Neue Spielzeit Semperoper trotzt Corona mit verkürzten Aufführungen

Die Semperoper startet nach der Corona-Pause wieder durch: Gerade feierte das Publikum Verdis Oper "Don Carlo" in einer konzertanten und kammermusikalischen Fassung mit Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. Am Dienstag stellte Intendant Peter Theiler seine Pläne für die neue Spielzeit vor, in der Sängerinnen und Sänger sechs Meter Abstand halten müssen. Deswegen heißt es nun "Semper Essenz" statt Opulenz.

Blick auf die Semperoper und das König-Johann-Denkmal auf dem menschenleeren Theaterplatz in Dresden 6 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 30.06.2020 15:30Uhr 06:19 min

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Die Semperoper Dresden will trotz der Corona-Einschränkungen das Publikum mit so viel Theatererlebnis wie möglich begeistern. Intendant Peter Theiler stellte am Dienstag den Spielplan für die Monate August bis Oktober mit 45 Aufführungen vor.

"Rechnen kann sich das nicht"

Dabei kündigte Theiler sogenannte Essenz-Produktionen an und erklärte, die Fokussierung auf die "Essenz der Werke" werde für neue und ungewohnte Seh- und Hörerlebnisse in der Semperoper sorgen. Allerdings nur für jeweils 330 Zuschauerinnen und Zuschauer, was sich Theiler zufolge nicht rechnen kann. Er sei deswegen schon im Gespräch mit der Politik. Bislang erwirtschaftete das Haus 40 Prozent der Eigeneinnahmen aus dem Kartenverkauf, der in der dreimonatigen Corona-Zwangspause einbrach. Gar nicht zu spielen, sei keine Alternative, erklärte Theiler.

"Semper Essenz" statt Opern-Opulenz

Angesichts der Hygiene- und Abstandsregeln wird eine Opern-Aufführung nun nicht mehr als eineinhalb Stunden dauern. Dazu werden Opernwerke auf wesentliche Arien und Ensembles reduziert, um sie in konzertanter oder halbszenischer Kurzfassung sowie in verkleinerter Besetzung auf die Bühne zu bringen. Zugleich sollen Licht und Video-Produktionen für eine gewisse Stimmung sorgen. Die Sänger und Sängerinnen müssen Theiler zufolge einen Mindestabstand von sechs Metern einhalten. Sie tragen Kostüme, die bei 60 Grad waschbar sein müssen. Vor dem Orchestergraben gibt es eine Demarkationslinie, damit Solistinnen und Solistinnen auf Distanz bleiben. Der Chor darf in voller Stärke nicht auf die Bühne, wird bei Bedarf in kleinerer Besetzung von der Probebühne aus zugeschaltet.

Konzertant aufgeführt werden in der Reihe "Semper Essenz" beipielsweise die Puccini-Opern "Madama Butterfly" und "Tosca" sowie "Eugen Onegin" von Tschaikowski, außerdem Rossinis "Barbier von Sevilla", Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" und "Don Giovanni". Als Solisten werden Sänger und Sängerinnen wie Hrachuhí Bassenz, Ekaterina Morozova oder Kristine Opolais zu erleben sein.

Liederabend mit Anja Harteros, Ballett, Jazz mit Baby Sommer & Christoph Hein

Zwei Lieder- sowie Galaabende des Semperoper-Balletts komplettieren den Ersatzspielplan: Das Junge Ensemble stellt Lieder aus Rossinis "Alterssünden" vor und ersetzt damit den traditionellen "Auftakt!" zum Saisonbeginn am 29. August. Für die zweite Soiree kommt Sopranistin Anja Harteros nach Dresden. Mit dem Programm "Semper Essenz: We will dance!" kann erstmals wieder das Semperoper-Ballett auf die Bühne. In die Semperoper verlegt wird das "Fenster aus Jazz" mit Günter "Baby" Sommer und Schriftsteller Christoph Hein, beide gestalten einen Abend unter dem Titel "Verwirrnis".

Ausblick auf Premieren

Sollte ab November der Spielbetrieb unter normalen Bedingungen wieder möglich sein, kommen die in der vergangenen Spielzeit abgesagten Premieren "Don Carlo" und "Wie werde ich reich und glücklich?" noch in der Spielzeit 2020/21 zur Aufführung, wie Theiler weiter erklärte. Die für Oktober geplante Premiere von Udo Zimmermanns Kammeroper "Weiße Rose" in der Inszenierung von Stephan Grögler verschiebt sich auf den 8. November. Das weitere Programm der kommenden Spielzeit soll ab November 2020 sukzessive bekanntgegeben werden. Theiler hofft auf eine Lockerung, verspricht aber, auch noch viele andere Pläne für dem Notfall in der Schublade zu haben. Der Kartenvorverkauf beginnt jedenfalls erstmal am 7. Juli.

Die Lage der Theater in der Pandemie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juni 2020 | 16:40 Uhr

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