Premiere via Videoplattform Zoom "Frederick": TdjW Leipzig bringt interaktives Puppentheater in die Wohnzimmer

Eigentlich war die Aufführung von "Frederick" vom Theater der Jungen Welt für Kindergärten und den Theatersaal geplant. Jetzt feiert das Stück um die Maus Frederick am Samstag seine Premiere digital. Eine Situation, die nicht nur den Machern Neues abverlangt, sondern auch den kleinen Zuschauern neue Möglichkeiten eröffnet.

Digital: Frederick am Theater der Jungen Welt Leipzig 4 min
Bildrechte: Ida Zenna

MDR KULTUR - Das Radio Sa 21.11.2020 06:00Uhr 03:33 min

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Die Mäusegeschichte von Leo Lionni ist ein Sinnbild der Zeit. Der harte Winter steht bevor und alle Mäuse sammeln fleißig Stroh und Körner. Nur eine Maus, Frederick, sammelt Farben, Wörter und Sonnenstrahlen und zeigt den anderen Mäusen, wie wichtig – quasi systemrelevant – Kunst und Kultur für die langen grauen Wintertage sind. Tröstende Worte für die Kulturschaffenden, aber auch eine wichtige Lehre für die Kinder: Es gibt auch viele immaterielle Güter, die unser Leben bereichern. Und die sollen auch in einer Zeit, in der vieles anders ist, nicht wegfallen.

Wir versuchen den Kontakt zu den Kindern und den Familien zu halten, zu sagen: Wir sind da – komme, was wolle.

Clara Fritsche, Darstellerin

Erste kleine Filmformate hat das Theater der Jungen Welt bereits im ersten Lockdown versucht. Jetzt spielt es erstmals live über Zoom und interagiert mit dem jungen Publikum über den Bildschirm.

Gerade für die junge Zielgruppe von Kindern ab drei Jahren bietet das auch Vorteile: Das Umfeld ist gewohnt und die Kinder können sich dort frei bewegen – sei es für die Interaktionen oder nur, um zwischenzeitlich auch mal aufzustehen. Unter anderem können sich so die Kinder wie die Mäuse zuhause auf Vorratssuche begeben. Der interaktive Teil soll sich aber trotzdem in Grenzen halten, auch um das Publikum nicht zu verschrecken. 

Puppenspiel auf dem Bildschirm hat Tradition

Digital: Frederick am Theater der Jungen Welt Leipzig
Darstellerin Clara Fritsche versteckt sich nicht hinter den Puppen, sondern ist Teil der Inszenierung. Bildrechte: Ida Zenna

Für Darstellerin Clara Fritsche ist es die erste Erfahrung dieser Art. Sie muss einerseits in die Kamera kommunizieren und gleichzeitig das Publikum in kleinen Kacheln auf ihrem eigenen Bildschirm im Blick haben. Gespannt ist sie vor allem, wie die Dreijährigen reagieren werden und ob das Stück tatsächlich zum Theater- oder am Ende doch nur zu einer Art Fernseherlebnis wird: "Vieles wird sich im Prozess, glaube ich, noch herausstellen."

Das Puppenspiel hat auf dem Bildschirm eine lange Tradition. "Die ersten Kindersendungen im deutschen Fernsehen waren ja auch Puppentheater-basiert", sagt Winnie Karnofka, Intendantin des Theaters. Egal ob Sandmann, Sesamstraße oder Augsburger Puppenkiste, im Fernsehbereich sei man an Puppen und animierte Figuren gewöhnt, und das habe sich auch in den digitalen Bereich weiterentwickelt. "Das Schöne ist aber, dass das Internet keine Einbahnstraße in der Kommunikation ist im Vergleich zum Fernsehen."

Die Puppenspielerin ist Teil des Geschehens

Die Live-Situation findet auch Regisseurin Julia Sontag aufregend. Man sei aber nicht nur deshalb mittlerweile weit entfernt von der Augsburger Puppenkiste, sondern auch weil die Puppenspielerin nicht mehr versteckt agiert.

Im Gegenteil, bei "Frederick" ist sie ein aktiver Teil in der Kommunikation mit dem Publikum. Ungewohnt sei aber, dass das Publikum nicht selbst seinen Blick über die Szene schweifen lassen könne. Stattdessen wird der Fokus durch den Kameramann gelenkt. "Man hat dann noch einen Mitspieler, der vorher so nicht da war."

Angaben zum Stück "Frederick" am Theater der Jungen Welt Leipzig

Premiere:
Samstag, 21. November 2020, 17 Uhr über die Plattform Zoom

Weitere Vorstellungen (alle über Zoom):
22. November 2020, 17 Uhr
14., 15. und 16. Dezember 2020, jeweils 10 Uhr
17. Dezember, 11 Uhr
22. und 23. Dezember, 10 Uhr

Voraussetzungen für die Teilnahme: eine stabile Internetverbindung und ein Endgerät mit Kamera und Mikrofon. Genaue Schritt-für-Schritt-Anweisungen werden mit Kauf des Tickets als PDF geschickt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. November 2020 | 07:15 Uhr

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