Kabarettist Martin Buchholz
Vom Wortakrobaten Martin Buchholz werden wir in Zukunft nur noch etwas lesen können. Bildrechte: Martin Buchholz

Politisches Kabarett Kabarettist Martin Buchholz hört auf

Das sagt sich so einfach: Einer der großen deutschen Kabarettisten hört auf. Martin Buchholz steht seit 35 Jahren auf der Bühne, er gehört zur Generation solcher Künstler wie Georg Schramm und Henning Venske. Geht damit auch das politische Kabarett? Mitnichten, meint Buchholz, es wird sich nur verändern.

Kabarettist Martin Buchholz
Vom Wortakrobaten Martin Buchholz werden wir in Zukunft nur noch etwas lesen können. Bildrechte: Martin Buchholz

Nach 35 Jahren verlässt Martin Buchholz die Bühne. Der Kabarettist, Journalist und Autor ist das, was man einen Wortakrobaten nennt. Er spielt mit den Begriffen, hinterfragt sie, setzt sie neu zusammen, oft böse und bissig, manchmal aber auch fast schon lyrisch. Das war im Fernsehen zu sehen und auf den wichtigsten Kabarettbühnen des Landes. In diesem Monat hat er seinen letzten Auftritt als politischer Kabarettist – in seinem Stammhaus, den "Wühlmäusen" in Berlin.

Gegen den rechten Rand

Es hätte vielleicht auch eine Bühne in Sachsen sein können, denn der Freistaat ist seine zweite Heimat. Für einige Monate im Jahr lebt er im Erzgebirge, wo die rechtsextreme NPD und auch die AfD immer wieder erfolgreich Wählerstimmen fischen. Grund genug für Buchholz, sich eindeutig gegen neonazistische Tendenzen in seiner unmittelbaren Umgebung zu positionieren. In seiner ganzen Bühnenkarriere warnte Buchholz immer wieder vor einfachen Antworten auf komplizierte Fragen des Weltgeschehens, wie sie der rechte Rand bevorzugt.

Eine der Lieblingskneipen, die wir haben und wo wir immer essen gegangen sind, da gehen wir nicht mehr hin. Denn der legte plötzlich die 'Junge Freiheit' aus und das 'Compact'-Magazin, so ein Neonazidings und ich meinte, dass kannst du doch nicht machen. Er meinte aber, wir haben hier Meinungsfreiheit und wenn's dir nicht passt, kannst du ja gehen. Dann hab ich die Konsequenz gezogen.

Martin Buchholz

Auch ohne Bühnenauftritte will Buchholz auch weiter an der Satirefront werkeln, wie er sagt, mit einer aktuellen Kolumne im Netz und Büchern.

Kabarettist, Journalist und Autor

Martin Buchholz wurde 1942 in Berlin geboren. Sein Vater war im Krieg geblieben, seine Mutter zog ihn im Arbeiterviertel Berlin-Wedding groß. Zu Hause las er, was das Zeug hielt. Nach der Schule wurde Buchholz Journalist, schrieb für Berliner Blätter, stand für eine dezidiert linke Haltung in einem ideologischen Kampf, der in der "Frontstadt" West-Berlin besonders stark ausgefochten wurde. Er begann in der Zeit aber auch schon erste satirische Texte zu schreiben, die politische Wirklichkeit schien danach zu rufen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 14. Januar 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2018, 00:00 Uhr

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