Baumbachhaus Kranichfeld
Seit kurzem versucht der Förderverein, die Bürger Kranichfelds im Baumbachhaus zusammenzu bringen: wie hier etwa bei "Kranichfeld spielt". Bildrechte: Baumbachhaus/Helena Mühe

"Erwartungen an die Landesregierung wurden enttäuscht" Wie geht es der Soziokultur in Thüringen?

Am Abend wird in Erfurt der Kulturriese verliehen: ein Preis für soziokulturelle Institutionen oder Vereine, die Herausragendes leisten. Ein Anlass, für uns nachzufragen, wie die Stimmung in der freien Kulturszene ist. Waren die vergangenen fünf Jahre unter der rot-rot-grünen Landesregierung goldene Zeiten? Oder hakt es an gewissen Stellen?

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Baumbachhaus Kranichfeld
Seit kurzem versucht der Förderverein, die Bürger Kranichfelds im Baumbachhaus zusammenzu bringen: wie hier etwa bei "Kranichfeld spielt". Bildrechte: Baumbachhaus/Helena Mühe

Das Baumbachhaus ist ein schnuckeliges Fachwerkhaus in Kranichfeld, einem kleinen Städtchen südlich von Erfurt. Einst wurde hier der Dichter Rudolf Baumbach geboren, nach der Wende engagierten sich deswegen viele Menschen aus dem Ort gegen den Abriss des Gebäudes. Über die Jahre wurde aus dem Erinnerungsort ein soziokulturelles Zentrum: Heute finden hier unter anderem Filmabende, Kammerkonzerte oder Ausstellungen statt, fast täglich wird ein Café betrieben und ein kleines Museum erinnert an die Geschichte des Hauses und den Namensgeber.

Ehrenamtlich dabei

Hinter all diesen Aktivitäten steckt keineswegs die Stadt, sondern ein Förderverein. Die Mitglieder investieren viel Zeit und Herzblut, um alles am Laufen zu halten. "Die Gefahr ist ja in diesen kleinen Orten – das werden so Schlafstädte. Die Geschäfte schließen, man trifft sich weniger. Wir versuchen in diesem Baumbachhaus ein Angebot zu entwickeln, wo die Leute einfach Lust haben, sich mal zu treffen, zu schwatzen, mal miteinander zu feiern", so erklärt der Vereinsvorsitzende Otto Hahn sein Engagement.

Baumbachhaus Kranichfeld
Innenhof des Baumbachhauses: im Sommer ein schöner Treffpunkt in Kranichfeld. Bildrechte: Baumbachhaus/Helena Mühe

Seine Worte dürften in der Politik mit Begeisterung gehört werden, ist die Belebung des ländlichen Raumes hier doch ein wichtiges Thema. Und dennoch muss der Verein viel Kraft aufwenden, damit hier alles läuft: Von der Ehrenamtsstiftung Thüringen bekommt das Haus gerade mal 300 Euro im Jahr, außerdem wird vom Land eine halbe Stelle finanziert. Vieles darüber hinaus müsse über Spenden und eigene Caféeinnahmen abgedeckt werden, sagt Vorstandsmitglied Gerd Furchs. Denn eine für die Größe des Vereins geeignete, dauerhafte Fördermöglichkeit gebe es nicht: "Ich habe mir mal die Anträge für Fördermittel der Staatskanzlei angeschaut. Das wäre extrem aufwändig, auch von der Abrechnung her. So etwas lohnt sich für einen Verein unserer Größenordnung eigentlich nicht", so Fuchs.

Finanznot der Kommunen hat Folgen

Von der Stadt Kranichfeld, die seit Jahren schon knapp bei Kasse ist, bekommt das Baumbachhaus kein Geld. Für Bettina Rößger, Geschäftsführerin der LAG Soziokultur in Thüringen, steht es deswegen exemplarisch für viele soziokulturelle Initiativen: Viele Kommunen hätten in den letzten Jahren ihre Finanzierung gestrichen, das Prinzip der gemeinsamen Förderung von Kommunen und Land funktioniere nicht mehr: "Es wird dann immer viel auf das Ehrenamt abgeladen. Aber wenn man beachtet, dass es eben oft nicht nur um einen Chor oder eine Tanzgruppe geht, sondern darum, dass eine komplette Infrastruktur vorgehalten wird - dann ist das ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr im Ehrenamt zu leisten."

Bettina Rößger, LAG Soziokultur Thüringen
Bettina Rößger von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Thüringen. Bildrechte: Thomas Putz

Die LAG Soziokultur fordert deswegen von der Landespolitik eine dauerhafte Grundfinanzierung für die Einrichtungen, vor allem für die im ländlichen Raum. Außerdem müsse ein Investitionsprogramm aufgelegt werden, um die Sanierung vieler Häuser voran zu treiben. Zu Beginn der 90er-Jahre habe es vergleichsweise viel Geld für die soziokulturelle Einrichtungen gegeben, erklärt Rößger. Dies sei aber stark zurück gefahren worden. "Wir mussten jetzt feststellen, dass bei unseren 80 Mitgliedern – von denen 54 auch ein Gebäude haben – es doch einen erheblichen Sanierungsstau gibt. Und das kann mit dem jetzigen Landesetat nicht bewältigt werden."

Anerkennende Worte reichen nicht

Doch die Forderungen an die Politik sind bislang immer verhallt – die hohen Erwartungen, die man beim Antritt der rot-rot-grünen Landesregierung vor fünf Jahren gehabt hätte, hätten sich nicht erfüllt, sagt Rößger. Auf anerkennende Worte seien meist keine Taten gefolgt. Im Baumbachhaus in Kranichfeld hoffen einige der Aktiven dennoch, dass sich bald etwas bewegt. Denn der Generationswechsel im Verein ist gerade in vollem Gange. Und wer weiß, ob sich auch in den kommenden Jahren noch genug junge Menschen für die alltägliche Arbeit begeistern können ...

Kultur in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. November 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 04:00 Uhr