Filmplakat Matrix
Morpheus (Laurence Fishburne, zweiter von links), Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) "in "Matrix" Bildrechte: imago/United Archives

Filmstart vor 20 Jahren Als mit "Matrix" das Kino des neuen Jahrtausends begann

Der Kinofilm "Matrix" hat Publikum und Kritiker 1999 gleichermaßen überrascht: Ein Film, der Mainstream-Action, komplexe Handlung, revolutionäre Bildsprache und atemberaubende Musik vereint. "Matrix" – mit Keanu Reeves in der Rolle des Neo, der die Menschheit vor den Maschinen retten will, die die Macht übernommen haben – wurde zum Inbegriff von Coolness. Vor 20 Jahren kam der Science-Fiction-Film ins Kino.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Filmplakat Matrix
Morpheus (Laurence Fishburne, zweiter von links), Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) "in "Matrix" Bildrechte: imago/United Archives

Eigentlich ist es eine Schießerei. Aber inszeniert als furioses, ungemein stilvolles Ballett mit Waffen. Die Helden: Keanu Reeves als Neo und Carrie-Ann Moss als Trinity. Sie tragen cooles Schwarz und Sonnenbrille. Mäntel wehen, Pfeiler splittern, Patronenhülsen regnen. Kampfkunst und spektakuläre Stunts sind zu sehen. Und immer wieder kann man das in Zeitlupe bewundern. Diese Sequenz – ein Highlight für jeden Actionfan.

Doch selbst wer auf Action nicht steht, dürfte hier seinen Respekt kaum versagen. Zumal diese Schießerei kein Selbstzweck ist. Sie bettet sich ein in eine kluge Geschichte.

Ich will dir sagen, wieso du hier bist. Du bist hier, weil du etwas weißt. Etwas, das du nicht erklären kannst. Aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben, dass mit der Welt etwas nicht stimmt. Du weißt nicht was, aber es ist da.

Morpheus in "Matrix"

1999: Die Filmwelt wartet mit Spannung auf den Sommer und die neue Episode von "Star Wars", mit der George Lucas seine Saga nach über eineinhalb Jahrzehnten fortschreiben will. "Matrix" hat kaum jemand auf dem Schirm. Umso überraschter sind Kritik und Publikum, als die Science Fiction startet.

Eine visuelle Revolution

"Matrix" – das ist in visueller Hinsicht eine Revolution, Kino des neuen Jahrtausends. Und obendrein der Beweis, dass sich Mainstreamprogramm und komplexe Geschichten nicht ausschließen müssen – wenn das Publikum nur richtig angefasst wird.

In "Matrix" führt fast niemand ein selbstbestimmtes Leben unter eigener Kontrolle. Denn wie viele Science Fiction, gerade kurz vor der Jahrtausendwende, gerät der Zukunftsentwurf ausgesprochen düster. Die Maschinen herrschen, die Menschen dienen quasi als Batterien. Sie werden auf riesigen Feldern gehalten und mit einem Trugbild von Leben versorgt: Der "Matrix".

Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken. Dass du ein Sklave bist, Neo!

Morpheus in "Matrix"

Die Geschichte von "Matrix" dockt im Grunde bei Gedankenspielen, bei Ängsten an, die vermutlich jeder schon einmal in seinem Kopf durchgegangen ist: Woher weiß ich, dass das um mich herum tatsächlich real ist? Wie kann ich mir sicher sein, dass nicht irgendwer irgendwo die Strippen zieht?

Eine Warnung vor Manipulation

Carrie-Anne Moss, Keanu Reeves, Laurence Fishburne
Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss und Laurence Fishburne in "Matrix" Bildrechte: imago/United Archives

Gleichzeitig lässt sich der Film als Warnung verstehen: vor denen, die kraft ihrer Möglichkeiten ein bestimmtes Bild der Wirklichkeit zu vermitteln suchen, vor jedweder Form der Manipulation.

"Matrix" schreibt unerwartete, prächtige schwarze Zahlen. Doch nicht nur der Film schlägt sich erfolgreich, auch die Musik dazu. Der Score stammt von dem Komponisten Don Davis. Er liefert ein Werk ab, das die Pfade handelsüblicher Filmmusik locker überwindet. Und das wohl nicht unbedingt zu denen gehört, die man im Auto hört, um nach verbrachtem Acht-Stunden-Tag entspannt in das Häuschen vor der Stadt zu tuckern.

Ungewöhnlich solle der Score ausfallen. So lautet die Ansage der Regisseure Larry und Andy Wachowski, die heute Lana und Lilly heißen. Normalerweise, so erzählt Davis mal in einem Interview, bedeutet so eine Ansage nicht viel. Von Ungewöhnlichem reden viele Regisseure gern, nur sei es dann das Letzte, was sie tatsächlich haben wollten.

Die Musik macht es den Hörern nicht leicht

Bei den Wachowskis allerdings liegt die Sache anders, das weiß der Komponist spätestens, nachdem er ihre Bilder sieht. Seine Methode: Er denkt sich zu diesen Bildern Musik aus, die er wohl üblicherweise schreiben würde – um sie anschließend zu verwerfen und in eine ganz andere Richtung zu gehen.

Davis Musik zwingt zum Zuhören – und zur bewussten Auseinandersetzung. Und obwohl zu Bildern entstanden, entwickelt sie eine geradezu eigentümliche Eigenständigkeit. Leicht macht es Davis dem Hörer gewiss nicht. "The Power Plant" etwa löst nicht nur einfach Gefühle des Erschreckens oder der Beklemmung aus. Es stellt sich der Eindruck ein, als spräche diese Musik sogar – von Qual, von Peinigung, von Grauen und Leid. Ein atemberaubendes Stück.

Erinnerungen an die große Oper

Keanu Reeves in The Matrix Revolutions, 2003
"Matrix Revolutions" war 2003 der letzte Teil der Trilogie. Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Aber Davis setzt auch Kontrapunkte. "Welcome to the Real World" haftet etwas Sakrales – und gleichzeitig dessen Verfremdung – an. Und nicht nur einmal fühlt man sich beim Score an die große Oper erinnert. "Filmmusik ist so etwas wie das missratene Kind der Oper", sagt Don Davis. "Die ersten Filmkomponisten waren Opernkomponisten."

Der Erfolg von "Matrix" führt nahezu gezwungenermaßen zu Nachfolgefilmen und einer Erweiterung zur Trilogie: 2003 laufen sowohl "Matrix Reloaded" wie "Matrix Revolutions" an, wobei der Reihe bei Teil drei gehörig die Luft ausgeht. Was nichts an der Bedeutung des ersten Teils ändert: Mit ihm macht das Blockbusterkino einen gewaltigen Satz in die Zukunft.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. März 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2019, 04:00 Uhr

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