Personalie Neue Operndirektorin für Weimar: Andrea Moses verspricht relevantes Musiktheater

Andrea Moses 7 min
Bildrechte: Deutsches Nationaltheater Weimar / Bernd Uhlig

Andrea Moses heißt die neue Operndirektorin am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Sie hat große Ziele. Carsten Tesch hat dazu mit dem MDR KULTUR-Opernkritiker Uwe Friedrich gesprochen.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 26.08.2020 06:00Uhr 07:11 min

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Andrea Moses heißt die neue Operndirektorin am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Zur Spielzeit 2021/2022 tritt die 48-Jährige die Nachfolge von Hans-Georg Wegner an, der als Generalintendant ans Mecklenburgische Staatstheater Schwerin wechselt, wie das DNT am Dienstag mitteilte. Zu Haus und Ensemble habe Moses bereits in mehreren Produktionen eine enge Verbindung geknüpft, hieß es weiter.

Weimar profiliert sich mit dieser Personalie als wichtigster Ort für das Musiktheater in Thüringen.

Stefan Petraschewsky MDR KULTUR-Theaterredakteur

Experimentelle Formate

Moses selbst erklärte, sie wolle in Weimar "relevantes Musiktheater" machen, das sich mit den heutigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in aller Dringlichkeit beschäftige und in die Zukunft verweise. Dazu werde sie auch experimentelle Musiktheaterformate für die Stadt entwickeln. An ihrer Seite sei der ebenfalls neu engagierte Dramaturg und Regisseur Michael Höppner.

Am DNT Weimar waren unter ihrer Regie bereits Puccinis "Turandot", Mussorgskys "Chowanschtschina", Webers "Freischütz" oder die Uraufführung der Oper "The Circle" von Ludger Vollmer nach dem Roman von Dave Eggers zu erleben.

Mehr als Brot und Spiele

Nach Einschätzung von MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky setzt das DNT mit der Personalentscheidung ein Zeichen für Musiktheater, das Haltung zeigen will: "Nach Hans Georg Wegner, dem scheidenden Operndirektor, der vor kurzem mit der Wiederaufführung von Dessaus "Lanzelot" in einer Konwitschny-Regie oder den "Räubern" von Verdi in der Inszenierung von Volker Lösch Musikgeschichte geschrieben hatte – mit dem "Ring" von Michael Schulz, ist es am DNT nun schon die dritte hochkarätige Künstlerpersönlichkeit in Folge in diesem Amt."

Das DNT setzt mit Andrea Moses ein Zeichen für ein Musiktheater, das politisch relevant sein will und Haltung zeigen wird. Das ist leider nicht mehr selbstverständlich, weil viele Theater beim Opernrepertoire lieber auf Brot und Spiele setzen. Erfreulich auch, dass eine Frau in dieses Amt kommt. Das ist hierzulande immer noch eine Seltenheit.

Stefan Petraschewsky MDR KULTUR-Theaterredakteur

Viel beachtete Inszenierungen

Die gebürtige Dresdnerin studierte Schauspiel und Regie an der Berliner Hochschule "Ernst Busch" und in Moskau. Von 2009 bis 2011 war sie Chefregisseurin für Oper und Schauspiel am Anhaltischen Theater in Dessau, ihr "Lohengrin" war für den Theaterpreis DER FAUST nominiert. Von 2011 bis 2014 gehörte sie als Leitende Regisseurin zum Team von Jossi Wieler an der Staatsoper Stuttgart. Seit 2015 arbeitete sie als freischaffende Regisseurin und inszenierte unter anderem an der Staatsoper Unter den Linden, am Deutschen Theater, in Braunschweig und Schwerin.

Andrea Moses
Die gebürtige Dresdnerin kennt Weimar schon. Bildrechte: Deutsches Nationaltheater Weimar / Bernd Uhlig

Erfolgreich eingestiegen ins Musiktheater war sie am Staatstheater Meiningen, wo ihre Inszenierungen von "Salome" (2006) und "Elektra" (2007), ebenfalls nominiert für den Theaterpreis DER FAUST, vielbeachtet wurden. Mit der Uraufführung von "Die Weiden" von Johannes Maria Staudt und Durs Grünbein präsentierte sie 2018 ihre erste Arbeit an der Wiener Staatsoper.

Seit 2015 unterrichtet Andrea Moses als Gastprofessorin an der "Ernst Busch", zudem gibt sie Meisterkurse, wie an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. August 2020 | 16:30 Uhr