Rezo im Neo Magazin Royale bei Jan Böhmermann
Youtuber Rezo (links) zu Gast bei Jan Böhmermann Bildrechte: dpa

Erster Fernsehauftritt Rezo: Lob und Kritik für Auftritt bei Böhmermann

Rezo im Neo Magazin Royale bei Jan Böhmermann
Youtuber Rezo (links) zu Gast bei Jan Böhmermann Bildrechte: dpa

Mit seinem Video "Zerstörung der CDU" hat Youtuber Rezo Millionen Menschen erreicht. Am Donnerstag hat er erstmals im Fernsehen über das Video und die Kontroverse darum gesprochen – in Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale". Der Auftritt war mit Spannung erwartet worden, zumal Rezo zuvor offenbar diversen prominenten Talkshow-Hosts einen Korb gegeben hatte – von Anne Will über Frank Plasberg bis Markus Lanz.

Böhmermann wollte von Rezo wissen, warum er das Video gemacht habe ("Ich hatte einfach Bock drauf"), ob er damit gerechnet habe, dass es solche Wellen schlägt ("natürlich überhaupt nicht"), ob er von irgendwelchen Unternehmen dafür bezahlt oder von den Grünen beauftragt worden sei (beides "nein"). Auch habe er in den vergangenen Wochen kein Mitleid mit der CDU gehabt, obwohl es ihm "für die Guten in der Partei" leidtue, erklärte Rezo.

Die Reaktionen auf Rezos Auftritt bei Jan Böhmermann fielen gemischt aus. Marc Etzold, Herausgeber des "Focus", warf Rezo bei Twitter Scheinheiligkeit vor, und löste damit eine heftige Kontroverse aus:

Ein Vorwurf, den Rezo prompt zurückwies:

Das Wortgefecht zwischen den beiden griff am Freitagnachmittag auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak auf. Er nutzte die Gelegenheit, Rezo erneut zu einem Treffen einzuladen, "einfach one to one":

Gemischte Reaktionen in den Printmedien

"Zeit Online" lobte nach der Sendung, dass Rezo sich dem herkömmlichen Medienzirkus entzogen habe und "seine frisch erweiterte Marke im politisch-medialen Berlin nicht spazieren führt". Das spreche ebenso für ihn wie "der oberflächlich laue Auftritt bei Böhmermann".

Als Kernbotschaft dieses Auftritts machte "Zeit Online" nämlich aus, dass es Rezo "um eine andere Form der Kommunikation, um ein anderes Reden" gehe, um Klarheit und Offenheit statt der typischen ausweichenden Politiker-Antworten. "Im kalkulierten Durcheinander von Plasbergs Tresengestehe wäre solche Ehrlichkeit undenkbar", so die Bilanz von "Zeit Online".

"FAZ" sieht sich als "Lügenpresse" diffamiert

"faz.net" warf Moderator Böhmermann vor, an entscheidenden Stellen des Interviews nicht genug nachgehakt zu haben. Böhmermann hatte Rezo gefragt, ob es nicht eine Gefahr berge, wenn Youtuber wie er plötzlich durch ihre Reichweite eine große Macht hätten. Rezos Antwort, diese Gefahr sei immer da, auch etwa bei den großen Zeitungen, fand der FAZ-Kommentator "unterkomplex".

Außerdem habe Böhmermann sich mit einem "lässig hingesagten 'Lügenpresse'-Vorwurf" Rezos zufriedengegeben, ohne kritisch nachzufragen. Hintergrund ist ein Twitter-Streit zwischen Rezo und dem Innenpolitik-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Jasper von Altenbockum. Rezo warf ihm in der Sendung erneut vor, er habe "rechte Verschwörungstheorien" getwittert, wofür von Altenbockum sich nicht entschuldigt habe.

"Eine verschenkte Möglichkeit"

Der Rezensent von "Süddeutsche.de" fand Rezo "sympathisch" – auch wenn der Youtuber in der Sendung keine Aussagen gemacht habe, die zum Nachdenken anregten: "Eine Auseinandersetzung über Inhalte gibt es auch nicht. Das ist nicht nur fad, sondern eine verschenkte Möglichkeit", so die Süddeutsche.

Aus Sicht des "Tagesspiegels" war Rezos Auftritt unspektakulär. Der Youtuber komme in seinen Videos deutlich interessanter rüber als im Fernsehstudio. Böhmermann aber habe "seinen Fernsehruhm mehren können" - er "suchte nicht die Provokation, er war mit Rezos Präsenz zufrieden. Es war ein faires Gespräch, das Rezo nicht überhöhte und nicht verkleinerte".

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Juni 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2019, 15:04 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren