Fr 17.05. 2019 09:05Uhr 30:00 min

Bernd Wagner: Die Sintflut in Sachsen
Bernd Wagner: Die Sintflut in Sachsen Bildrechte: Schöffling & Co.
MDR KULTUR - Das Radio Fr, 17.05.2019 09:05 09:35

Lesezeit Sintflut in Sachsen (10/19)

Sintflut in Sachsen (10/19)

Von Bernd Wagner

  • Stereo
Als seine Schwester Christa anruft und ihn vom Schlaganfall ihrer Mutter unterrichtet, löst sie für Max nicht nur die Reise von Berlin ins sächsische Elternhaus nach Wurzen aus - nun zieht es ihn in einen Strudel von bisweilen kruden Erinnerungen, die in seiner verzweigten Familie bis in die vierziger Jahre zurückreichen.

In der Schmiede seines Vaters "Max Wagner, Hufbeschlag und Wagenbau" waren dem 1948 geborenen Jungen nicht nur die erstaunlichsten Geschichten vom Krieg sondern auch vom handwerkerfeindlichen Aufbauwerk des Sozialismus zu Ohren gekommen. Es ist eine Welt, in der noch das Gaslicht brennt, der Kanonenofen bullert oder eine Fahrt mit der Eisenbahn einem Abenteuer gleicht. Aber das ergibt kein Bild der Idylle, kein nostalgisches Bild eines verschwundenen Landes, sondern wie deutsches Leben und Erleben in der Zeit des Entstehens zweier deutscher Staaten sich entwickelte.

Wurzen, die kleine Stadt bei Leipzig, Joachim Ringelnatz ist hier geboren, wird zum Schauplatz einer bewegenden Familiengeschichte, in der ihr Erzähler, der Junge mit den zwei linken Pfoten, keine der auf ihm liegenden Erwartungen erfüllen konnte und dem die Geschwister seine Ausreise in den Westen bis heute vorwerfen, obschon auch ihnen der sogenannten "Arbeiter- und Bauernstaat" keinen Pfifferling mehr wert war. Mit erstaunlicher Unvoreingenommenheit entfaltet der Autor ein quirliges kleinstädtisches Panorama von literarischem Rang.


* Bernd Wagner
Bernd Wagner, 1948 in Wurzen an der Mulde geboren, macht 1966 an der dortigen Goetheschule Abitur mit einer Berufsausbildung als Maurer. Bis 1970 Studium zum Deutsch- und Kunsterziehungslehrer an der Pädagogischen Hochschule Erfurt. Fortan arbeitete er als Lehrer in Schmachtenhagen bei Oranienburg. Beim Grundwehrdienst in der NVA besucht er Mitte der 1970-er Jahre die von ihm verehrten Gerhard und Christa Wolf in deren Kleinmachnower Wohnung. Wenig später gehört er zu den Unterzeichnern der Protestresolution gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Im gleichen Jahr erscheint sein erster Erzählungsband im Aufbau-Verlag. Er lebt als freiberuflicher Schriftsteller in Ost-Berlin, wird Mitbegründer der Untergrund-Zeitschrift "Mikado" und versucht eine Demo gegen die Sprengung der drei Gasometer im Prenzlauer Berg zu organisieren, die er gern als Kulturzentrum gesehen hätte. 1985 - Ausreise nach West-Berlin. Als dreifacher Familienvater kann er seine Kinder nur im Urlaub in der Tschechoslowakei oder Ungarn sehen. Die Auflösung der DDR löst eine literarische Auseinandersetzung in Form von Erzählungen und Essays aus, die 1989 bei Rowohlt unter dem Titel "Die Wut im Koffer" erscheinen. 2006 beginnt er mit der Arbeit am autobiographischen Roman. Von März bis September 2013 wird Wagner Stadtschreiber in Magdeburg und im März 2018 erscheint sein der Roman "Die Sintflut in Sachsen" bei Schöffling & Co, Frankfurt am Main. Im Februar 2019 wird er zum Stadtschreiber der Stadt Dresden berufen.


* Jörg Schüttauf
Jörg Schüttauf ist vor allem als Hauptkommissar Fritz Dellwo aus dem Frankfurter "Tatort" (2001-2010) bekannt. 1961 in Karl-Marx-Stadt, geboren, besuchte er die Theaterhochschule "Hans Otto" in Leipzig, die er 1986 abschloss. Anschließen spielte er am Hans-Otto-Theater in Potsdam und am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Noch während des Studiums gab er sein Kinodebüt in Peter Kahanes Komödie "Ete und Ali" (1985). Mit der Hauptrolle in der TV-Produktion "Lenz", für die er den Adolf-Grimme-Preis erhielt, gelang ihm 1992 der gesamtdeutsche Durchbruch. Weitere Rollen in: "Der Fahnder" (1992-1996), Jo Baiers "Der Laden" (1998) und in "Berlin is in Germany" (2001). Für seine Hauptrolle in der Kinokomödie "Vorwärts immer!" wurde er 2017 mit dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet. Beim MDR hat Jörg Schüttauf als Sprecher in zahlreichen Hörspielproduktionen mitgewirkt, zuletzt in "Dieter und der Wolf" (2019) von Holger Böhme.
Mitwirkende
Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2019
Darsteller
Sprecher: Jörg Schüttauf