Ladegast-Orgel im Merseburger Dom
Mit dieser Orgel im Merseburger Dom wurde Friedrich Ladegast bekannt. Bildrechte: Eckehard Schulz/dapd

Geboren nahe Rochlitz Der Orgelbauer der Romantik: zum 200. Geburtstag von Friedrich Ladegast

Friedrich Ladegast sorgte in der Musikwelt des 19. Jahrhunderts für Aufsehen: seine Orgeln galten als das Nonplusultra, nicht zuletzt weil sie das romantische Klangideal perfekt intonierten. Geboren wurde er 1818. MDR KULTUR-Autor Hartmut Schade blickt auf Ladegasts Leben und die Spuren, die er in Mitteldeutschland hinterlassen hat.

Ladegast-Orgel im Merseburger Dom
Mit dieser Orgel im Merseburger Dom wurde Friedrich Ladegast bekannt. Bildrechte: Eckehard Schulz/dapd

"Erbaut von Friedrich Ladegast von hier." - diese Inschrift findet sich an einer Orgel in Hermsdorf bei Rochlitz. Dort wurde Friedrich Ladegast als Sohn eines Tischlers geboren, dort lernte er auch das Einmaleins der Holzbearbeitung. Wo sein musikalisches Knowhow herrührte, ist heute unklar. Ladegast selbst betonte gegenüber dem Organisten William Hepworth einmal.

Ich bin, im Grunde genommen, ebenso musikalisch veranlagt wie du, nur daß Zeit und Verhältnisse mir nicht gestatten, meine diesbezüglichen Fähigkeiten auszubilden.

Friedrich Ladegast

Das Orgelbauerhandwerk lernte Friedrich Ladegast bei seinem Bruder und auf einer ausgedehnten Wanderschaft durch Mitteldeutschland. Seine eigene Werkstatt gründete er im damaligen preußischen Ausland, in Weißenfels. Fernab der sächsischen Konkurrenz.

Erste Erfolge in Merseburg

Die ersten Jahre waren hart, Reparaturen, Umbauten, dann kam ein Auftrag für die Dorfkirche in Hohenmölsen, wo er auf eigene Kosten ein zweites Manual einbaute. So viel Engagement für die Kunst ließ andere aufhorchen. Der Merseburger Domorganist David Hermann Engel setzte sich vehement und erfolgreich für Ladegast ein, als der Merseburger Dom eine neue Orgel brauchte.

Es war das einstimmige Gefühl aller, daß diese Orgel ein Musikinstrument sei, den Ruf des Erbauers als ausgezeichneten Musiker begründend. Der Charakter dieses Werks unterscheidet sich wesentlich von den aller anderen Orgeln.

Franz Brendel in der "Allgemeinen Musikzeitung" nach dem Eröffnungskonzert

Bei diesem Lob des Musikkritikers Brendel nach dem Eröffnungskonzert blieb es nicht: An Kraft und Fülle beim Gebrauch des vollen Werks komme die Ladegast-Orgel wohl den besten gleich, einzig in ihrer Art sei sie aber in den sanfteren Stimmen. Es ruhe ein Wohllaut darin, wie er ihn bei anderen Orgeln noch nicht gehört habe.

Der Klang ist, um die Hauptsache mit einem Worte zu bezeichnen, poetischer Natur.

Franz Brendel

Das "Orgelwunder" sprach sich herum: Tastengott Friedrich Liszt war vom Klang so begeistert, das er eigens für das Instrument seine Fuge über B-A-C-H komponierte.

In der Erfolgsspur

In der Nikolaikirche in Leipzig weiht am Sonntag (31.10.2004) Superintendent Martin Henker (r) neben Pfarramtsleiter Christian Führer bei einem Festgottesdienst die restaurierte Ladegastorgel.
Auch Sachsens größte Orgel in der Leipziger Nikolaikirche stammt von Ladegast. Bildrechte: dpa

Merseburg bedeutete für Ladegast den Durchbruch. Seine Betonung der zarten, lieblichen Töne entsprach dem Zeitgeschmack, entsprach dem Ideal einer romantischen, empfindsamen Musik. Weitere Großaufträge folgten deswegen: für die Orgel der Leipziger Nikolaikirche, für den Schweriner Dom, den Wiener Musikvereinssaal, für die Stadtkirche von Weißenfels und die Schlosskirche in Wittenberg.

Daß aber diese, vom Höchsten ausersehene Geburtsstätte der Reformation und Ruhestätte des großen Reformators ausersehene Kirche es ganz verdient, auch durch eine ... vorzüglich gute Orgel ausgezeichnet zu werden, dies sollte mich begeistern, wenn ich mit der Erbauung derselben betraut würde, eine dieser geheiligten Stätte würdiges Werk zu liefern.

Friedrich Ladegast

Friedrich Ladegast lieferte: nach Estland und Lettland, und auch in seinen Geburtsort Hermsdorf. Die eingangs bereits zitierte Notiz an der dortigen Orgel erzählt aber nicht nur vom Stolz auf die Herkunft.

Es war dies das 108. Werk. Die größten Scheußlichkeiten habe ich in Leipzig von einigen (...) Organisten und einem Kantor erleiden müssen.

Weder die Orgel der Thomaskirche noch die des Gewandhauses durfte Ladegast bauen. Der musikalische Zeitgeschmack ging über ihn hinweg, gefragt waren plötzlich Orgeln mit einem vollen orchestralen Klang. Doch in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Ladegast-Orgeln wiederentdeckt und gelten heute als bedeutende tönende Denkmäler der Orgelbaukunst.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. August 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 04:00 Uhr