Der Dirigent Ulf Schirmer
Ulf Schirmer kam 2009 als Generalmusikdirektor an die Oper Leipzig, seit 2011 ist er ihr Intendant. Bildrechte: Kirsten Nijhof

Opernintendant im Interview Ulf Schirmer: Dieses Haus muss Wagner spielen!

Seit 2011 leitet Ulf Schirmer die Oper Leipzig, die Besucherzahlen sind seitdem stark gestiegen. Im Interview verrät er, mit welchen Mitteln er die Auslastung gesteigert hat und blickt außerdem auf persönliche Höhepunkte der kommenden Spielzeit: etwa die Aufführung der "Missa solemnis" im Festjahr zu Beethovens 250. Geburtstag.

Der Dirigent Ulf Schirmer
Ulf Schirmer kam 2009 als Generalmusikdirektor an die Oper Leipzig, seit 2011 ist er ihr Intendant. Bildrechte: Kirsten Nijhof

MDR KULTUR: Als Sie 2011 ins Amt kam gab es Vorstellungen, die waren noch nicht mal zur Hälfte besucht. Inzwischen haben Sie an der Oper eine Auslastung von rund 76 Prozent. Wie haben Sie das geschafft?

Ulf Schirmer: Alle Menschen brauchen Verlässlichkeit und Vertrauen. Diese Grundwerte haben wir deswegen versucht zu vermitteln, durch den Aufbau eines stabilen Kernrepertoires, was hier ja zuvor offensichtlich fehlte. Die Wagner-Pflege war nicht von Anfang an mein Plan, sie hat sich vielmehr aus sich selbst heraus entwickelt, nachdem wir 2013 mit Bayreuth gemeinsam die Frühwerke produziert haben. Der Ring wird nun jedes Jahr von Grund auf probiert, was einen ungeheuren Aufwand darstellt. Und ich glaube, das spürt ein Publikum.

Hat Ihre mittlerweile jahrelange Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester auch die Ideenfindung und Planung inspiriert?

Zuerst einmal hat diese Zusammenarbeit meine Art zu dirigieren und zu probieren verändert, in Hinblick auf Präzision und Genauigkeit. Das bleibt ja nicht aus. Der große Erich Leinsdorf hat einmal gesagt, dass in einem solchen Prozess sowohl Orchester als auch Dirigent sich verändern. Und natürlich: Durch das Kennenlernen des Orchesters war ich schnell überzeugt, dass dieses große Haus auch diese großen Werke von Wagner und Strauß spielen muss! Für solche Werke gibt es solche Orchester.

Ein Mann und eine Frau halten sich an den Händen und singen, ein anderer Mann steht grinsend dahinter.
Zuletzt feierte die Wagner-Oper "Der fliegende Holländer" in Leipzig Premiere. Bildrechte: Tom Schulze

Die neue Spielzeit bietet ein breites Tableau – vom Tristan über den Liebestrank bis zu Ullmanns "Der Sturz des Antichrist" oder Lehárs "Juxheirat". Gibt es eine Produktion, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Mittlerweile gibt es im Spielplan natürlich ein paar biografische Bezüge. Nehmen Sie die Festaufführung der "Missa solemnis" im Festjahr zu Beethovens 250. Geburtstag: Ich befasse mich mit diesem Stück seit 20 Jahren und hatte immer schon die Idee, dass wir es mit dem Haus machen. Nun haben wir mit Thomas Eitler-de Lint einen engagierten Chordirektor, der dieses Repertoire ebenfalls will und mag. Ich wollte zum Festjahr nicht Fidelio ansetzen, denn gefühlt werden das wohl alle Theater tun. Ich ehre Fidelio also, indem ich ihn nicht aufführe (lacht).

Eine andere Sache ist natürlich "Capriccio". Richard Strauss ist mir in seiner politischen Ambivalenz eine dauernde Herausforderung. Seine Werke sind für mich Fixsterne am Himmel, aber sie sind ohne historischen Kontext nicht denkbar. Und sich damit auseinanderzusetzen lohnt immer, denn das ist unsere Geschichte.

Spielt diese Ambivalenz auch eine Rolle bei Ihrer Produktion von "Capriccio"? Die zeitlichen Umstände, in denen dieses Stück entstanden ist?

Nach allem, was ich von Regisseur Jan Schmidt-Garre weiß, wird es so sein. Aber es wird nicht direkt um die zeitlichen Umstände der Entstehung gehen: Sie werden also keine marschierenden SS-Mannen auf der Bühne erleben. Nein, Schmidt-Garre hat sich etwas anderes einfallen lassen, aber das möchte ich nicht verraten. Es könnte hoch interessant werden …

Die Fragen stellte Bettina Volksdorf für MDR KULTUR.

Mehr zur Oper Leipzig

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 14:28 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren