Sa 18.08. 2018 09:05Uhr 30:00 min

MDR KULTUR - Feature Ein Mann allein

Der August 1968 in Halle/Saale

Von Tobias Barth

Komplette Sendung

Zeitreise Prager Frühling Dubcek 24 min
Bildrechte: BStU
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 18.08.2018 09:05 09:35
Charakterköpfe
Vor 50 Jahren: Sowjetischer Truppeneinmarsch in die CSSR

(Wiederholung)

Während am 21. August 1968 in der Prager Altstadt russische Panzer rollten, nahm in der DDR-Bezirksstadt Halle das alljährliche Pressefest seinen Verlauf. Karl-Heinz Carpentier, damals Reporter für den DDR-Fernsehfunk, hatte die Aufgabe, einen Dokumentarfilm über die Stadt zu drehen. Er filmte auch das Volksfest am 21. August: die Sonne schien, das Bier floß. Gedanken über die dramatischen Ereignisse im Nachbarland haben sich damals offenbar nur die wenigsten gemacht.

Einer von ihnen, der Ökonom Bernd Eisenfeld vervielfältigte in den Tagen nach dem Einmarsch der "Bruderstaaten" in der Tschechoslowakei auf seiner Schreibmaschine ein Zitat aus Lenins "Dekret über den Frieden": "... wenn irgendeiner Nation mit Gewalt das Recht vorenthalten wird, über die Form ihrer staatlichen Existenz selbst zu entscheiden, so ist das eine Annexion, d.h. eine Eroberung und Vergewaltigung..." - Diese Flugblätter verteilte Bernd Eisenfeld vor einem Kino in der Innenstadt von Halle - immer in der Hoffnung auf Reaktionen der Bevölkerung, die jedoch ausblieben. Bei einer zweiten Verteilungsaktion im September wurde Bernd Eisenfeld verhaftet und später zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

In der Sendung erinnern sich zwei Menschen an die Zeit vor 50 Jahren. Rekonstruiert werden die Auswirkungen der Prager Ereignisse auf das Alltagsleben in der DDR, dokumentiert wird, wie nah beieinander Erschütterung und Gleichgültigkeit damals lagen.

Regie: Rainer Schwarz
Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 1998

Sprecher:
Viola Sauer
Olaf Baden
Max Urlacher

(24 Min.)