Sorbische Kultur Was es braucht, damit die sorbische Sprache nicht ausstirbt

Die UNESCO sieht die sorbische Sprache vom Aussterben bedroht. Damit das nicht geschieht, brauche es Unterstützung von außen, sagt die langjährige Geschäftsführerin des sorbischen Domowina-Verlages, Maria Matschie bei MDR KULTUR. Auch hob sie das Miteinander der sorbischen und der deutschen Kultur in der Lausitz hervor. Dieses könne Symbol für Multikulturalität sein.

Maria Matschie
Maria Matschie hat mehr als 40 Jahre im sorbischen Domowina-Verlag gearbeitet. Bildrechte: Michael Hanisch

Die sorbische Sprache hat eine Zukunft – wenn sie von außen Unterstützung erhält. Das sagte die langjährige Geschäftsführerin des sorbischen Domowina-Verlages, Maria Matschie, bei MDR KULTUR. Die UNESCO stuft Sorbisch als bedrohte Sprache ein. Um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, müsse das Sorbische politisch wie auch gesellschaftlich unterstützt werden, so Matschie.

"Damit meine ich in erster Linie sorbische Kindergärten, sorbische Schulen, wo Sorbisch nicht nur als Fach unterrichtet wird, sondern auch die Unterrichtssprache in bestimmten Fächern ist", betont Matschie. Auch seien verschiedene Angebote in Kultur, in den Medien, Rundfunk, Fernsehen, Zeitung, Theater wichtig. "Das alles brauchen wir, um die Sprache zu bewahren und um auch ein gewisses öffentliches Ambiente für die Sprache zu schaffen."

Abitur auf Sorbisch

Matschie lobte in diesem Zusammenhang das sorbische Gymnasium in Bautzen, wo man auf Sorbisch sein Abitur ablegen kann. Ebenso nannte sie das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen, in dem Stücke in sorbischer und in deutscher Sprache auf die Bühne kommen. Man brauche hierfür weiterhin eine gute Finanzierung und Nachwuchs sowie auch Erzieher und Lehrer, die die Sprache unterrichten.

In vielen sorbisch-deutschen Familien wachsen Kinder zweisprachig auf. Auch das – wenn oft auch aufwändiger für Eltern – ist laut Matschie für die Zukunft der Sprache unentbehrlich.

Modell der Multikulturalität

Das Miteinander der sorbischen und der deutschen Kultur in der Lausitz bezeichnete Matschie als beispielhaft. Dieses könne Symbol für Multikulturalität sein. "Sorbisch ist ein ganz normaler Bestandteil der Lausitz. So sehe ich das. Und das könnte durchaus ein Modell sein. Allerdings wäre dafür wichtig, dass zum Beispiel Bevölkerungsgruppen wie Flüchtlinge auch unterstützt werden – vielleicht sogar stärker als bisher."

Dennoch appelliert Matschie, dass man noch stärker bewusst machen müsse, dass die Sorben dazu gehören und dass ihre eigene Sprache auch öffentlich gesprochen werden sollte. Wer kein Sorbisch versteht, habe die Möglichkeit, die Sprache zu lernen und müsste sich zum Beispiel bei sorbischen Veranstaltungen nicht ausgeschlossen fühlen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juli 2020 | 11:05 Uhr