele deutsche Redensarten gehen auf Wortschöpfungen des Reformators bei der Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche zurück, Luther schuf zum ersten Mal ein einheitliches "Hochdeutsch", dass jedermann verstehen sollte. Das Ziel war der Kirche die Deutungshoheit über die Bibel zu nehmen.

Einem anderen einen Denkzettel verpassen

Redensart nach Luther

Luthers Familie kam aus Eisenach bzw. Möhra und nahm wohl das Thüringische mit nach Mansfeld. Der Reformator musste neben seinem eigenen Dialekt zig weitere deutsche Mundarten bedenken und einbeziehen, sollte das Ergebnis eine weite Verbreitung erfahren. Deshalb entschied er sich wohl auch immer wieder für Wortneuschöfpungen.

Bei der Übersetzung half im sein großes Netzwerk in den deutschen Gebieten. Er hatte Freunde und Kollegen aus vielen Regionen, unterhielt viel Korrespondenz und war wohl vor allem ein guter Zuhörer. "Wer dolmetschen will, muss einen großen Vorrat an Worten haben.", schrieb Luther selbst.

Jemanden auf Händen tragen

Redensart nach Luther

Genau hier setzt die Ausstellung an: Auf 100 Quadratmetern werden in verständlichen Tafeln, Karten und Glasvitrinen Sprachräume und Wörter ausgelotet. Auf dem roten Grund der Vitrinen liegen kostbare Bibeln, wertvolle Katechismen, Dokumente Luthers oder auch die Übersetzung eines Briefs an seinen Sohn. Dazu Bilder, Grafiken und Kupferstiche.

Der Gast kann sich einlassen auf: Luther als Mönch, als Theologe, als Lehrer, als Publizist, zorniger Streiter, Dichter oder Fabelübersetzer. Auch Sprachtafeln für Kinder sind vorhanden, Wortzitate  an den Wänden, Animationen auf Bildschirmen. Alles geht der Frage nach, wie und was Luther mit seiner Übersetzung schuf.

Ergebnisse der Forschung zeigen, dass heute noch geläufige Worte wie Fallstrick, Schauplatz, Feuereifer, Rüstzeug, Richtschnur, Beruf oder dienstbare Geister auf Luther zurückzuführen sind. Am Ende war es eben nicht nur eine Religion, Luther hat auch die deutsche Sprache reformiert.

Ein Herz und eine Seele

Redensart nach Luther
Wartburg bei Eisenach
Wartburg bei Eisenach Bildrechte: dpa

Ausstellungsdetails "Luther und die deutsche Sprache" ist bis zum 31. Oktober in der Wartburg zu sehen.

Die Schau ist Teil der Vorbereitung der Wartburg-Stiftung auf das 500. Reformationsjubiläum 2017. Neben Wittenberg und Berlin wird auf der Wartburg eine der drei zentralen Reformationsausstellungen zu sehen sein. Das Thema in Eisenach lautet: "Luther und die Deutschen."

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2018, 18:14 Uhr