Sächsische Landesausstellung zur Industriekultur Eisenbahnmuseum Chemnitz: Die Geschichte vom "Eisenbahn-Boom"

Einer der Schauplätze der gerade eröffneten Landesaustellung zu 500 Jahren Industriekultur in Sachsen ist das Eisenbahnmuseum in Chemnitz-Hilbersdorf. Der Güterbahnhof war 1902 in Betrieb genommen worden, denn damals florierte die Eisenbahn und somit auch das Eisenbahnnetz. Inzwischen gehört dieser Boom der Vergangenheit an und der Bahnhof ist Museum – Geschichte, wenn man so will, Eisenbahngeschichte. Und die wird in Chemnitz-Hilbersdorf authentisch erzählt.

Vorderansicht einer alten Lok im Eisanbahnmuseum Chemnitz 2 min
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Der Bahnhof Chemnitz-Hilbersdorf ist heute lediglich ein Haltepunkt der Regionalbahn auf der Strecke Zwickau – Dresden. Die Zeugen aus seiner glanzvollen Zeit, als der einstige Güterbahnhof zu den größten in Europa zählte, sind aber alle noch im Original da und in Schuss, wie der Kurator der Schauplatzausstellung Eisenbahn, Claudius Noack, erzählt: "Wir haben hier ein Areal, was in einem sehr guten originalen Zustand erhalten ist. Der Betrieb auf dem Gelände hat ja quasi nie aufgehört. Seit 1901/02 ist hier ständig Eisenbahn betrieben worden, waren hier immer Lokomotiven untergestellt."

Das unterscheide das Museum von vielen anderen Einrichtungen, wo, nachdem sich die Reichsbahn zurückgezogen habe und Gebäude aufgegeben wurden, Stillstand eingetreten sei. Das sei in Chemnitz-Hilbersdorf nie der Fall gewesen.

In der Hand zweier Vereine

Zu verdanken ist das zwei Vereinen, die sich ehrenamtlich dem historischen Bahngelände samt Inventar angenommen haben. Die "Eisenbahnfreunde Richard Hartmann" kümmern sich beispielsweise um die inzwischen weltweit einmalige Seilablaufanlage, mit der bis 1992 im Akkord Güterzüge aufgelöst und neu zusammengestellt wurden – 3.600 Waggons, knapp 100 Züge täglich.

Lokomotiven im Eisenbahnmuseum Chemnitz 4 min
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Im Eisenbahnmuseum am ehemaligen Güterbahnhof Chemnitz-Hilbersdorf können Besucher die Geschichte vom "Eisenbahn-Boom" erleben. Das Museum ist einer der Schauplätze der sächsischen Landesausstellung zur Industriekultur.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 15.07.2020 06:00Uhr 03:51 min

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Ihre Kollegen vom Verein "Sächsisches Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf" wiederum sorgen dafür, dass das ehemalige Bahnbetriebswerk weiterhin funktioniert. Dessen Vorsitzender Jörg Bauersachs erinnert sich noch daran, wie sie das 26 Hektar große Areal gemeinsam gekauft haben. "Allein beim Gelände ging es um 4,5 Millionen. Als Verein, da haben wir schon ganz dicke Backen gemacht. […] Bei so einer großen Fläche muss auch Geld aufgebracht werden, was wir Gott sei dank geschafft haben."

Viele Vereinsmitglieder waren früher selbst Eisenbahner und bringen somit das nötige Knowhow mit, die historischen Lokomotiven zu rekonstruieren und zu erhalten. Die wichtigsten von denen, die in der Region unterwegs waren, reihen sich im sogenannten Ringschuppen aneinander: Diesellok-Legenden wie zum Beispiel die Dicke Babelsbergerin oder die Taigatrommel. Bauersachs bezeichnet die beiden Lokomotiven als die Keimzelle des Vereins. "Die sind schon vor der Wende als Museumslokomotiven eingestuft gewesen bei der Reichsbahn, sind erhalten worden und dann haben sich Lokführer aus dem Bahnbetriebswerk drum gekümmert."

Wegbereiter der Bahn in Sachsen

Die Lokomotiven seien Anfang 1900 in Chemnitz bei Hartmann gebaut worden. Der Chemnitzer Maschinenbau-Fabrikant Richard Hartmann hatte die Zeichen der Zeit erkannt, als er sich 1848 entschloss, Dampflokomotiven herzustellen. Er gehört zur den zahlreichen Entwicklern, Ingenieuren und Arbeitern, die der Bahn in Sachsen den Weg bereiteten.

Ebenso wie Friedrich List, der bereits 1833 Ideen zu einem nationalen Eisenbahnsystem entwickelt hatte. Konkret sprach er sich damals für eine Fernbahnstrecke zwischen Dresden und Leipzig aus, die tatsächlich 1839 als erste ihrer Art im deutschen Staatenbund in Betrieb genommen wurde.

Aufgrund dieser Eisenbahnstrecke habe man in Sachsen den ersten Eisenbahntunnel auf dem europäischen Festland, sagt Kurator Claudius Noack. In Niederau bei Coswig. Er existiert bis heute – genau wie der einstige Güterbahnhof Chemnitz-Hilbersdorf. Dieser hat Dank der Landesausstellung eine Zukunftsperspektive. Denn durch neu geschaffene Präsentationsflächen, aufwendige Arbeiten an den alten Gebäuden und auf dem brachen Gelände könnte sich der Traum von einem professionellen Museum bald erfüllen.

Angaben zur Ausstellung "Eisenbahn-Boom"
vom 11. Juli bis 02. November 2020

Öffnungszeiten:
Do bis So: 10-17 Uhr
Feiertags: 10-17 Uhr

Adresse:
Eisenbahnmuseum
Frankenberger Str. 172
09131 Chemnitz

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Juli 2020 | 08:40 Uhr