Kamera-Legende Michael Ballhaus ist tot

Der Kameramann Michael Ballhaus ist tot. Er starb nach Angaben seines Verlages DVA Sachbuch in der Nacht zu Mittwoch in Berlin. Ballhaus wurde 81 Jahre alt.

Ballhaus prägte die Filmlandschaft wie kaum ein zweiter Deutscher. In Hollywood arbeitete er mit Regiegrößen wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola oder Mike Nichols.

Er war ein Meister seines Fachs. Ballhaus war nicht nur ein Techniker, er war ein großartiger Fotograf.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick zum Tod von Michael Ballhaus

Vom Foto zum Film

Geboren wurde Michael Ballhaus am 5. August 1935 in Berlin. Er erlebte die Bombenangriffe auf Berlin und zog mit seinen Eltern als Fixsterne einer Theatergruppe ins Fränkische. Dort verbrachte er Kindheit und Jugend auf Schloss Wetzhausen, wo er inmitten einer für damalige Verhältnisse sehr unkonventionellen Künstlerkommune seine Liebe zur Fotografie entdeckte.

Nachdem er als Jugendlicher zum Theaterfotografen der Gruppe wurde, konnte er als junger Mann dem Regisseur Max Ophüls bei dessen Dreharbeiten zu "Lola Montez" assistieren und beschloss, Kameramann zu werden. Nach einer Karriere beim Fernsehen begann er Filme zu drehen und wurde bald das "Auge" Rainer Werner Fassbinders, mit dem er 17 Filme fertigte.

Schöpfer der Bildwelten Hollywoods

In den Achtziger Jahren ging Ballhaus nach Hollywood und begann die Zusammenarbeit mit Regiegrößen wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola oder Mike Nichols. Sein letzter Hollywoodfilm war "The Departed" (2005). Seinen letzten Kinofilm überhaupt hat er mit seiner Frau, Regisseurin Sherry Hormann gedreht - das Drama "3096 Tage" (2013) über die Entführung Natascha Kampuschs.

Der Kameramann Michael Ballhaus mit Filmregisseur Francis Ford Coppola bei den Dreharbeiten zu "Bram Stoker's Dracula"
Der Kameramann Michael Ballhaus (Mitte)mit Filmregisseur Francis Ford Coppola bei den Dreharbeiten zu "Bram Stoker's Dracula" Bildrechte: IMAGO

Steinmeier: "Werden für immer dankbar sein"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den gestorbenen Kameramann als Ausnahmekünstler: "Michael Ballhaus war einer der größten Kameramänner der Filmgeschichte", schrieb Steinmeier in einem am Donnerstag veröffentlichten Kondolenzbrief an die Witwe Sherry Hormann. "Er war Filmemacher im besten Sinne und ein herausragender Künstler", betonte das Staatsoberhaupt. Ballhaus habe das kulturelle Leben weit über Deutschland hinaus bereichert - "und dafür werden wir ihm immer dankbar sein".

Aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters verliert Deutschland mit Ballhaus "nicht nur einen der weltbesten Kameramänner, sondern auch eine große Künstlerpersönlichkeit". Ballhaus sei "ein begnadeter Bildkünstler" gewesen, hieß es in einer Stellungnahme von Grütters in Berlin. Ballhaus habe die Fähigkeit gehabt, "magische Bilder mit seiner Kamera einzufangen und sie auf die große Leinwand zu bringen".

"Ich habe Michael Ballhaus als Filmschaffenden sehr geschätzt und seine Stilistik als Kameramann immer im höchsten Maße bewundert", sagte WDR-Intendant Tom Buhrow in einer Mitteilung. "Seine 360-Grad-Kamerafahrten sind für mich legendär - und er ist es auch."

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch: im Radio | Nachrichten | 12.04.2017 | 19:00 Uhr
im Radio | Gespräch | 13.04.2017 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2017, 13:22 Uhr

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