Mirjam Pressler
Mirjam Pressler - Kinderbuchautorin und Übersetzerin Bildrechte: dpa

Trauer Schriftstellerin Mirjam Pressler gestorben

Mirjam Pressler
Mirjam Pressler - Kinderbuchautorin und Übersetzerin Bildrechte: dpa

Die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Pressler ist tot. Wie ihr Verlag Beltz mitteilte, starb sie am Mittwoch langer, schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Die Autorin schrieb mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher, darunter Titel wie "Novemberkatzen" oder "Nathan und seine Kinder". Zudem übersetzte sie mehr als 300 Werke, darunter Romane von Zeruya Shalev oder Amos Oz. Auch die Tagebücher von Anne Frank übertrug sie aus dem Niederländischen ins Deutsche.

Schwere Themen für Kinder und Jugendliche

Ihre eigenen Geschichten handeln oft von unglücklicher Kindheit und Jugend, aber auch die Shoah und das jüdische Leben in Deutschland waren für die Tochter einer jüdischen Mutter wichtige Themen. Pressler wurde am 18. Juni 1940 in Darmstadt geboren. Nach einer Kindheit in einer Pflegefamilie und im Heim studierte sie Malerei und Sprachen in Frankfurt am Main und in München. 1964 heiratete sie einen Israeli, wurde zwischen 1966 und 1969 Mutter von drei Töchtern. In dieser Zeit lebte sie in einem Kibbuz. Nach der Trennung von ihrem Mann kehrte sie 1970 nach Deutschland zurück. In München schlug sie sich als Taxifahrerin und Verkäuferin durch, bevor sie 1980 mit ihrem Romandebüt "Bitterschokolade" über ein Mädchen mit Bulimie einen großen Erfolg landete.

Durch Verschweigen und Verbergen wird die Welt nicht heiler, man bekommt nur Bauchweh davon.

Mirjam Pressler, Kinder- und Jugendbuchautorin & Übersetzerin

Presslers Bücher erzählen keine erbaulichen Geschichten, sondern ungeschönt von der Wirklichkeit. Oft sind Außenseiter die Protagonisten wie das Mädchen in "Bitterschokolade", das seinen Kummer in sich hineinfrisst oder der gehbehinderte Junge in "Stolperschritte". Auch überforderte, lieblose Mütter und abwesende Väter kehren wieder. Auf die Schoah kam Pressler in ihrer Arbeit immer wieder zurück, im Kinderbuchbuch "Malka Mai", in dem ein achtjähriges polnisches Mädchen allein ums Überleben kämpfen muss oder in ihrem Sachbuch "Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anne Frank", das zur Schullektüre avancierte.

Großartige Übersetzerin aus dem Hebräischen

Außerdem machte sie sich mit Übersetzungen aus dem Hebräischen verdient. Für ihre Fassung von Amos Oz' letztem Roman "Judas" wurde sie 2015 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet. Kollege Ralf Pannowitsch urteilte damals bei MDR KULTUR, beim Lesen der deutschen Fassung vergesse man, dass man nicht das Original in den Händen halte: "Ein großes Engagement und eine große Kompetenz kamen hier zusammen", urteilte er über die Arbeit von Pressler, die mit Oz auch befreundet war.

Letzter Roman erscheint im März: "Dunkles Gold"

Für ihr Schaffen erhielt Pressler zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2010 den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Gesamtwerk als Sonderpreis. Noch kurz vor Weihnachten bekam sie in ihrer Heimatstadt Landshut das Große Bundesverdienstkreuz in Anerkennung ihres herausragenden Einsatzes für die Völkerverständigung, insbesondere zwischen Israel und Deutschland, sowie als Mahnerin.

Auch ihr letzter Roman befasst sich mit der deutsch-jüdischen Geschichte und erscheint im März 2019 bei Beltz. "Dunkles Gold" schlage einen Bogen von den Pestpogromen im Mittelalter zu aktuellen antisemitischen Entwicklungen in Deutschland, teilte der Verlag mit.

"Fanatische Schreiberin"

Roswitha Budeus-Budde, Feuilleton-Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, hat mit Mirjam Pressler kurz vor ihrem Tod noch über ihr neues Buch geredet und sie jahrelang als Autorin begleitet. Im Gespräch mit MDR KULTUR sagte Budeus-Budde: "Sie war eine fanatische Schreiberin". "Ihr Lebensgefährte meinte, sie schreibt überall, in der Badewanne, im Urlaub, … Aber Lesereisen für Kinder hat sie genauso gern gemacht." Angefangen zu schreiben habe Mirjam Pressler, weil sie sich über die Bücher geärgert hat, die ihre Töchter lasen.

Ihre Töchter haben immer gesagt: Weil wir kein Geld hatten, hat unsere Mutter die Bücher selbst geschrieben.

Roswitha Budeus-Budde, Journalistin, über Mirjam Pressler
Mirjam Pressler 7 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Januar 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 15:12 Uhr