Interview Schauspielerin Paula Beer: Bei "Undine" geht es um Emanzipation

Schauspielerin Paula Beer sieht in ihrer Rolle der "Undine" im gleichnamigen Kinofilm ein Beispiel für eine emanzipierte Frauenfigur. Beer sagte MDR KULTUR, ihr habe gefallen, dass es Regisseur Christian Petzold "bei dieser Undine eben vor allem um die Emanzipation" gegangen sei.

Zwei Extreme in einer Figur

Für Beer hat Undine zwei Seiten: eine "Über-Weibliche und Sinnliche", zugleich aber auch eine "stereotype männliche Seite von kompletter Brutalität". Beide Extreme zusammenzubringen, "das Unweiblichste und das Weiblichste in einer Figur", sei gerade in der heutigen Debatte über Frauenfiguren im Film "sehr spannend und sehr modern", findet Beer.

Der Film ist am Donnerstag in die Kinos gekommen. Darin spielt Beer die Märchenfigur Undine, die im heutigen Berlin als Stadthistorikerin arbeitet. Seit Jahrhunderten lebt sie mit dem Fluch, Männer töten zu müssen, die sie verlassen. Der Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) verliebt sich in sie und beide gehen als Paar auf Tauchgänge.

Ein Film mit ungewöhnlicher Frauenfigur

Undine
"Undine" mit Paula Beer und Franz Rogowski Bildrechte: imago images/Prod.DB

Beer sagte, an der Rolle habe sie auch gemocht, dass "es kein kitschiges Märchen ist, sondern eigentlich eine total moderne Frau, die jetzt auch nicht mit Wallehaar oder irgendwelchen großen weißen Kleidern im Wind steht, sondern die halt so ganz normal in Jeans da durch marschiert." Zugleich habe die Figur etwas, was man nicht begreifen könne, wo man aber spüre: "Da ist noch mehr dahinter, die ist nicht nur verrückt – das macht einfach total Spaß, weil man damit auch beim Spielen so ein bisschen rumexperimentieren kann."

Gerade die Dreharbeiten unter Wasser hätten "eine wahnsinnige Poesie" gehabt, so Beer, "aber auch Absurdität und Langsamkeit." Das habe die Stimmung am Set geprägt, "und ich finde, das spürt man irgendwie bei dem Film". Als sie das fertige Produkt zum ersten Mal gesehen habe, sei ihr der Film wie ein Traum vorgekommen.

Beer ist noch immer davon überwältigt, dass sie im Februar bei der Berlinale für "Undine" einen Silbernen Bären gewonnen hat: "Ich kann das bis heute immer noch nicht ganz glauben." Als sie bei der Preisverleihung ihren Namen gehört habe, sei sie "ein bisschen im Nebel" gewesen. Auch am nächsten Morgen habe sie sich erst versichern müssen, ob nicht alles nur ein Traum gewesen sei.

Schauspielerei ist ihr wichtiger als Prominenz

Interessante Figuren zu spielen ist für Paula Beer der Kern ihres Berufes. Wenn sie selbst ins Kino gehe, wolle sie keine Schauspieler sehen, sondern Figuren, so die 25-Jährige: "Irgendwie interessiert mich dann nicht der Mensch dahinter." Deshalb sei es für sie auch uninteressant, sich als Privatperson in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ein Facebook-Profil etwa habe sie nie gehabt: "Mir ist es auch viel zu aufwendig, und ich weiß auch nicht, wen es interessieren würde, wo ich gerade Kaffee trinke." Sie wolle einfach schauspielern: "Ich glaube, deswegen bin ich da nicht so hinterher, Follower zu gewinnen."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juli 2020 | 12:05 Uhr