Filmszene aus 'Schindlers Liste' mit Oskar Schindler (Liam Neeson, Mitte).
Szene aus "Schindlers Liste" mit Oskar Schindler (Liam Neeson, Mitte) Bildrechte: IMAGO

Kino-Geschichte Von "Schindlers Liste" bis "Inglourious Basterds": Nazi-Terror im Film

Vor 25 Jahren kam Steven Spielbergs "Schindlers Liste" in die Kinos, bis heute einer der schockierendsten Filme über den Nationalsozialismus. Doch Nazi-Filme müssen nicht zwangsläufig Schocker sein, wie weitere stilprägende Beispiele zeigen.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Filmszene aus 'Schindlers Liste' mit Oskar Schindler (Liam Neeson, Mitte).
Szene aus "Schindlers Liste" mit Oskar Schindler (Liam Neeson, Mitte) Bildrechte: IMAGO

Im Grunde ist es erstaunlich, dass sich das Kino so häufig mit der Nazizeit beschäftigt. Sicher, es gibt ein Interesse, eindeutig. Aber es gibt auch viele, die da sagen, sie können das Thema nicht mehr hören. Und dann vielleicht noch in der Freizeit. Denn mit solchen Filmen könnte es ein anstrengender, belastender Abend werden, den man nicht so ohne Weiteres vergisst. Einwände, die ein Produzent, der an den Umsatz denken muss, sicher auf dem Schirm hat. Und insofern ist es schon erstaunlich.

"Der große Diktator"

Charlie Chaplin in 'Der große Diktator'
Charlie Chaplin als "Der große Diktator", der bei ihm Anton Hynkel hieß und über Tomanien herrschte. Bildrechte: imago/United Archives

Zunächst ein Film, der die Thematik nicht historisch angeht. Sondern mit dem Blick des Zeitgenossen. 1940 bringt Charlie Chaplin "Der große Diktator" ins Kino. Genial ist die Satire dort, wo sie die Propaganda der Nazis persifliert, Hitler und seine Sprechweise aufs Korn nimmt, oder auch der Tanz mit dem Weltglobus, der schließlich zerplatzt.

Der Film gilt als Meisterwerk. Und ohnehin steht außer Frage, dass diese Satire enorm wichtig ist in einer Zeit, in der die Amerikaner noch nicht wissen, ob sie in den Krieg eingreifen. Aber: Die Darstellung des Ghettos, das Konzentrationslager, vieles ist da von einer – von heute aus gesehen – sicher verständlichen Naivität geprägt. "Hätte ich von den Schrecken in den Konzentrationslagern gewusst, ich hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können", sagt Chaplin später selbst.

"Der Junge im gestreiften Pyjama"

Naivität. Die führt uns zu dem Film "Der Junge im gestreiften Pyjama" von 2008. Denn wo der Zuschauer inzwischen weiß oder zumindest wissen kann, weiß die Hauptfigur, der Sohn eines Lagerkommandanten, zunächst gar nichts. Der wähnt sich in der Nähe eines Bauernhofes. Aber gerade diese Diskrepanz im Wissen erhöht die Anteilnahme des Zuschauers, weckt Beschützerinstinkte.

"Schindlers Liste"

Die Amerikaner stehen auf erfolgreiche Menschen. Egal wie der Erfolg zustande kommt. Sagt man. Wenn daran irgendetwas Wahres ist, kann man Steven Spielberg zur Wahl seines Helden Oskar Schindler nur beglückwünschen. Denn mit "Schindlers Liste" sagt er: Erfolg ist eben nicht alles.

Zunächst ist Schindler ein Lebemann, der von der Naziherrschaft profitiert. Doch angesichts ihrer Brutalität, des unmenschlichen Umgangs mit den Juden, der schreienden Ungerechtigkeit wandelt er sich zum Lebensretter. Wichtiges, humanistisches Kino!

"Inglourious Basterds"

Brad Pitt als Lt. Aldo Raine
Brad Pitt als Lt. Aldo Raine in "Inglourious Basterds" Bildrechte: IMAGO

Der Film kam 2009 in die Kinos, und wäre sehr viel früher auf Leinwänden kaum denkbar gewesen, zumindest nicht als A-Movie: "Inglourious Basterds". Zum einen musste sehr viel Zeit liegen zwischen dem tatsächlichen Geschehen im Zweiten Weltkrieg und dieser Arbeit. Zum anderen funktioniert sie auf der Basis einer Übereinkunft: Der Regisseur weiß, dass er Quark erzählt, und der Zuschauer weiß, dass Quark erzählt wird. Und klar ist: Grautöne Mangelware, hier herrscht nur Gut und Böse.

Das Kino hat noch viele andere Geschichten erzählt: In "Zug des Lebens", "Nackt unter Wölfen", "Dunkirk" oder anderen Filmen. Und in diesem Fall bedeutet das Erzählen von Geschichten die Aufarbeitung von Geschichte.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. November 2018 | 18:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 10:55 Uhr

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