Schüler und verkleideter Eisbär demonstrieren mit Schildern vor Magdeburger Landtag
Magdeburger Schüler bei einer "Fridays for future"-Demonstration im Februar. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Betrachtung Die "Parents for Future" sind mutig und konsequent

Unter dem Motto "Fridays for Future" gehen seit Wochen tausende Schülerinnen und Schüler auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu streiken. Mit gespaltenen Reaktionen: Die einen halten die Aktivisten für Schulschwänzer, andere unterstützen sie. "Parents for Future" nennen sich jetzt die mitstreikenden Eltern. Ist das im Sinne der Protestierenden? Ein Standpunkt von MDR KULTUR-Autorin Anne Sailer, selbst Mutter von drei schulpflichtigen Kindern.

Anne Sailer, Mitarbeiterin MDR KULTUR
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Anne Sailer, MDR KULTUR

Schüler und verkleideter Eisbär demonstrieren mit Schildern vor Magdeburger Landtag
Magdeburger Schüler bei einer "Fridays for future"-Demonstration im Februar. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Mal ehrlich: Wenn wir früher die Schule schwänzten, waren wir schlicht faul, verliebt, aufmüpfig oder wollten einfach unsere Grenzen austesten. Wir hatten keine hehren Ziele. Für das Klima von der Schule fern zu bleiben, müssen die Grundlosschwänzer einfach doof finden. Faules Pack, denken wir und meinen doch nur uns selbst.

Manche Eltern sehen das mittlerweile anders. Sie meinen, ihr Nachwuchs lerne beim Malen von Plakaten, auf Demos und bei der Auseinandersetzung mit Themen wie Klimawandel, CO2-Ausstoß, Artensterben und Erderwärmung mehr, als beim Büffeln binomischer Formeln oder der Rezitation von Schillers "Handschuh". Sie begleiten ihre Sprösslinge nun zu den Kundgebungen, weil man hier was fürs Leben lernen kann. Das sagen sie und stellen sich hinter ihre Kinder – und nicht wie wir es von den allgegenwärtigen Helikoptereltern kennen – VOR sie. Sie bestärken sie in ihrem Ungehorsam.

Anne Sailer, Mitarbeiterin MDR KULTUR 3 min
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Wenn Papa mit zur Demo geht

Doch wie findet das die Jugend? Eltern sind ihnen doch entwicklungsbedingt eh peinlich: Noch dazu sind sie ja die Schuldigen. Sie sind mit verantwortlich für Massentierhaltung, Billigflüge, Smog, das Ozonloch und die überfischten Meere voller Plastik. Die "Parents for Future" wollen aber raus aus der Schämecke – sagt der Gründer in Deutschland Thomas Stegh, selbst Vater von vier Kindern: "Ich war, wie viele andere Eltern, in einer Whatsapp-Gruppe zu 'Fridays for Future'. Meine Tochter hat sich dort engagiert – und ich fand das spannend. Irgendwann wollten wir aber unsere Kinder bei dem, was sie auf die Beine stellen, nicht mehr stören. Und daher haben wir spontan 'Parents for Future' gegründet."

Ich meine: Dieser Schritt ist mutig und konsequent. Er zeigt, was Elternliebe bedeutet: Schließlich sind wir mal Eltern geworden, weil wir an eine Zukunft glaubten, an eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Enkel. Eltern kann es nicht egal sein, in was für einer Welt ihr Nachwuchs irgendwann einmal leben muss. Deshalb müssen wir uns eingestehen, dass wir selbst Teil des Problems sind, wir müssen unseren Kindern zeigen, dass auch wir lernfähig sind und unseren eigenen Lebenswandel überdenken. Auch wenn das bedeutet, Schulschwänzen zu legitimieren.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 12. März 2019 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 08:43 Uhr

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