Bernd-Lutz Lange und Sohn Sascha
Bernd-Lutz Lange und Sohn Sascha leben auch heute noch in Leipzig. Bildrechte: Gaby Waldek

Sachbuchvorstellung Sascha und Bernd-Lutz Lange erzählen ihre persönliche Wendegeschichte

Der 9. Oktober 1989 gilt vielen Ostdeutschen als wichtiger Tag innerhalb der Wendezeit: Zehntausende Menschen zogen damals in Leipzig um den Ring, ohne zu wissen, ob ihre Demonstration friedlich enden würde. In ihrem Sachbuch "David gegen Goliath. Erinnerungen an die Friedliche Revolution" erzählen der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und sein Sohn, der Historiker Sascha Lange, sehr persönlich von dieser so bangen wie aufregenden Zeit.

von Bettina Baltschev, MDR KULTUR

Bernd-Lutz Lange und Sohn Sascha
Bernd-Lutz Lange und Sohn Sascha leben auch heute noch in Leipzig. Bildrechte: Gaby Waldek

Der 9. Oktober 1989 war ein Montag. Wie in den Wochen zuvor bereiteten sich die Leipziger damals auf Friedensgebete vor und auf eine Demonstration für Meinungs-und Reisefreiheit, ungeachtet dessen, dass in der ganzen Stadt die Kampfgruppen der Arbeiterklasse Stellung bezogen. Der 17-jährige Sascha Lange hätte damals eigentlich zuhause bleiben sollen, erinnert er sich heute. Doch er hielt sich nicht an den Wunsch seiner Mutter und zog los. Im Buch "David gegen Goliath" blickt er nun sehr persönlich zurück auf diesen aufregenden Tag – gemeinsam mit seinem Vater Bernd-Lutz Lange.

'Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!' ist auf einem Transparent zu lesen.
Die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989. Bildrechte: dpa

Der war damals unterwegs in historischer Mission: Mit einem Theologen und drei Mitgliedern der SED-Bezirksleitung saß der Kabarettist am 9. Oktober im Wohnzimmer von Gewandhauskapellmeister Kurt Masur. Gemeinsam verfassten sie den als "Aufruf der Leipziger Sechs" berühmt gewordenen Text: Ein von Masur verlesener Aufruf zur Besonnenheit, der am Abend in den Kirchen, im Radio und über den Stadtfunk verbreitet wurde.

Ein persönlicher Blick zurück

Bernd-Lutz Lange und Sascha Lange erzählen diese Geschichte des 9. Oktober sehr detailreich nach, berichten vom eigenen Erleben und von dem ihrer Freunde und Mitstreiter. Denn trotz des gut gemeinten Aufrufs war es alles andere als selbstverständlich, dass dieser Tag friedlich enden würde. Noch in den Wochen zuvor war es zu Festnahmen gekommen, waren Demonstranten mit Gewalt auseinander getrieben worden. Bernd-Lutz Lange beschreibt es heute als ein Wunder, dass damals niemand durchgedreht sei.

Der Demonstrationszug am 10.10.1989 durch die Leipziger Innenstadt.
Bernd-Lutz Lange bezeichnet es heute als "Wunder", dass die Situation nicht eskalierte. Bildrechte: dpa

Gleichzeitig erinnert er gemeinsam mit seinem Sohn daran, dass die damaligen Demonstrationen ursprünglich nicht die deutsche Wiedervereinigung zum Ziel hatten, sondern eine reformierte, wahrhaft demokratische DDR. Der Historiker Sascha Lange sagt, man habe damals nicht die Fantasie gehabt, sich eine Wiedervereinigung vorzustellen, die Länder seien sich damals sehr fremd gewesen.

Das Geheimnis der friedlichen Revolution

MDR FIGARO Radio-Café - die Leipziger Sechs von 1989 im Bild v.l.: Bernd-Lutz Lange, Dr. Roland Wötzel, Dr. Peter Zimmermann, Prof. Kurt Masur, Dr. Jochen Pommert und Dr. Kurt Meyer - im Gewandhaus Leipzig  25. Mai 2009
Die "Leipziger Sechs" bei einem Wiedertreffen im Mai 2009. Bildrechte: MDR / Stephan Flad

"David gegen Goliath. Erinnerungen an die Friedliche Revolution" von Sascha und Bernd-Lutz Lange besticht weniger durch eine vollständige Berichterstattung über ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte, das längst auch anderswo ausführlich beschrieben wurde. Die Kraft des Textes liegt eher in der Zeugenschaft der beiden Autoren, die den Leipziger Herbst noch einmal hautnah miterleben lassen. Während der Schüler Sascha Lange die Ereignisse damals neugierig beobachtete, trug der Kabarettist Bernd-Lutz Lange mit dem "Aufruf der Leipziger Sechs" dazu bei, dass die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 nicht in einem Blutbad endete.

Fragt man nach einer Botschaft, die das Buch für die Gegenwart liefert, so ist es wohl die, dass es nicht viel braucht, um Geschichte zu schreiben. In diesem Falle nur ein wenig Courage, ein Blatt Papier mit wohlformulierten Sätzen und 70.000 Gleichgesinnte.

Buchcover: Sascha und Bernd-Lutz Lange: "David gegen Goliath"
Bildrechte: Aufbau

Informationen zum Buch Bernd-Lutz Lange, Sascha Lange: "David gegen Goliath - Erinnerungen an die Friedliche Revolution"
221 Seiten
mit 36 Abbildungen
Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-351-03787-1

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Sachbuch der Woche | 09. Oktober 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 11:18 Uhr

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