Eine Person spielt Klavier.
Musikinstrumente übt man am besten morgens, meinen Experten. Bildrechte: Colourbox.de

Tipps zum besseren Lernen Mit Musikinstrumenten richtig üben

Wer ein Musikinstrument lernt, weiß wie anstrengend Üben ist. Aber für alle Leidgeplagten haben wir eine gute Nachricht: Viel Üben allein führt nicht unbedingt zu mehr Können. Wie man stattdessen richtig übt und was es mit Rückwärts-Üben auf sich hat, erklären zwei Experten.

von Felicitas Förster, MDR KULTUR

Eine Person spielt Klavier.
Musikinstrumente übt man am besten morgens, meinen Experten. Bildrechte: Colourbox.de

Saxophon-Stunde an der Musikschule Ottmar Gerster in Markkleeberg: Auf dem Notenständer liegt eine Sarabande von Bach. Die Saxophon-Schülerin spielt sie aber nicht – wie man es erwarten würde – von vorn nach hinten, sondern beginnt mit der Sequenz am Ende und setzt dann Stück für Stück weitere Sequenzen vorne dran. Das sogenannte retrosequenzielle Üben eignet sich vor allem für Instrumente mit komplexen Spielweisen. "Man spielt mit jeder Note auf etwas hin, was man schon kennt, etwas Vertrautes", erklärt Saxophonlehrer Frank Liebscher die Methode. Dabei liege der Aufmerksamkeitsfokus stets an der richtigen Stelle, nämlich beim Neuen.

Die neuen Passagen werden immer vorn rangestellt. Dadurch sind sie immer zum Beginn des Übprozesses, während die stärker automatisierten, die bereits mehrfach gespielt wurden, hinten liegen.

Saxophonlehrer Frank Liebscher über das "Rückwärts-Üben"

Pausen statt stundenlanges Üben

Kind beim Klavierspielen
Besonders Kinder sollte man nicht mit zu viel Üben plagen. Eine halbe Stunde am Tag reicht aus. Bildrechte: colourbox.com

Aufgrund einer Sehnenentzündung des linken Arms darf Starpianist Lang Lang zurzeit nur eine halbe Stunde täglich üben. Als Fünfjähriger übte er bis zu 6 Stunden am Tag. Das extreme Übepensum hänge mit Langs heutiger Krankheit zusammen, meint Eckart Altenmüller, Musikphysiologe und Professor an der Musikhochschule in Hannover. 30 Minuten am Tag, mehr sollte man einem 5-Jährigen nicht zumuten, so Altenmüller. Teenager könnten bereits mehrmals am Tag bis zu 45 Minuten am Stück üben. Wichtiger als die Dauer sei allerdings die Qualität – egal in welchem Alter.

Üben Sie nur so lang, bis Sie die ersten Anzeichen von geistiger oder körperlicher Ermüdung feststellen und machen Sie dann Pause.

Musikphysiologe Eckart Altenmüller

Man lerne auch in den Pausen, denn hier geschehe die sogenannte Gedächtniskonsolidierung, weiß der Musikphysiologe. Die eben gelernten Informationen werden erst in den Pausen synaptisch verknüpft und damit gefestigt. Die beste Tageszeit zum Üben sei übrigens der Morgen, erklärt Altenmüller, denn kurz nach dem Aufstehen sei der Geist noch frisch.

Die richtige Motivation finden

Weiterhin rät Altenmüller, sich klare Ziele zu setzen und den Fokus immer nur auf eine Angelegenheit zu richten – und sich zu motivieren. Leichter gesagt als getan, aber es helfe zum Beispiel schon, wenn der Schüler die Stücke zum Üben, selbst auswählen darf. Und noch einen Tipp hat Eckart Altenmüller auf Lager: In einer Sitzung sollte man ganz verschiedene Stücke üben, beispielsweise eine viertel Stunde eine Etüde, eine viertel Stunde eine Sonate und eine viertel Stunde eine Improvisation. "Wer sowas macht, der hat eine verbesserte Gedächtniskonsolidierung, weil das Gehirn die kleinen Portionen dann besser vertieft abspeichert", erklärt der Musikphysiologe. Übung macht also immer noch den Meister oder die Meisterin, aber übertreiben muss man es dafür nicht.

Zwei Mädchen spielen Klavier.
Sich die Stücke zum Üben selbst aussuchen und in einer Sitzung möglichst verschiedene Stücke spielen, damit fällt das Lernen leichter. Bildrechte: Colourbox.de

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juni 2018 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 07:33 Uhr

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