Familie auf der Flucht durcch den Wald
In der Serie "8 Tage" fliehen Millionen Menschen aus Europa, weil dort ein Asteroid einschlagen wird. Bildrechte: Sky/Neuesuper/Stephan Rabold

Serien-Kritik Serie "8 Tage": Ein erschütternd realistischer Weltuntergang

Noch acht Tage bis zum Weltuntergang – dann schlägt ein riesiger Asteroid in Frankreich ein. Die Auswirkungen werden den ganzen Kontinent in Schutt und Asche legen – selbst Berlin liegt noch in der Todeszone. Deshalb sind Millionen Menschen auf der Flucht. In der Sky-Serie "8 Tage" mit Christiane Paul und Mark Waschke wirkt dieses Horrorszenario erschütternd realistisch. Eine Kritik.

von Anna Wollner, MDR KULTUR-Filmkritikerin

Familie auf der Flucht durcch den Wald
In der Serie "8 Tage" fliehen Millionen Menschen aus Europa, weil dort ein Asteroid einschlagen wird. Bildrechte: Sky/Neuesuper/Stephan Rabold

"8 Tage", das heißt hier: acht Folgen präapokalyptischer Überlebenskampf. Acht Tage sind nicht viel, vor allem nicht, wenn es um den Weltuntergang geht. Mittendrin in diesem Setting ist eine Familie aus einer Berliner Vorstadt – generationenübergreifend hadert sie mit ihrem Schicksal und muss sich der Realität stellen.

Eine Ärztin (Christiane Paul) und ihr Mann, ein Physiklehrer (Mark Waschke) versuchen mit ihren pubertierenden Kindern möglichst weit gen Osten zu fliehen, nach Sibirien. Ihr Bruder (Fabian Hinrichs) will seine Kontakte in die Regierung nutzen, um gemeinsam mit seiner hochschwangeren Frau einen der letzten Flieger nach Amerika zu bekommen. Der Nachbar hat sich einen vermeintlich sicheren Bunker für sich und seine Tochter gebaut.

Wenn unmoralisches Handeln keine Konsequenzen hat

Der Vater klettert auf einem fahrenden Zug.
Szene aus "8 Tage": Der Familienvater (Mark Waschke) klettert während der Flucht auf einen fahrenden Zug. Bildrechte: Sky/Neuesuper/Stephan Rabold

In "8 Tage" machen die Produzenten um Rafael Parente und die beiden Regisseure Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher ernst. Die Ausweglosigkeit der Situation lässt ausnahmslos alle Protagonisten ihren moralischen Anker über Bord werfen, sagt Regisseur Ruzowitzky: "Ich glaube, das Interessante, sowohl individualpsychologisch als auch soziologisch, ist, dass wir von einer Welt erzählen, in der es keine Konsequenzen gibt, weil sie untergeht."

Keine Konsequenzen, keine Strafen – die Serie zeige "eine Stunde der Wahrheit", so Ruzowitzky: "Es gibt keine Ordnungsmacht, und jeder ist dann irgendwann zurückgeworfen auf den eigenen moralischen Kompass."

Gerade darin liegt der Reiz der Serie. Wozu ist der Mensch in der Lage? "8 Tage" verzichtet auf einen Heldenplot, wie ihn die meisten amerikanischen Katastrophenfilme haben. Alle Figuren – von den verängstigten und panischen Erwachsenen bis zu den Teenagern, die sich gebührend und vor allem feiernd aus dem Leben verabschieden wollen – sind in ihrem Handeln zutiefst menschlich, wenn auch verstörend.

Wozu ist der Mensch in Extremsituationen in der Lage?

Die Bilder sprechen eine Sprache jenseits des mittlerweile für Serien fast schon standardisierten kühlen Looks mit desaturierten Bildern. Dabei war es Produzent Rafael Parente wichtig, möglichst nah an einem potenziellen Realismus zu bleiben. Sein Team und er haben mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA über potenzielle Szenarien gesprochen.

Aber niemand könne in einer solchen Extremsituation wirklich hervorsagen, was passieren würde, so Parente. Er wolle auch "kein didaktisches Fernsehen machen. Wir sind keine Journalisten. Wir sind Geschichtenerzähler." Den Machen sei sehr wichtig gewesen, "dass wir am Ende auch einfach eine spannende und tolle Geschichte erzählen."

Die Katastrophe bis zum Ende durchdacht

"8 Tage" liefert einen Interpretationsansatz – und der ist erschütternd. Aus gutem Grund, so Produzent Parente: "Wir wollten konsequent bis zum Ende gehen und nicht am Ende das Ganze in einem großen Witz enden lassen: 'Ach ja, es ist ja alles doch nicht so schlimm. Am Ende haben sich alle wieder lieb.' Das wollten wir nicht."

Der Weltuntergang findet vorerst nur im Fernsehen statt. Leicht trashig, aber unterhaltsam und sehenswert. Denn in Jogginghose auf dem heimischen Sofa stirbt es sich ja auch am bequemsten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Februar 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2019, 16:18 Uhr

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