Mindhunter,Serie,Netflix
Die zweit Staffel hat neun Folgen und ist beim Streaming-Dienst Netflix zu sehen. Bildrechte: Netflix

2. Staffel Netflix-Serie "Mindhunter" – Wie das Profiling erfunden wurde

Mit der Serie "House of Cards" hat Regisseur David Fincher den Grundstein für die erfolgreichen Eigenproduktionen des Streaming-Dienstes Netflix gelegt. Mit "Mindhunter" hat Fincher bei Netflix nachgelegt und sich seiner Faszination für Serienkiller hingegeben. Die zweite Staffel ist bei Netflix zu sehen.

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Filmkritikerin

Mindhunter,Serie,Netflix
Die zweit Staffel hat neun Folgen und ist beim Streaming-Dienst Netflix zu sehen. Bildrechte: Netflix

Die Netflix-Serie "Mindhunter" dreht sich um Serienkiller – fiktiv, aber auf wahren Begebenheiten beruhend. Die Serie ist unscheinbar und erzählt unaufgeregt, nicht CSI-mäßig und ist auch kein Tatort. Aber sie zählt zum Spannendsten, was es bei den Streaming-Diensten in der letzten Zeit gab.

Worum es in der Serie "Mindhunter" geht

Es geht um die beiden FBI-Agenten Holden Ford und Bill Tench – ein sehr ungleiches Duo, das sich 1977 in die Gefängnisse der USA begibt, um dort Serienmörder zu interviewen. Auf der einen Seite gibt es das Spannungsfeld des konservativen FBI, das sich neuen Methoden öffnen muss. Denn der Serienmörder an sich war damals noch nicht als Serienmörder definiert. Auf der anderen Seite gibt es die Soziologin Wandy Carr, die versucht, Serienmörder in einen akademischen Kontext zu betten.

Darum geht es in Staffel 2

Staffel zwei macht dort weiter, wo die erste Staffel aufgehört hat. Ein Markenzeichen der Serie ist es, relativ unaufgeregt zu sein und ohne einen wirklichen Spannungsbogen zu erzählen. Dennoch schafft es "Mindhunter", mit seiner Beiläufigkeit einen unglaublichen Sog zu entwickeln, absolut packend und spannend.

In der zweiten Staffel stehen vier große Fälle im Mittelpunkt. Unter anderem – das ist der prominenteste Fall – die sogenannten Atlanta Child Murders (dt.: Kindermorde von Atlanta), bei denen Anfang der 80er-Jahre knapp 30 schwarze Kinder in Atlanta verschwanden und umgebracht worden sind. 30 Fälle, von denen bis heute nur eine Handvoll aufgeklärt ist. Auch geht es um den "BTK-Killer", (Abkürzung für "Bind, Torture, Kill", dt.: Fesseln, Foltern, Töten). Ein weitere großer Fall ist der von Charles Manson, der derzeit ebenso durch Quentin Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood" geistert.

Das Besondere

Im Mittelpunkt stehen nicht die Taten, sondern die Interviews mit den Tätern und der Versuch, ein Psychogramm der Taten und der Killer anzufertigen. Bei den Atlanta Child Murders wird versucht, während der laufenden Ermittlungen ein Täterprofil zu erzeugen, um dem Täter irgendwann einen Schritt voraus zu sein und ihn fassen zu können. Es geht also nicht nur um die Psychologie des Mordens, sondern vor allem auch um die Psychologie der Ermittler.

Die Ermittler spielen dabei eine sehr große Rolle, denn sie tragen das Ganze, nicht nur die Fälle, sondern auch die ganze Serie. In der ersten Staffel stand der junge Holden Ford im Mittelpunkt. In der zweiten Staffel geht es nun um Bill Trench und seinen Versuch, die Ermittlungsarbeit mit dem Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Denn Trenchs Pflegesohn ist in ein grausames Verbrechen verwickelt.

Der Suchtfaktor

Regisseur David Fincher
Regisseur David Fincher hat eine Vorliebe für Serienkiller. Bildrechte: IMAGO

Trotz ihrer Unaufgeregtheit oder gerade wegen ihrer relativ ruhigen Machart zieht die Serie den Zuschauer in ihren Bann. Auch die Abwesenheit von Gewalt ist ausschlaggebend. Denn obwohl es um die bestialischsten Geschehnisse geht, wird die Gewalt nicht gezeigt. "Mindhunter" ist sehr subtil und findet mehr im Kopf des Zuschauers statt.

Bereits in der ersten Staffel erfahren die Zuschauer von den Gewalttaten in Verhören und den Protokollen der Vernehmungen. Es wird über die Gewalt gesprochen, ab und zu wird ein Tatort-Foto gezeigt – aber nicht mehr. Dennoch ist die Gewalt präsent und das Kopfkino geht los. Die Serie hat eine reife Erzählart. "Mindhunter" ist ein psychologischer Krimi, der zeigt, was mit Menschen passiert, die zu lange in den Abgrund gucken.

Wie viel Wahrheit steckt in der Serie "Mindhunter"?

Die Drehbücher basieren auf dem Sachbuch "Mindhunter – Inside the FBI’s Elite Serial Crime Unit". Zwar sind die Ermittler fiktiv, dennoch hat die Serie einen fast dokumentarischen Ansatz. Sie hat ein unglaublich gutes Gespür für die Zeit. Das fängt an bei der Ausstattung, bei den Klamotten. Die Charaktere sitzen entweder im Flugzeug und rauchen oder in tristen Büroräumen. Ständig klingelt ein altes Telefon im Hintergrund.

Auch das Gesellschaftsbild ist total spannend: die Verhältnisse der Hierarchien beim FBI, der Umgang der Vorgesetzten mit den Untergebenen und die Rolle der Frau, die in erster Linie als schönes Beiwerk und Freiwild daherkommt. Die Figur von Wendy Carr fungiert hier ein wenig als emanzipatorisches Bindeglied.

Woran man David Finchers Einfluss erkennt

David Fincher hat bei den ersten drei Folgen der zweiten Staffel die Regie geführt. Die Serie ist sehr langsam,  es gibt keine schnellen Schnitte. Aber es gibt großartige Bilder, die eigentlich auf die große Leinwand gehören, allein schon wegen ihrer Detailgenauigkeit.

David Fincher selbst war bereits als Siebenjähriger fasziniert von Serienkillern. Filmisch umgesetzt hat er das unter anderem mit "Sieben" und "Zodiac". Die Serie ist nun sein Meisterstück über Serienkiller.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. August 2019 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 16:45 Uhr