Reaktionen auf den Tod von Manfred Krug "Ein Star, aber gleichzeitig einer von uns"

Nach dem Tod von Manfred Krug haben zahlreiche Wegbegleiter den Schauspieler gewürdigt. Die Musikerin und Schauspielerin Angelika Mann sagte bei MDR KULTUR, sie habe Krug als "sau-musikalischen" Menschen kennengelernt. Er sei "eine Naturgewalt" gewesen, sagte sie bei MDR KULTUR: "Der hatte auch Geschmack".

Mann kannte Krug seit ihrer Zeit im Lakomy-Chor, mit dem er 1972 die Platte "ein Hauch von Frühling" aufnahm. "Er war sehr charmant zu uns", erinnert sie sich an diese Zeit.

Obwohl er auch als "Raubein" bekannt war, sei er in Wahrheit ein "sehr sensibler Mensch" gewesen: Als die beiden bei der Beerdigung eines gemeinsamen Freundes ein Lied singen wollten, brach er in Tränen aus - sie musste das Lied allein zu Ende singen.

Krugs schnoddriger Humor

Lass' dir die Vorderhauer richten, dann kann noch was aus dir werden.

Manfred Krug zu Schauspielerin Jutta Hoffmann

Krugs Schauspiel-Kollegin Jutta Hoffmann zeigte sich im Gespräch bei MDR KULTUR tief erschüttert. In ihrer kurzen Stellungnahme erinnerte sie an den speziellen, schnoddrigen Humor ihres Kollegen. Gleich beim Kennenlernen 1960 habe er zu ihr gesagt: "Lass dir die Vorderhauer richten, dann kann noch was aus dir werden."

Später sei daraus eine "lang vertraute, entfernte Freundschaft" entstanden. Hoffmann schwärmte von den gemeinsamen Dreharbeiten für den Film "Das Versteck": "Die Arbeit mit ihm war toll."

Bodenständig und authentisch

MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann bewunderte Krugs Authentizität. Dem Publikum in der DDR sei klar gewesen: "Der ist zwar ein Star, aber gleichzeitig ist er einer von uns." Die Leute hätten gemerkt, dass Krug, der gelernte Stahlschmelzer, das Bodenständige, das Raue in seine Rollen mitgenommen habe.

Deshalb habe man ihm abgenommen, dass er sich nicht vereinnahmen lassen habe. Ein weiterer Grund für Krugs große Beliebtheit sei die berühmte Selbstironie gewesen - von der Knut Elstermann aus eigenen Interviews mit Krug erzählen kann.

"Er war ein Ritter"

MDR KULTUR-Hörspiel-Chef Matthias Thalheim erinnert sich an seine Zusammenarbeit mit Manfred Krug in den 90er-Jahren. Damals produzierte Krug eine Hör-Fassung seines Tagebuchs "Abgehauen" für den MDR. "Er ist ein sehr nah am Wasser gebauter Mensch gewesen", so Thalheim.

"Es gab in diesem Tagebuch weiß Gott eine Menge Erinnerungen und eine Menge Momente, wo er innehielt und wo er wirklich nicht weitersprechen konnte, weil er selbst in Tränen ausbrach über das, was da dokumentiert war." Krug habe etwas "sehr Ritterliches" gehabt - sei allerdings in Streitsituationen "unerbittlich" gewesen.

"Unkorrumpierbar und geradlinig"

Reaktionen auf den Tod Manfred Krugs kamen auch aus der Politik. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Krug als einen der glaubwürdigsten und populärsten Schauspieler unserer Zeit. In einem Kondolenzschreiben an Krugs Frau Ottilie schrieb Gauck: "In vielen Rollen im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne hat er uns in seiner wundervollen Art Schwächen und Stärken der Menschen vor Augen geführt." Krug sei zu Recht mit vielen Auszeichnungen geehrt worden - auch wenn er stets wenig Aufhebens darum gemacht habe. "Ihr Mann hat die Herzen der Menschen mit seiner Kunst auf einzigartige Weise erreicht", schrieb Gauck.

Krug war für seine direkte und manchmal rücksichtslose Art bekannt. Schauspieler Michael Kausch, der in "Liebling Kreuzberg" den Rechtsanwalt Giselmund Arnold spielte, sagte dem Sender SWRinfo: "Er war ziemlich impulsiv und aufbrausend und auch sehr ungerecht gegenüber Mitarbeitern. Was er gedacht hat, das hat er einfach losgepoltert. Aber was ich immer geschätzt habe, war, dass er überhaupt keine Taktik gefahren ist." Roswitha Schreiner, die in der Serie Lieblings Tochter spielte, sagte Focus Online: "Er hatte Rückgrat. Er stand ein für seine Überzeugungen. Er war unkorrumpierbar und geradlinig."

NDR-Intendant Lutz Marmor nannte Krug einen großen Schauspieler und einen "Typ mit Ecken und Kanten". Sein Publikum habe ihn geliebt, sein Name stehe für Meilensteine der deutschen Film- und Fernsehgeschichte in Ost und West.

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2016, 16:32 Uhr