Ein gelber Schmetterling fliegt vor einem mit Blut beschmierten Stalindenkmal und Soldaten, die auf ein zerstörtes Nazi-Monument urinieren.
Trickfilmepisoden von Schwarwel Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel

Animationsfilme Wendegeschichte(n) im Zeichentrick: Schwarwels Herbst '89

Schwarwel-Fans lieben den "Schweinevogel" oder seine Alben-Cover für Die Ärzte. In seinen Trickfilmen erzählt der Zeichner gerne Geschichte(n). Seine ganz persönlichen Zeitreisen in den Herbst '89 sind jetzt in einer langen Nacht mit Animationsfilmen im MDR Fernsehen sowie online first in der Mediathek zu sehen.

Ein gelber Schmetterling fliegt vor einem mit Blut beschmierten Stalindenkmal und Soldaten, die auf ein zerstörtes Nazi-Monument urinieren.
Trickfilmepisoden von Schwarwel Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel

Als Thomas Meitsch alias Schwarwel 1989 die Wende erlebt, ist er gerade 21, gelernter Dachdecker und bei den Theaterwerkstätten Leipzig angestellt. Danach wird alles anders, er beginnt, sich seiner großen Leidenschaft, dem Zeichnen, zu widmen. Er arbeitet als Grafiker, seine ersten Schweinevogel-Comic-Bände erscheinen, er wird Chefredakteur des neu gegründeten Comicverlags EEE und Art-Director bei der Band "Die Ärzte" ... Seine Vorwende-Erfahrungen, sein Aufwachsen in der DDR haben ihn in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt. In zwei Animationsfilmen hat er sie "aufgearbeitet": "Lieder unserer Heimat" und in "1989 – Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer".

"Sonst wird alles so elegisch"

Wer in der DDR groß geworden ist, den erinnert der Film-Titel an das Pionierlied mit der einprägsam-elegischen Melodie. Für Schwarwel wird es zum akustischen Ausgangspunkt einer Zeitreise in Bildern, die über autobiografische Episoden hinausgehen will, indem sie den Bogen von der deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung spannt. Kalter Krieg, Mauerbau und Schießbefehl, DDR-Mangelwirtschaft, Stasi-Überachung und Opposition bis hin zur großen Montagsdemo am 9. Oktober – all das zitiert Schwarwel in seinem 12-minütigen Trickfilm "1989 – Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer". In "Lieder unserer Heimat" schaut er noch einmal darauf, was ein Staat wie die DDR mit und aus den Menschen gemacht hat, die in ihm aufwuchsen und lebten.

Mit den Mittel des Trickfilms Geschichte(n) erzählen

So erzählt er die Geschichte eines untergegangenen Landes und seiner Stadt, in der der Fall eines verkrusteten Systems und der Aufbruch in demokratische Verhältnisse ihren Anfang nahmen. Als Blaupause nutzt der Leipziger seine eigene Vita und die seiner Familie, um historisch so genau wie möglich zu erzählen, wie und warum die DDR in jenem Herbst 1989 endete, aber auch, wie sie begann – mit all den Träumen, Utopien, Hoffnungen und Enttäuschungen. Inzwischen erschien auch das Buch "Lieder unserer Heimat", das dieses Stück deutscher Zeit-Geschichte auf besondere Weise und generationsübergreifend vermitteln will.

Poster Schwarwel 1989 - Unsere Heimat
Szene aus: "Unsere Heimat" Bildrechte: Glücklicher Montag

Beim Thema Friedliche Revolution, Schrägstrich Wende, Schrägstrich Mauerfall ist es naheliegend, es autobiografisch aufzuziehen. Man darf aber nicht in die Falle tappen, nur eine Nabelschau zu machen. Sonst wird das alles so elegisch und man braucht einen Saxophon-Spieler, der traurige Musik dazu spielt. Zuerst sollte es ausschließlich um den 9. Oktober gehen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht geht, ohne die Vorgeschichte zu kennen.

Schwarwel

In Kooperation mit dem MDR entwickelte Schwarwel bereits Animationsfilme zum Wagner-Jubiläum 2013 ("Richard - Im Walkürenritt durch Wagners Leben") und zur Völkerschlacht ("1813 - Gott mit uns"). Bereits seit 2004 arbeitet der Zeichner auch als Drebuch-Autor und Regisseur, "Herr Alptraum und die Segnungen des Fortschritts" heißt ein weiterer seiner Trickfilme.

Bildergalerie 1989 - Lieder unserer Heimat

Ein gelber Schmetterling fliegt vor einem mit Blut beschmierten Stalindenkmal und Soldaten, die auf ein zerstörtes Nazi-Monument urinieren.
Wie blicken eigentlich grafische Künstler auf die politische Wende von 1989 und die DDR? Der Zeichner Scharwel hat darauf seine ganz eigene Antwort gefunden. Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel
Ein gelber Schmetterling fliegt vor einem mit Blut beschmierten Stalindenkmal und Soldaten, die auf ein zerstörtes Nazi-Monument urinieren.
Wie blicken eigentlich grafische Künstler auf die politische Wende von 1989 und die DDR? Der Zeichner Scharwel hat darauf seine ganz eigene Antwort gefunden. Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel
Eine Buchseite aus einem Comicbuch.
Als Thomas Meitsch 1989 die Wende erlebt, ist der 21-jährige noch ein gelernter Dachdecker, der bei den Theaterwerkstätten Leipzig arbeitet. Später widmet er sich seiner großen Leidenschaft, dem Zeichnen, und wird Grafiker und arbeitet mit zahlreichen Künstler zusammen. Fortan trägt er auch den Künstlernamen Scharwel. Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel
Ein Mann sitzt an einem Tisch und ist Brot.
Seine Erfahrung mit der DDR hat ihn aber auch immer wieder beschäftigt. 2014 erscheint der Zeichentrickfilm "1989 – Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer". In diesem wie auch in den folgenden Trickfilmepisoden fragt er immer wieder, was ein Staat wie die DDR aus und mit einem Menschen macht. Bildrechte: MDR/Glücklicher Montag/Schwarwel
Jugendliche
Aber auch der Mangelwirtschaft, das Agieren der Staatssicherheit und die Opposition in der DDR nimmt sich Scharwel an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 02. November 2019 | 00:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 04:00 Uhr

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