Romy Schneider
Romy Schneider im Film "Das Mädchen und der Kommissar", 1971 Bildrechte: IMAGO

Vor 80 Jahren geboren Romy Schneider – mehr als nur Sissi

Munter, unschuldig und ein wenig kokett: Es ist das Image, das Romy Schneider als zuckersüße Kaiserin Elisabeth in den "Sissi"-Filmen nie wieder loslassen sollte. Doch die gebürtige Wienerin war mehr als das: Als Charakterdarstellerin nahm sie die Filmkritiker für sich ein, als Femme fatale die Modewelt. Das wahre Leben aber war für die erfolgreiche Schauspielerin immer ein Kampf. 1982 starb sie 43-jährig in Paris an Herzversagen. Am 23. September 2018 wäre sie 80 Jahre alt geworden.

Romy Schneider
Romy Schneider im Film "Das Mädchen und der Kommissar", 1971 Bildrechte: IMAGO

Ihr Leben hätte ein Märchen mit Happy-End sein können - wie das der jungen und vom Volk angehimmelten Film-Kaiserin "Sissi". Ein Schicksal, das Romy Schneider allerdings nur auf der Leinwand vergönnt war: Aus der "Kaiserin der Herzen" wurde zwar ein international gefeierter Star, doch damit hörte das Märchen auf. Sie selbst sagte einmal:

Ich kann nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand.

Romy Schneider, Schauspielerin

Als "Sissi" zum Star des deutschen Films

Als Frau mit vielen Gesichtern sorgte die Vollblutschauspielerin in den Medien regelmäßig für Schlagzeilen. Am 23. September 1938 in Wien als Tochter des österreichisch-deutschen Schauspielerehepaares Wolf Albach-Retty und Magda Schneider geboren, wurde Romy Schneider zunächst als Kaiserin Elisabeth von Österreich in den 50er- und 60er-Jahren bekannt, einer Rolle, mit der sie sich in die Herzen der Deutschen spielte. Die Krone wurde jedoch bald zur Last. Als der vierte Teil der "Sissi"-Filme gedreht werden sollte, brach sie mit dem Klischee der naiven und unbekümmerten Kindfrau und mit Deutschland. Sie hatte sich in Alain Delon verliebt, einen der attraktivsten, erfolgreichsten Schauspieler Frankreichs, und zog nach Paris.

Vom süßen Mädel zur tragischen Figur

Dort wurde aus der kindlichen Unschuld eine "femme fatale", etwa in dem Theaterstück "Schade, dass sie eine Dirne ist" oder den Filmen "Der Swimmingpool", "Inzest" oder "Die Geliebte des Anderen". Schneider liebte, verführte und litt - so wie im wahren Leben. Sie ging auf Galas und Bälle, trug Chanel und schminkte sich die Augen schwarz. Das "Sissi"-Image war endlich dahin. "Ich will ganz französisch sein in der Art, wie ich lebe, liebe, schlafe und mich anziehe", sagte sie damals. Doch Alain Delon war nicht nur im Film ein Frauenheld und Draufgänger. So hatte er zum Beispiel eine Affäre mit der Velvet Underground-Sängerin Nico. Nach einer stürmischen Fünf-Jahres-Liaison verließ der umtriebige Playboy Romy Schneider. Sie schnitt sich die Pulsadern auf, konnte aber noch rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden.

Verführerisch, erotisch, sinnlich - und unglücklich

Alain Delon und Romy Schneider in Der Swimmingpool
In "Swimming Pool" (1969) spielte Schneider an der Seite ihres früheren Partners Alain Delon. Bildrechte: imago/United Archives

Mit Harry Meyen unternahm sie einen letzten Versuch, in Deutschland zu einem bürgerlichen Leben zurückzukehren. 1966 heiratete sie den 14 Jahre älteren Regisseur und Schauspieler, noch im selben Jahr kam ihr Sohn David zur Welt. Doch nach wenigen Jahren Ehe legte sie die Rolle als biedere Ehefrau und bodenständige Mutter ab.

1973 kehrte die Schauspielerin wieder nach Paris zurück, zwei Jahre später wurde sie von Meyen geschieden und begann in Paris ihr Leben noch einmal neu - diesmal mit ihrem elf Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini. 1977 kam die gemeinsame Tochter Sarah zur Welt. Doch auch diese Ehe ging in die Brüche. Gerüchte um Bisexualität kamen auf. Romy Schneider war wieder in ihre Rolle als "femme fatale" geschlüpft: verführerisch, erotisch, sinnlich und unglücklich.

Diszipliniert durch ein Leben voller Arbeit

Romy Schneider
Romy Schneider wurde 1938 in Wien geboren, ihr bürgerlicher Name lautete Rosemarie Magdalena Albach. Bildrechte: IMAGO

1979 nahm sich Harry Meyen das Leben. Romy Schneider litt unter heftigen Schuldgefühlen. Im Sommer 1981 dann der nächste, verhängnisvolle Schicksalsschlag. Sohn David wurde mit 14 Jahren beim Versuch, über einen Zaun zu klettern, von einer Metallspitze aufgespießt und starb. Vergeblich versuchte Romy Schneider, ihren Schmerz mit Tabletten und Alkohol zu stillen. Ihr letzter Film "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" von 1982 spiegelt auf tragische Weise auch ihr persönliches Schicksal wieder: Romy Schneider starb am 29. Mai 1982 mit erst 43 Jahren in Paris. Herzversagen lautet die Todesursache offiziell. In Wirklichkeit jedoch scheiterte sie wohl am Leben und sich selbst.

Wieder auf der großen Leinwand

Schneiders Persönlichkeit beeindruckt bis heute: Anfang des Jahres brachte die Regisseurin Emily Atef "3 Tage in Quiberon" in die Kinos. In diesem in schwarz-weiß gedrehten Spielfilm näherte sich Atef Schneider, indem sie ein dreitägiges Interview im bretonischen Kurort Quiberon rekonstruierte. Marie Bäumer schlüpfte in die Rolle der großen Schauspielerin - und bekam dafür den Deutschen Filmpreis.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Café | 23. September 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2018, 04:00 Uhr