Fernsehkritik "Parfum" - eine Serie mit Sogwirkung

Die Miniserie "Das Parfüm" ist keine Neuverfilmung des Weltbestsellers von Patrick Süskind. Und doch spielt das Buch eine Rolle, so wie der Geruchssinn. Die Geschichte des Parfumeurs Grenouille, der für den perfekten Geruch mordet, ist hier eher die Keimzelle für einen modernen Thriller. Die sechsteilige Serie, die bei ZDF Neo läuft und komplett in der Mediathek verfügbar ist, ist mit August Diehl, Friederike Becht und Wotan Wilke Möhring ausgezeichnet besetzt.

von Claudia Bleibaum, MDR KULTUR

Zahnlos (Albrecht Felsmann), Moritz (Leon Blaschke), Butsche (Julius Nitschkoff), Katharina (Franziska Brandmeier), Roman (Oskar Belton), Elena (Valerie Stoll)
Eine Clique mit einem Geheimnis - Szene aus der Serie "Parfum". Bildrechte: ZDF/Jakub Bejnarowicz

Ein goldblondgelockter Junge rennt mit einer roten Haarsträhne, die einer Trophäe gleicht, über flache, unbehaust wirkende Landschaft. Wir sind am Niederrhein 2018 und merken schnell, dass es hier keine Idylle geben wird. Dafür sorgen das bläuliche Licht und der drohende Sound. Und schon wenig später wird klar: Die Mutter des Jungen wurde ermordet und verstümmelt.

Ein Fall für Profilerin Nadja Simon, gespielt von Friederike Becht und Staatsanwalt Grünberg, wunderbar gegen den Strich besetzt mit Wotan Wilke Möhring. Doch nicht nur sie werden durch das Verbrechen auf den Plan gerufen, sondern auch die Freunde des Opfers. Als Jugendliche waren sie eine Clique mit einem Geheimnis - nun kommen sie zur Beerdigung nach Jahren wieder zusammen.

Geduld beim Schauen

Bleibt man nach der ersten Folge von "Parfum" als Zuschauer noch auf Distanz, entfaltet die Geschichte danach einen unglaublichen Sog. Das liegt zum einen am Drehbuch von Eva Kranenburg, die sich als Psychologin und Sexualtherapeutin mit menschlichen Abgründen auskennt, zum anderen am überzeugenden visuellen Konzept des Regisseurs Philipp Kadelbach.

Je länger die Serie voranschreitet, umso länger werden auch die Kameraeinstellungen, es wird sehr lange gefahren, man wird mit den Figuren in die Dinge entdecken und Perspektiven entblättern.

Philipp Kadelbach

Das Konzept folgt der Geschichte, die in der Vergangenheit nach den Spuren des heutigen Verbrechens sucht. Verdächtige, Opfer, Ermittler, alle haben in dieser Geschichte ihre Abgründe, sagt Wotan Wilke Möhring, der den Staatsanwalt gibt. Man sehe die Serie mit einer gewissen Abscheu, aber gleichzeitig auch mit Faszination. Denn der Mensch sei eben auch ein Triebwesen - das grausamste Wesen auf diesem Planeten.

Klare Rollenverteilung?

Auffällig bei der Miniserie ist, dass die Frauenfiguren Mordopfer, geschlagene Ehefrauen, wartende Geliebte sind, kurz: dass sie Opfer von Männern sind. Für Hauptdarstellerin Friederike Becht ist das kein Thema.

Männer sind Opfer und Täter, genauso wie die Frauen Opfer und Täter sind. Deshalb sehe ich da keine Debatte zwischen den Geschlechtern.

Friederike Becht
Nahaufnahme Moritz de Vries (August Diehl) im Sesel sitzend und mit leerem Blick in die Kamera schauend.
August Diehl spielt den Parfümeur Moritz de Vries. Bildrechte: ZDF/Jakub Bejnarowicz

Der Sechsteiler, den das ZDF mit dem Streamingdienst Netflix produziert hat, wird sich sicherlich auch international gut verkaufen lassen. Die Frage, wieviel Süskind in der Serie ist, kommt ganz auf die Sichtweise an. Es gehe, wie im Buch, um den Wunsch geliebt zu werden, immer im Zusammenhang mit der Herstellung des Parfums, so Regisseur Philipp Kadelbach.

Das moderne Serienzeitalter braucht Stoff für ständig neue Serien und manchmal genügt eine Inspiration, ein Tropfen aus einem Buch. Und so ist die Serie "Parfum" zugleich weniger und mehr als ihre Vorlage.

Informationen zur Serie "Parfum" Alle Folgen sind online abrufbar in der ZDF Mediathek

Sendetermine bei ZDF Neo:
14.11., 22:00 Uhr
14.11., 22:50 Uhr
21.11., 22:15 Uhr
21.11., 23:10 Uhr
28.11., 22:15 Uhr
28.11., 23:20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. November 2018 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 12:30 Uhr

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