Auszeichnung Gerhard-Altenbourg-Preis für Ruth Wolf-Rehfeldt

Schreibmaschinengrafiken waren ihr Markenzeichen, mit dem Ende der DDR stellte Ruth Wolf-Rehfeldt ihr hinter- und untergründiges Kunstschaffen ein. Jetzt bekommt die 88-Jährige Künstlerin den mit 50.000 Euro dotierten Gerhard-Altenbourg-Preis des Lindenau-Museums in Altenburg, der mit einer Ausstellung im nächsten Jahr verbunden ist.

Ruth Wolf-Rehfeldt
Die Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt lebt heute in Berlin. Bildrechte: imago/Rolf Zöllner

Ruth Wolf-Rehfeldt erhält den Gerhard-Altenbourg-Preis des Lindenau-Museums 2021. Zu dieser Entscheidung kam das Kuratorium zum wichtigsten Thüringer Kunstpreis in einer virtuellen Zusammenkunft am Sonntag. Demnach zeigte sich die 1932 in Wurzen geborene und mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin von der Nachricht hocherfreut. Mit der Auszeichnung verbunden ist eine Ausstellung im kommenden Jahr, die laut Kuratorium unter besonderen Vorzeichen steht, nicht nur angesichts der Pandemie, sondern auch da das Lindenau-Museum in Altenburg zurzeit umfassend saniert und erweitert wird und die gewohnten Räumlichkeiten im Gebäude an der Gabelentzstraße nicht zur Verfügung stehen.

 Typewritings und Mail Art als hinter- und untergründige Kunst

Bekannt wurde Ruth Wolf-Rehfeldt durch ihre "Typewritings" genannte Schreibmaschinengrafiken, die seit Anfang der 1970er-Jahre entstanden. Auf ihrer Erika-Schreibmaschine schuf sie mithilfe der Buchstaben, Zahlen und Zeichen abstrakte Kompositionen, aber auch konkrete Formen wie Schmetterlinge oder Wellen. Ihre Kunst wurde so zu einer ironischen Auseinandersetzung mit ihrem Brotberuf als Büroleiterin und Schreibkraft.

Ruth Wolf-Rehfeldt
Mail Art von Ruth Wolf-Rehfeldt Bildrechte: imago/Rolf Zöllner

Als autodidaktische Künstlerin in der DDR wählte sie angesichts zu befürchtender Überwachung ein scheinbar unverfängliches Medium für ihre kritische Kunst, die zugleich zu einem Dialog mit internationalen Kunstströmungen wurde, die "Mail Art". Ihr Atelier in der Mendelstraße im Bezirk Pankow in Ost-Berlin entwickelte sich damals zu einem Treffpunkt der DDR-Kunstszene. Die originalen Werke bewahrte sie in ihrem Archiv, während Kopien der Werke als "Mail Art" in der ganzen Welt kursierten.

Erste große Auszeichnung ihres Schaffens

Wolf-Rehfeldt hatte ihre künstlerische Arbeit mit der Wende beendet. Mit dem Untergang der DDR sah sie für ihre Kunst keinen Bedarf mehr. Aus einem tragischen Grund endete auch das Schaffen des Namensgebers für den Preis, Gerhard Altenbourg kam Ende 1989 durch einen Autounfall ums Leben. Trotz des Jahrzehnte zurückliegenden Abschieds vom Kunstschaffen wurde Wolf-Rehfeldts Werk in den letzten Jahren eine vermehrte Aufmerksamkeit zuteil. Das Weserburg Museum für moderne Kunst zeigte anlässlich ihres 80. Geburtstages 2012 eine Retrospektive, 2017 wurde sie auf der documenta 14 in Kassel gewürdigt. Mit dem Gerhard Altenbourg Preis des Lindenau-Museums erhält sie erstmals einen bedeutenden Kunstpreis. Von der mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung bekommt die Künstlerin 10.000 Euro als Preisgeld. Das übrige Geld wird für Ausstellung und Katalog verwendet.

Gestiftet wird der Preis von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Sparkasse Altenburger Land, dem Freistaat Thüringen und dem Förderkreises "Freunde des Lindenau-Museums" e. V..

 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. November 2020 | 16:30 Uhr

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