Jim Kerr, Sänger der Simple Minds
Jim Kerr, Sänger der Simple Minds, 1989 auf der Berliner Waldbühne Bildrechte: imago/BRIGANI-ART

"Streetfighting Years" auf Platz 1 Wie die Simple Minds die Charts stürmten

Vom Punk zum Stadion-Rock und Pop führt der Weg der Simple Minds. Ihre große Zeit liegt schon eine Weile zurück. Doch Sänger Jim Kerr denkt nicht ans Aufhören. 1989 war seine Band mit dem Album "Street Fighting Years" in Deutschland, England und anderen europäischen Ländern die Nummer 1. Darauf sind Hymnen wie "Belfast Child". Wir blicken zurück auf die "Streetfighting Years" der Schotten, die eine Schülerband gründeten, weil sie dachten, das sei besser als Friseur zu werden.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Jim Kerr, Sänger der Simple Minds
Jim Kerr, Sänger der Simple Minds, 1989 auf der Berliner Waldbühne Bildrechte: imago/BRIGANI-ART

Die Band startete in den 70er-Jahren, doch an einen Rückzug aus dem Musikgeschäft denken die "Simple Minds" immer noch nicht. Obwohl ihre große Zeit schon eine Weile zurückliegt. 1989 waren sie mit dem Album "Street Fighting Years" in Deutschland, England und anderen europäischen Ländern die Nummer 1. Darauf finden sich Titel wie "Belfast Child" – ein Song über den Nordirland-Konflikt. Gegen die Apartheid in Südafrika singen sie an mit "Mandela Day" ... Wieder einmal beweisen die Simple Minds, dass sie nicht nur Musik machen, sondern auch was aussagen wollen. Sogar müssen, geht es nach Sänger Jim Kerr.

Wir sind konkreter geworden, weniger allgemein. Ich könnte nicht noch viel konkreter werden, ohne zu denken, dass ich eine Volksrede halte. Ich habe aber das Gefühl, dass ich aufwachse und lerne und jetzt will ich schreiben, was ich denke, auch wenn ich dabei riskiere, Unrecht zu haben.

Jim Kerr, Sänger

Lieber eine Band gründen, als Friseur in Glasgow sein

Wer sich die Anfänge der Simple Minds anschauen will, der muss sich in das Jahr 1977 begeben, nach Glasgow. Eine Stadt, von der Kerr mal sagte, hier sei der Beruf des Friseurs die einzige Möglichkeit der Selbstverwirklichung und dass als schwachsinnig gelte, wer Songs schreibe. "Johnny And The Self Abusers" schreiben trotzdem, und dass man sich im Jahre 1977 bewegt, hört man ihrer Single "Saints And Sinners" zweifelsohne an. Es herrscht die Hochzeit des Punk.

Die Band fliegt bald wieder auseinander. Und aus den Trümmern erheben sich die Simple Minds. Und erheben, das kann man ruhig so sagen. Die Band gilt bald schon als Geheimtipp, Vergleiche mit David Bowie oder Roxy Music werden gezogen, aber man kann wohl genauso die Talking Heads oder Devo heranziehen. Das Album "Real To Real Cacophony" von 1979 gerät dann allerdings zu artifiziell, manchmal wirkt es sogar gewollt-holprig, und Simple Minds verändern den Sound. Das Publikum dankt es der Band, und die Band dem Publikum.

Also ohne selbstgefällig klingen zu wollen, ich bekomme Briefe, die offensichtlich von Hippies über Disco-Mod-Leute oder Heavy Metal-Fans bis hin zu New Wave-Leuten geschrieben sind. Das passt mir gut.

Jim Kerr, Sänger

"Don't You (Forget About Me)" ...

1984 landet die Band mit "Sparkle In The Rain" erstmalig ganz oben in den britischen Charts. Es ist dann ein Film, der der Band ein Jahr später zu einem echten Single-Hit verhilft: "Don't You (Forget About Me)" aus "Der Frühstücksclub". Kerr kann das durchaus genießen:

Durch unsere Musik haben wir viel von der Welt gesehen. Eigentlich wäre so etwas nie möglich gewesen. Wir sind schließlich Arbeiterkinder aus Glasgow, wir haben niemals eine gute Schule besucht, die Schulen waren überfüllt, und die Lehrer hatten leider nie die Zeit, die Schüler tatsächlich zu unterrichten.

Jim Kerr, Sänger

Oder: Aufhören können andere 

"Street Fighting Years" mit Songs wie "Belfast Child", "Mandela Day" oder "This Is Your Land" ist nicht nur ein großer Erfolg, das Album markiert einen Wendepunkt in der Band-History. Danach nimmt der Zuspruch deutlich ab. Unterwegs sind die Simple Minds heute nach wie vor, und Alben bringen sie immer noch heraus. Aufhören können andere. 

Die größte Krankheit zur Zeit ist Antriebslosigkeit. Also was noch schlimmer sein muss, als ohne Arme und ohne Beine zu leben, ist ohne Vision zu leben.

Jim Kerr, Sänger

 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Juni 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2019, 04:00 Uhr

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