Vorschau Leipzigs Schauspiel-Intendant zur neuen Saison: "Wir wollen spielen, wir haben Sehnsucht"

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MDR KULTUR - Das Radio Di 26.05.2020 15:30Uhr 07:36 min

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Das Schauspiel Leipzig will coronatauglich in den Spielbetrieb der nächsten Saison starten. Wie Intendant Enrico Lübbe am Dienstag erklärte, wird sowohl auf der Bühne als auch in den Zuschauerreihen der vorgegebene Mindestabstand von 1,50 Meter berücksichtigt. Das führe unter anderem dazu, dass vor der großen Bühne statt 670 noch maximal 108 Zuschauer Platz fänden. Ein umfassendes Hygienekonzept sei beim Gesundheitsamt eingereicht worden.

"Gefühlte Wirklichkeiten" und "Widerstand"

Ein Mann auf einem Podium
Intendant Enrico Lübbe Bildrechte: Schauspiel Leipzig

Für die Spielzeit 2020/21 plant das Haus 30 Premieren und 21 Wiederaufnahmen. Zum Spielzeitauftakt am 25. September gibt es eine "Winterreise" inspiriert vom gleichnamigen Liedzyklus von Wilhelm Müller und Franz Schubert sowie auf Basis von Elfriede Jelineks Stück. Regie führt Lübbe selbst, der sich freute den Theatermusiker Jürg Kienberger für die Inszenierung gewonnen zu haben. Kienberger werde Schuberts Komposition sowohl auf dem Klavier als auch auf der Glasharfe interpretieren.

Weitere konkrete Termine nannte Lübbe wegen der vielen Unwägbarkeiten noch nicht: "Wir wollen spielen, wir haben Sehnsucht." Der Plan beinhalte "die große Hoffnung, dass er so stattfindet", sagte er bei der Vorstellung. Seit März ruht wegen der Corona-Pandemie der Betrieb an dem Theater wie andernorts auch.

Die neue Saison am Schauspiel Leipzig steht unter dem Motto: "Gefühlte Wirklichkeiten", das Lübbe zufolge schon gewählt worden war, bevor die Corona-Krise samt ihrer Begleiterscheinungen eintrat: "Was danach kam, wirkte wie ein Brennglas und hat uns bestärkt, das Thema weiterzuverfolgen. Die Auseinandersetzung mit und um verschiedenste Wirklichkeiten und subjektive Welten wird unsere Theaterarbeit in der neuen Spielzeit bestimmen."

Passend dazu bringt das Schauspiel im März 2021 als weitere Uraufführung das Stück "Widerstand" von Lukas Rietzschel heraus. Regie führt ebenfalls Lübbe. Im Gespräch mit MDR KULTUR beschrieb er die Verbindung zum Spielzeitmotto so: "Die "Winterreise" kreist um das Thema Einsamkeit, die freiwillig gewählte und die erzwungene. "Widerstand" erzählt von einer auseinander driftenden Gesellschaft, die sich auseinander schweigt. Es geht um das Abgehängtsein, das tatsächliche und das gefühlte." "Widerstand" sei als Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig entstanden. Schon allein der Titel sei im Frühjahr, Sommer 2020 plötzlich von ungeahnter Aktualität, sagte Lübbe mit Blick auf Hygiene-Demos und Verschwörungserzählungen.

"Schäfchen im Trockenen" als Uraufführung

Schauspiel Leipzig
Höffnung auf die neue Spielzeit Bildrechte: dpa

Als weitere Uraufführung soll in der neuen Saison "Schäfchen im Trockenen" nach dem preisgekrönten Roman von Anke Stelling auf die Bühne kommen. Mit dem Roman hatte Stelling 2019 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Auch in der kleinen Spielstätte, der "Diskothek" werden zeitgenössische Texte Premiere feiern. Die Autorinnen und Autoren beschäftigten sich in ihren Arbeiten mit der Vielstimmigkeit, die heute in der Gesellschaft herrsche und mit dem Anspruch, Recht zu haben; mit dem Bestreben, Grenzen zu ziehen und dabei in Selbstgerechtigkeit zu verfallen, erklärte Lübbe weiter.

Lübbe freute sich im Gespräch mit MDR KULTUR außerdem, dass die Hausregisseure Claudia Bauer und Philipp Preuß dem Schauspiel Leipzig weiter verbunden blieben. Bauer sei von Anfang an auch von den großen Häusern umworben worden. Allerdings wisse sie auch, was sie an Leipzig habe, mit einem Ensemble und Gewerken, die ihr Möglichstes geben, um Inszenierungen wie "Meister und Margaria" zu realisieren. Bauer war mit dieser Arbeit jüngst zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Mai 2020 | 16:10 Uhr