Seit drei Wochen ohne Regierung Machtvakuum in Erfurt belastet Thüringer Museen

Die politischen Verhältnisse in Erfurt wirken sich zunehmend auf die Museen aus, beklagt der Museumsverband Thüringen: Fördergelder könnten nicht freigegeben werden, deswegen müsse schnell eine handlungsfähige Regierung her. Der Verband hatte am 26. Februar zu seiner Jahres-Pressekonferenz eingeladen, bei dem es auch um Besucherzahlen und Museumsstrategien für die Zukunft ging.

Mareike Wiemann
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von Mareike Wiemann, MDR KULTUR-Thüringenkorrespondentin

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra besichtigen Besucher 2010 die Ruine der Klosterkirche
Das Hennebergische Museum Kloster Veßra braucht ein neues Depot. Der Kauf einer Immobilie scheiterte jedoch aufgrund der Regierungskrise. Bildrechte: dpa

Das politische Machtvakuum in Thüringen wirkt sich zunehmend auf die Museen im Freistaat aus. So könnten derzeit Fördergelder nicht freigegeben werden, erklärte die Vize-Präsidentin des Museumsverbands Thüringen, Uta Bretschneider, am Rande der Jahres-Pressekonferenz in Weimar. Man hänge gerade an vielen Stellen in der Luft – auch, weil unklar sei, wer zurzeit Ansprechpartner sind.

Uta Bretschneider
Uta Bretschneider leitet das Hennebergische Museum Kloster Veßra Bildrechte: Nils Eisfeld

Sie selbst habe dies im eigenen Haus, dem Hennebergischen Museum Kloster Veßra, bereits zu spüren bekommen: "Eigentlich hätte die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bereits über ein Zentraldepot für das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg und unser Haus abstimmen sollen. Die Sitzung hat aber nicht stattgefunden und es gibt auch keinen Ersatztermin." Nun fürchte man, die gewünschte Immobilie für das Depot werde an einen anderen Interessenten verkauft, bevor wieder eine handlungsfähige Regierung im Amt sei, so Bretschneider. Der Verband hoffe deswegen auf eine baldige Lösung der Krise.

Digitales Landesmuseum geplant

Bei der Jahrespressekonferenz des Verbands, der rund 230 große und kleine Museen im Freistaat vertritt, spielten aber auch andere Themen eine Rolle. So kündigte Präsident Thomas T. Müller an, dass man ein digitales Landesmuseum ins Leben rufen wolle, in dem die Vielfalt der Thüringer Museen angemessen präsentiert werden könne. Als eine Art Testballon hierfür ist ab September eine digitale Sonderschau zu "100 Jahren Freistaat Thüringen" geplant: Hundert Tage lang soll jeden Tag ein neues Objekt online präsentiert werden, das aus einem der Mitgliedshäuser stammt und stellvertretend für Thüringen steht.

Thomas T. Müller
Thomas T. Müller ist Direktor der Mühlhäuser Museen Bildrechte: Tino Sieland

Müller erklärte, man wolle zu jedem dieser Objekte eine spannende Geschichte erzählen: "Das bedeutet, dass man dort vielleicht nicht Top-Exponate wie die Goethe-Handschrift findet, sondern eher eine Rasierklinge aus Eisfeld, weil es diese Rasierklingen waren, mit denen man sich in der DDR rasiert hat." Mit diesem neuen Konzept wolle man den "Elfenbeinturm Museum" etwas abbauen und neue Zugänge schaffen. Die Objekte sollen sowohl in einem eigenen Portal, als auch in den Social Media online gestellt werden.

Nachwuchsgewinnung funktioniert

Sehr positiv äußerte sich der Verband am Mittwoch zum Volontariatsprogramm, dass der letzte Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) 2015 eingerichtet hatte. Bei dem Programm übernimmt das Land die Hälfte der Personalkosten für Volontärinnen und Volontäre, um so den Generationswechsel an den Museen besser zu stemmen. "Zuvor gab es in Thüringen weniger als zehn Museen, die überhaupt Volontärinnen und Volontäre beschäftigen konnten", so Verbandspräsident Müller, der auch Direktor der Mühlhäuser Museen ist: "Durch das Programm wurde diese Zahl auf 40 Häuser erhöht, auch viele kleine Museen konnten profitieren."

Zudem sei es oft geglückt, die Absolventinnen und Absolventen weiter an den Häusern zu beschäftigen. "Das ist eine großartige Entwicklung, um die uns viele Kolleginnen und Kollegen in anderen Bundesländern beneiden", so Müllers Resümee. Der Verband hofft nun, dass das Projekt nicht wie geplant demnächst ausläuft, sondern verstetigt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Februar 2020 | 16:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 15:37 Uhr