Jörg Hartmann
Der Schauspieler Jörg Hartmann Bildrechte: dpa

Der Schauspieler über seine Rollen Jörg Hartmann: "Ich kann kein Arschloch spielen"

Der Schauspieler Jörg Hartmann kann vor der Kamera beeindruckend unsympathisch sein: Als sperrig-depressiver Kommissar Peter Faber; bis zu neun Millionen Zuschauer sahen ihn schon im Dortmunder "Tatort" ermitteln. Oder als abgründiger Stasi-Offizier in der ARD-Erfolgsserie "Weissensee"; die Rolle brachte ihm den Deutschen Fernsehpreis. Dass die Serie, die sich die Gunst von Kritik und Publikum eroberte, inzwischen auch auf Amazon, iTunes oder Netflix läuft, freut ihn nur bedingt.

Jörg Hartmann
Der Schauspieler Jörg Hartmann Bildrechte: dpa

Über mangelnde Publikumsresonanz kann sich der Schauspieler Jörg Hartmann nicht beklagen. Millionen TV-Zuschauer schalten ein, wenn er als Kommisar Peter Faber im Dortmunder "Tatort" ermittelt. Gleichwohl bedauert er, dass das Fernsehen immer seltener ein gemeinschaftliches Erlebnis sei. Zwar träfen sich immer noch Menschen in der Bar, im Café oder bei Freunden, um zusammen die ARD-Krimiserie zu gucken. Dass es dieses Gemeinschaftserlebnis noch lange geben werde, bezweifelt Hartmann angesichts der vielen Programme und Streamingangebote. Mit dem Ende des linearen Fernsehens und dem Boom des Streamings isolierten sich die Menschen noch mehr voneinander.

Da baut und backt sich jeder demnächst sein eigenes privates Fernsehen.

Jörg Hartmann, Schauspieler

Dass sich jeder sein eigenes privates Fernsehen "backe", sei schade, denn so habe man beispielsweise am Arbeitsplatz ein gemeinsames Thema weniger. Früher habe man vielleicht noch den "Tatort" oder "Anne Will" gesehen, nun streame sich jeder auf Netflix und Co. seine eigene Serie. Auch wenn das ein wenig pathetisch klinge: "Es findet eine Vereinzelung statt".

"Egal, welche Rolle man spielt, man muss sie auch verstehen"

Dabei spielt Hartmann seine Rollen, als ob ihm der Zuspruch des Publikums egal sei: als unberechenbar-sperriger Kommissar Peter Faber oder als intriganter Stasi-Offizier Falk Kupfer in der ARD-Erfolgsserie "Weissensee". Wie er Kupfers Abgründe über acht Staffeln bis zum überraschenden Finale auslotet, das brachte ihm den Deutschen Fernsehpreis. Der 50-Jährige stellt klar: "Ich kann kein Arschloch spielen." Ihm sei es wichtig, seine Rollen auch verstehen und nachvollziehen zu können, "auch diesen Falk".

Ich habe irgendwann gar nicht mehr verstanden, warum man den (Falk) als Arschloch tituliert hat. (...) Ich spielte ihn ja als jemanden, der absolut überzeugt ist von dem, was er tut. Dass er Gutes tut. Als Einziger, der noch Gutes tut, weil die anderen werden ja schwach um ihn herum.

Jörg Hartmann, Schauspieler
Falk (Jörg Hartmann, r.) versucht Vera Kupfer (Anna Loos, l.) zu überzeugen, ein Kind zu adoptieren.
Hartmann als Falk Kupfer in "Weissensee" Bildrechte: MDR/Julia Terjung

Dabei haben diese Rollen nur wenig mit dem offenen Zeitgenossen zu tun, der früher nach eigenem Bekunden eher das Image des Klassenclowns hatte. Nach der Kritik an der "Tatort"-Ausgabe "Zorn" vom Januar 2019, nach der der OB der Stadt Dortmund den Machern Mobbing gegen Stadt und Bewohner vorwarf, gab sich Hartmann verbindlich und riet, "Dampf aus dem Kessel" zu nehmen. Dazu würde er auch ein "lecker Pilsken" mit dem OB trinken gehen.

Soll nicht heißen, dass es dem Mimen an Ernsthaftigkeit mangelt. Als gebürtiger Westfale hatte Hartmann keine genaue Vorstellung vom Leben in der DDR. Dass die Dreharbeiten für "Weissensee" auch im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen stattfanden, half dem Schauspieler, sich in die Rolle des Stasi-Offiziers einzufinden: "Dort springt einen die Kälte und Brutalität an." Außerdem las er viel über die Methoden des DDR-Inlandgeheimdienstes. Anleitungen darüber, wie sich das Vertrauen der zu Verhörenden erschleichen lasse, schockierten ihn nach eigener Aussage am meisten.

Von der Bühne vor die Kamera

Walter Gropius (Jörg Hartmann) spricht in der Mensa des Bauhaus zu seinen Studenten.
Hartmann als Walter Gropius in "Lotte am Bauhaus" Bildrechte: MDR/UFA Fiction/Stanislav Honzik

Hartmann wurde am 8. Juni 1969 in Hagen geboren. Nach seiner Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart war Hartmann von 1994 bis 1996 am Staatstheater in Meiningen engagiert, danach und bis 1999 am Nationaltheater Mannheim. Von 1999 bis 2009 gehörte er zum Ensemble der Berliner Schaubühne, an der er weiter Gastauftritte absolviert. Seit 2007 arbeitet er vermehrt fürs Fernsehen. Zuletzt war er auch als Bauhaus-Direktor Walter Gropius im ARD-Spielfilm "Lotte am Bauhaus" zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juni 2019 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2019, 04:00 Uhr

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