Gespräch Serdar Somuncu möchte eine Oper inszenieren

Serdar Somuncu, Regisseur 44 min
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MDR KULTUR - Das Radio So 17.05.2020 12:00Uhr 43:42 min

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Satiriker, Komiker, Schauspieler, Regisseur – all das beschreibt den Künstler Serdar Somuncu. Und es beschreibt ihn auch wieder nicht. Denn seine Kunst ist nur schwer in eine Schublade zu stecken.

Im Gespräch mit MDR KULTUR distanziert er sich sogar von einigen solcher Zuschreibungen: "Ich hasse Begriffe wie Kabarettist. Das hat diesen Duktus des Besserwisserischen, etwas Belehrendes und Oberlehrerhaftes." Serdar Somuncu kritisiert eine gewisse Gefälligkeit des Kabaretts. Man wisse immer schon, was da komme. Es irritiere zu wenig. "Da ist Jonathan Meese tausend Mal mehr Kabarettist als Dieter Nuhr."

Alles, nur keine Comedy

Zu diesen Leuten wolle er nicht gehören, so Somuncu, weil er sich selbst treu bleiben wolle. Noch schlimmer als Kabarettist finde er die Zuschreibung Comedy: "Das ist nicht nur Gefälligkeit, das ist am Rande der Selbstverleugnung. Das kann ich nicht! Ich will bei mir, bei meiner Kunst, bei meiner Aufrichtigkeit, bei meinen Gedanken, bei meiner Leidenschaft und meiner Sehnsucht bleiben."

Oper ist mein letzter großer Traum. Danach kann ich sterben.

Serdar Somuncu

Und das könnte Serdar Somuncu bald auf noch völlig ungewohntes Terrain führen. Bei MDR KULTUR äußert der Künstler – ganz ironiefrei – den Wunsch, einmal Opern inszenieren zu wollen. Opernregie sei sein letzter großer Traum: "Das ist meine nächste Herausforderung: eine moderne Oper zu schaffen. Das ist für mich noch total verschlossen. Ich kack nach den ersten Takten total ab. Wenn die singen, werde ich verrückt. Aber Oper ist mein letzter großer Traum. Danach kann ich sterben." Er werde das auf jeden Fall einmal versuchen.

Provokation darf kein Selbstzweck sein

Serdar Somuncu
Somuncu in seiner rbb-Sendung "Die blaue Stunde". Bildrechte: imago images/Eibner

Ihm gehe es vor allem darum, immer weiter zu gehen, so Somuncu: "Meine Sehnsucht ist, weiter zu forschen – und das zeitgemäß, am Puls der Zeit." Er wirft die Frage auf, wie Kunst in einer schnelllebigen und radikalen Zeit noch wirksam bleiben kann. "Da ist Irritation natürlich ein ganz wichtiges Element. Aber es ist nicht darauf angelegt, ausschließlich zu irritieren und zu provozieren. Es ist nur ein Element in einem großen Stückwerk anderer Dinge."

Und so gehört für Serdar Somuncu auch immer die Erklärung zur Kunst dazu. Das fordert er im Gespräch bei MDR KULTUR auch von anderen Künstlern ein: "Ohne Kontext zu beleidigen und zu sagen: 'Ich darf das. Das ist Satire.' – das ist hohl. Das ist ein Einschlagen auf weiche Opfer."

Mit einer Idee zu beleidigen sei etwas anderes. Nicht mehr selber Opfer sein zu wollen und dafür die Bürde des Täterseins auf sich zu nehmen, um darzustellen, wie man sich als Opfer gefühlt habe, sei eine komplett andere Metaebene.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Mai 2020 | 12:05 Uhr