Sänger Matthew Healy von der Band The 1975.
Sänger Matthew Healy von der Band The 1975 Bildrechte: dpa

Kennenlernen Warum The 1975 die Band der Generation Social Media ist

The 1975 ist eine Band aus Manchester, die seit 16 Jahren existiert und gerade einen Höhenflug ohnegleichen erlebt. Vor allem in ihrer britischen Heimat, wo ihr drittes Album "A Brief Inquiry Into Online Relationships" mit "OK Computer" von Radiohead verglichen oder als "Meilenstein einer Generation" gefeiert wird. Ob die Band dem tatsächlich gerecht wird?

von Marcel Anders, MDR KULTUR

Sänger Matthew Healy von der Band The 1975.
Sänger Matthew Healy von der Band The 1975 Bildrechte: dpa

Matthew Healy gilt als Hoffnungsträger der britischen Musikszene, ein sehr ambitionierter ist er noch dazu: "Ich habe nicht diese Indie-Mentalität, dass mir alles egal wäre – sondern ich gebe mir Mühe", versichert er und legt mit "A Brief Inquiry Into Online Relationships" ein Konzeptalbum vor, das sich mit den Kehrseiten der modernen Welt befasst: Existenzängsten, Falschmeldungen, fehlgeleitetem Nationalismus, aber auch mit einer Kommunikationstechnik, die uns komplett vereinnahmt.

Dagegen – so Healy – müssten wir uns wehren, indem wir alles hinterfragen und uns auf den gesunden Menschenverstand verlassen: "Ich habe keine Lösungsvorschläge, sondern sage nur: Ist es nicht merkwürdig, was hier passiert? Sollten wir vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein und uns mehr Gedanken machen?", fragt Healy und rechnet ab mit den sozialen Medien, dem Internet und all den Telekommunikationsmitteln, die unser Leben eigentlich vereinfachen sollen – aber uns letztlich vereinnahmen, kontrollieren und abhängig machen.

Das Internet ist ein tolles Hilfsmittel. Aber ich mache mir definitiv Sorgen, wie es unseren sozialen Dialog beeinflusst.

Matthew Healy, Sänger von The 1975

Kritische Gedanken zu Gesellschaft und Zeitgeist unterlegt seine Band The 1975 mit einem Sound, der absolut genreübergreifend ist und zwischen Synthie-Pop, Noise-Rock, R&B, Jazz, HipHop und sogar Soul pendelt. The 1975 outet sich so als Kind der Nuller-Jahre, das mit der Vielfalt des Internets aufgewachsen ist, alles in sich aufgesaugt und daraus einen eigenständigen Hybrid entwickelt hat.

"Ich bin ein Modernist"

Healy sagt es so: "Ich bin ein Modernist. Ich bin der Meinung, dass rückwärts gerichtete Ideen reine Nostalgie sind. Deshalb hasse ich Bands, die wie andere vor ihnen klingen. Klar, ist es toll, mal ein paar Riffs von Led Zeppelin zu spielen, aber das ist nichts anderes, als alte Sachen aufzukochen. Deswegen halte ich es mit Brian Eno, der sagt: 'Ich bin lieber ein Cowboy als ein Farmer.' Denn ein Farmer bleibt immer zu Hause und kümmert sich ums Feld – während ein Cowboy ständig woanders ist und immer etwas Neues entdeckt. Insofern will ich ein Cowboy sein."

Pop mit Anspruch und Sendungsbewusstsein

In Großbritannien sind The 1975 Medienlieblinge, weil sie der Presse jede Menge Futter liefern. In den USA gelten sie dagegen als Underground-Band, haben aber trotzdem Platz Eins der Albumcharts erreicht und füllen gigantische Arenen. In Deutschland sind sie noch ein reiner Insidertipp, der für Irritation sorgt, was Matthew Healy nicht weiter tragisch findet: "Schließlich sehen wir uns selbst als Band, die polarisiert." Und das sei doch viel besser als mit dem Strom zu schwimmen:

"Es gibt kein Dazwischen. Die Leute, die uns mögen, haben eine wirklich enge Beziehung zur Musik. Etwa die 16-jährigen, die alleine in ihrem Zimmer hocken und über Kopfhörer The Smiths hören. Sie lieben The 1975. Leute, die in Sachen Musik eher passiv sind, haben dagegen Probleme mit uns. Einfach, weil wir verlangen, dass sie genauer hinhören und sich einbringen.

Wir machen zwar Pop, aber nicht im Sinne von 'Dancing On The Ceiling'. Es geht ein bisschen tiefer. Und das mögen manche nicht.

Matthew Healy, Sänger von The 1975

Popmusik mit Anspruch und Sendungsbewusstsein. Damit rennen The 1975 aktuell offene Türen ein.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Dezember 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2018, 04:00 Uhr

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