Richard Ashcroft
Richard Ashcroft - einer der Britpop-Stars der 90er Jahre. Bildrechte: Dan Chalkney

Albumkritik Richard Ashcrofts "Natural Rebel": außergewöhnlich schöner Rock 'n' Roll

Sie nannten ihn "Mad Richard" oder auch "Cpt. Rock" – die Rede ist von Richard Ashcroft, Ex-Sänger von The Verve und einer der größten britischen Rockstars der 90er. Als Solist backt er inzwischen deutlich kleinere Brötchen, ist auch längst nicht mehr so präsent wie früher, aber: Sein neues, mittlerweile fünftes Album "Natural Rebel" ist bemerkenswert – weil außergewöhnlich gut. Unser Autor hat Richard Ashcroft in London getroffen.

von Marcel Anders, MDR KULTUR-Musikkritiker

Richard Ashcroft
Richard Ashcroft - einer der Britpop-Stars der 90er Jahre. Bildrechte: Dan Chalkney

Die Essenz des Rock 'n'Roll ist komplett verwässert worden. Daher auch die Langeweile, die wir gerade spüren – und die ich unerträglich finde.

Richard Ashcroft

Richard Ashcroft, der große, dürre Mann mit der angewachsenen Easy Rider-Sonnenbrille und der Armee-Jacke zum mexikanischen Fußballtrikot leidet unter gesteigertem Kulturpessimismus. Gleichzeitig erweckt das aber auch den Kämpfer in ihm. Sein fünfter Alleingang "Natural Rebel" ist so simpel und schlicht, dass er geradezu subversiv anmutet: Zehn Songs mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, die zwischen altmodischem Rock 'n' Roll, Americana und Soul pendeln. Die einen warmen, harmonischen 70er-Jahre-Sound mit Streichern und Orgeln aufweisen. Und einfach zeitlos schön sind.

Ich mag Alben, die nicht nur klanglich an verschiedene Orte vorstoßen, sondern auch emotional. Bei denen sich der Künstler fragt: 'Wie sollen sich die Leute nach dem Hören fühlen?' Und ich möchte, dass sie auf Wolke 7 schweben.

Musik über das, was wirklich zählt

Dreh und Angelpunkt der Songs ist denn auch das menschliche Befinden - in typisch hintergründiger Ashcroft-Manier: Er gibt sich nicht politisch oder systemkritisch, sondern erinnert uns an das Wichtige im Leben: An wahre Liebe, die Schönheit der Natur, wie man den täglichen Wahnsinn meistert und sich nicht von Geld und Gier korrumpieren lässt. Das tut er leidenschaftlich und subtil. Aber er verkauft es - im Gegensatz zu vielen Kollegen – nicht als Mission.

Ich mag es nicht, zu predigen. Und ich tue nicht so, als hätte ich den Schlüssel zu allen Problemen. Denn wie würde der in Bezug auf diese Monster – auf die Waffenindustrie, die pharmazeutischen Konglomerate und die High Tech-Firmen – aussehen? Habe ich da eine Antwort? Nein, die habe ich nicht.

Richard Ashcroft

Eine Absage an die Bonos dieser Welt – die Rock-Rebellen mit Geheimkonten in Panama und Einkaufszentren in Duisburg. Denen widmet Ashcroft "Natural Rebel", einen Albumtitel voller Ironie - mit dem er keineswegs sich selbst meint. Denn ein Rebell, so der 47-jährige, der sich gerne in Rage redet, sei er nun wirklich nicht. Er habe eine schöne Frau, zwei Söhne, er möge schnelle Autos Fußball und Boxen.

Und wenn ich an Deutschland denke, fällt mir als erstes ein, dass ich da mit 200 Sachen über die Autobahn brettern kann. Das ist alles, was mich interessiert – das ist mein Leben.“

Richard Ashcroft

Ganz so rebellisch ist der Mann also gar nicht – er will einfach nur spielen. Und das tut er auf "Natural Rebel". Ein gelungenes Album, das zweifellos zu seinen stärksten zählt.

Richard Ashcroft
Bildrechte: BMG

Angaben zum Album Richard Ashcroft: "Natural Rebel"

Bestellnummer / EAN:
405053842384 / 4050538423846

Label:
BMG RIGHTS MANAGEMENT

Richard Ashcroft 4 min
Bildrechte: Dan Chalkney

MDR KULTUR - Das Radio Mo 22.10.2018 07:10Uhr 03:56 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Richard Ashcroft 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 22. Oktober 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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