MDR KULTUR trifft … Peter Sodann Peter Sodann eröffnet "Haus zum guten Buch"

Peter Sodann ist zwar vor kurzem 80 Jahre alt geworden, aber kein bisschen ruhiger. Sein neuestes Projekt ist das "Haus zum guten Buch", das Sodann am 18. Juni in Staucha im Landkreis Meißen eröffnet. Zuvor ist er zu Gast bei "MDR KULTUR trifft ..." und spricht über seine Geburtstagsgala, das Aufbauen der Kulturinsel in Halle und seine DDR-Bibliothek in Staucha.

Nach seinem 80. Geburtstag eröffnet Peter Sodann – Schauspieler, Regisseur und Theater-Intendant, Tatort-Kommissar, Ex-Bundespräsidentenkandidat, Ehrenbürger der Stadt Halle und Bücher-Sammler – in Staucha, dem neuen Lebensdomizil und Ort für seine DDR-Bibliothek, am 18. Juni 2016 ein "Haus zum guten Buch“. Das Haus soll ein Haus gegen das Vergessen und eine Herberge für Menschen sein, die ihn in seinem letzten großen Vorhaben unterstützen wollen oder einfach nur lesen.

Das Anliegen der Bibliothek, dem Haus des Vergessens ist, dass man eben nichts vergisst, dass man sich vieler Dinge erinnert, denn die Erinnerung ist eine mysteriöse Macht und bildet den Menschen um. Wer vergisst, was schön war, wird böse. Wer das vergisst, was schlecht war, wird dumm. Und so habe ich manchmal den Gedanken, ich lebe nur unter bösen oder schlechten oder dummen Menschen, aber das stimmt ja nicht. Es gibt ja immer die Ausnahme und die ist ziemlich groß.

Peter Sodann

Geschichten aus einem ereignisreichen Leben

Peter Sodanns 80. Geburtstag wurde am 1. Juni 2016 im "neuen theater" gefeiert. Die Stadt Halle, in Person des Oberbürgermeisters, hatte für ihn eine Geburtstagsgala ausrichten lassen, mit Auftritt des Jubilars. Bereits zur Jubiläumsgala "35 Jahre neues theater" hatte sich OB Bernd Wiegand beim dem Erschaffer der Kulturinsel dafür entschuldigt, wie man ihn einst aus dem Amt des Intendanten gedrängt hatte.

Die Schauspieler, die zum Geburtstag für Sodann auf der Bühne standen, brachten ihm ein Ständchen nach seinem Geschmack: Mit Liedern, Gedichten, Sprüchen und Sketchen ohne Anglizismen. Peter Sodann selbst saß wie in früheren Zeiten an seinem alten originalen Regie-Tisch und gab in seiner leicht schlitzohrigen Art Geschichten aus einem ereignisreichen Leben zum Besten. Nach 40 Minuten aber ließ er es gut sein und tat, was er immer gern tat: Bei einem Bier mit den Leuten über Gott und die Welt reden.

In der Sendung "MDR KULTUR trifft ..." redet Peter Sodann mit Moderatorin Ellen Schweda über seine Geburtstagsgala, das Aufbauen der Kulturinsel in Halle und sein letztes großes Vorhaben, die DDR-Bibliothek in Staucha.

Zur Person von Peter Sodann

Peter Sodann kam 1936 in Meißen zur Welt, in Weinböhla bei Dresden wuchs er auf. Von 1954 bis 1957 absolvierte er eine Lehre als Werkzeugmacher, studierte anschließend an der Arbeiter- und Bauernfakultät und nahm danach ein Jura-Studium in Leipzig auf. 1959 wechselte Sodann an die Theaterhochschule und übernahm die Leitung des Kabaretts "Rat der Spötter", welches 1961 aufgelöst wurde. Denn nach einer kritischen Bemerkung zum Mauerbau wurde Peter Sodann wegen staatsfeindlicher Hetze verhaftet, vom Studium relegiert und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Neun Monate saß er in Haft, vier Jahre Bewährung folgten. Nach der Haftentlassung arbeitete Sodann als Spitzendreher, 1963 wurde er wieder immatrikuliert.

Ein Jahr später erhielt er sein erstes Engagement am Berliner Ensemble unter Helene Weigel und die erste Regiearbeit. Ab 1966 spielte er an den Städtischen Bühnen Erfurt. 1971 ging er als Schauspieler und Regisseur ans Städtische Theater Karl Marx Stadt, 1975 wurde er Schauspieldirektor an den Bühnen der Stadt Magdeburg. Ab 1980 war Peter Sodann Schauspieldirektor des Landestheaters Halle, später und bis 2005 Intendant des "neuen theaters" Halle. 

25 Jahre baute er an der heutigen Kulturinsel: Aus einem alten Kinosaal entstanden ein großer Saal, ein Hoftheater, Kammertheater, Puppentheater, eine Galerie, ein Literatur-Café und eine Theaterkneipe. Hier legte Peter Sodann ab 1990 auch den Grundstock seiner Bibliothek, mit zum Teil von der Mülldeponie geborgenen Büchern. Einem breiteren Publikum wurde er von 1992 bis 2007 als ostdeutscher Tatort-Kommissar Ehrlicher bekannt. Aber auch auf der politischen Bühne mischte er sich immer wieder ein: 2005 als parteiloser Spitzenkandidat der PDS, 2009 für Die Linke als Kandidat für das Bundespräsidentenamt.

Im Dezember 2015 zogen er und seine Frau nach Staucha, einem kleinen Ort zwischen Oschatz und Riesa. Im Kuhstall des ehemaligen Rittergutes ordnet und katalogisiert er die seit 1990 Millionen von Büchern aus DDR-Verlagen von 1945 bis 1990. Dort eröffnet er am 18. Juni auch das "Haus zum guten Buch".

Angaben zur Sendung MDR KULTUR trifft Peter Sodann

Sendung:
Sa, 11.06.2016 | 11:05-12:00 Uhr

Wiederholung:
So, 12.06.2016 | 16:05-17:00 Uhr

Redaktion: Angelika Zapf
Moderation: Ellen Schweda

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2016, 11:55 Uhr