Egon (Ove Sprogöe, re.) lässt sich mit seinen beiden Kumpanen Benny (Morten Grunwald, li.) und Kjeld (Poul Bundgaard) in der Kopenhagener Filiale der Weltbank einschließen.
Immer in Deckung: Egon (Ove Sprogöe, re.) mit seinen beiden Kumpanen Benny (Morten Grunwald, li.) und Kjeld (Poul Bundgaard). Bildrechte: MDR/Degeto

Krimikomödien aus Dänemark Vor 50 Jahren eroberte die Olsenbande das Kino

Die Olsenbande ist Kult. Noch immer! Auch oder gerade, weil die drei Kopenhagener Ganoven Egon, Benny und Kield so schön erfolglos sind. Am 11. Oktober 1968 feierte der erste Film Premiere. Dem folgten noch dreizehn weitere. Vor allem in der DDR wurden die Streifen ein echter Renner - das allerdings konnten die Macher damals noch nicht ahnen ...

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Egon (Ove Sprogöe, re.) lässt sich mit seinen beiden Kumpanen Benny (Morten Grunwald, li.) und Kjeld (Poul Bundgaard) in der Kopenhagener Filiale der Weltbank einschließen.
Immer in Deckung: Egon (Ove Sprogöe, re.) mit seinen beiden Kumpanen Benny (Morten Grunwald, li.) und Kjeld (Poul Bundgaard). Bildrechte: MDR/Degeto

Jedes Mal dasselbe. Egon Olsen ist verflucht. Immer und immer wieder endet alles, wo es angefangen hat. Egon wandert wieder ins Kittchen, hinter schwedische, nein, dänische Gardinen. Und das obwohl doch diesmal alles glatt laufen sollte.

Ich habe einen Plan, einen genialen Plan, der nicht schief gehen kann. Und dann hat man es nur mit Dummköpfen und Schlappschwänzen, lausigen Amateuren und lächerlichen Hampelmännern zu tun.

Egon

Am 11. Oktober 1968 läuft der erste Film der Olsenbande in den dänischen Kinos an. Weder der Erfinder Henning Bahs, noch Regisseur Eric Balling oder die Darsteller ahnen etwas vom Potenzial des Streifens um die drei Kleinganoven Egon, Benny und Kield. Zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keinerlei Gedanken an eine Fortsetzung.

Über Systemgrenzen hinweg

Schnell ist aber klar: Die Olsenbande kommt beim Publikum gut an. 1970 schafft sie es vom westlichen Kopenhagen in die sozialistische DDR. Hier werden die Filmfiguren zu guten, alten Bekannten: Egon, Benny, Kjeld, seine Frau Yvonne, Söhnchen Börge, "Dynamit Harry", Kriminalkommissar Jensen und sein Assistent Holm. Dazu die unverzichtbaren Nebenfiguren und Ingredienzien: Die internationalen Finanzmagnaten zum Beispiel, Waffenhändler, EG-Regierungschefs, ihr "Butterberg" und andere finstere Machenschaften.

Überspitzt und doch nah am Leben

Das ewige Scheitern, das großspurige Improvisieren, aus Wenig mit Einfallsreichtum zumindest Etwas zu machen - das alles kennt man in der DDR ziemlich gut. Sympathisches Verlierertum, respektlos vor vermeintlichen wie vor wirklichen Autoritäten. Erhard Köster, der Kjeld die deutsche Synchronstimme auslieh, erinnerte sich später daran, dass das Team großen Spaß hatte, Dinge durch den Kakao zu ziehen, die man in der DDR eigentlich nicht kritisieren durfte, wie die Armee, die Polizei oder hohe Staatsbeamte.

Wir transponierten das natürlich auf uns: Was würde geschehen, wenn man sich sowas bei uns zu Schulden kommen ließe? Das war spaßig und für einen Moment befreiend.

Erhard Köster, Defa-Synchronsprecher

Die Defa synchronisierte die deutsche Fassung sehr liebevoll - dies könnte ein Grund dafür sein, dass die Olsenbande in der DDR Kult wurde, im Westen dagegen (wo eine separate deutsche Fassung produziert wurde) ziemlich unbekannt blieb.

30 Jahre Abenteuer

50 Jahre Olsenbande
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Insgesamt 14 Filme mit der Olsenbande laufen über die Jahre in den Kinos. Als die Dilettanten-Gang um Egon sich nach dem Mauerfall doch noch einmal die Ehre gibt, wird bald klar, dass dies nun tatsächlich der allerletzte Streich der Olsenbande ist. Noch während der Dreharbeiten verstirbt Kjeld-Darsteller Poul Bundgaard. Der Film wird trotzdem zu Ende gebracht. Mit Energie und - wie immer bei der Olsenbande – Einfallsreichtum. Und Egon endet diesmal - ganz außerplanmäßig – nicht im Knast. Mächtig gewaltig!

Auch das MDR FERNSEHEN feiert die Premiere des ersten Olsenbande-Films vor 50 Jahren: Im Oktober laufen insgesamt fünf Filme des kultigen Gaunertrios.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 11. Oktober 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 04:00 Uhr