MDR KULTUR Spezial: Medienwandel | 03.05. Die leise Revolution

Es ist noch keine zehn Jahre her, da wurde das erste iPhone vorgestellt. Heute ist ein Leben ohne Smartphone kaum noch denkbar. Wie geht man mit dem Medienwandel um? Was ergibt sich daraus für Journalisten? Darum geht es am Dienstag im MDR KULTUR Spezial.

von Kais Harrabi

Ein iPod mit Touchscreen. Ein revolutionäres Mobiltelefon. Und einen grandioses Gerät für Internetkommunikation... Ein iPod... ein Telefon... ein Internet-Kommunikator. Ein iPod, ein Telefon... verstehen Sie's?! Das sind nicht drei verschiedene Geräte! Das ist ein Gerät. Und wir nennen es "iPhone". Heute erfinden wir das Telefon neu.

Steve Jobs, 9. Januar 2007

Das war Steve Jobs, am 9. Januar 2007. Apple hat uns damals das Internet für die Hosentasche versprochen. Ganz unschuldig vorgestellt mit der New York Times-Website. Wenig später zog die Konkurrenz gleich.

Und wir? Wir haben die ganze Welt in die Hand bekommen: Alle Informationen, Nachrichten, Email, alles. Das war bis zu diesem Tag Science-Fiction. Mit dem Smartphone ging die Massenverbreitung des Internets erst so richtig los. Eine Revolution.

Wir reden da von einem Umstieg, wie von Pferdekutschen auf Autos, wie von Postkutschen auf Eisenbahn oder wie der Umstieg Kerzenlicht auf elektrisches Licht. Also wir reden davon, dass sich grundlegende technologische Parameter unseres Alltags ändern.

Reinhard Bärenz, Leiter der MDR-Hauptredaktion Kultur
Reinhard Bärenz
Reinhard Bärenz, Leiter der MDR-Hauptredaktion Kultur Bildrechte: MDR/Joachim Blobel

Die öffentlich-rechtlichen Anstalten beobachten die Entwicklungen rund um das Smartphone und das Internet seit Jahren haargenau. Und ihre Erkenntnisse untermauern die Aussagen vom tiefgreifenden kulturellen Wandel: Vor zehn Jahren gaben in der ARD-ZDF Onlinestudie 59 Prozent der befragten an, das Internet gelegentlich zu nutzen. In absoluten Zahlen wären das 38 Millionen Deutsche. Zehn Jahre später sagen 45 Millionen Menschen, dass sie das Internet täglich nutzen.

Dazu kommen 46 Millionen Smartphones in Deutschland. Mehr als die Hälfte steckt in den Hosentaschen von Menschen unter dreißig. Und die nutzen diese Geräte, lesen Nachrichten darauf, hören Musik, kucken Videos. All das, was bis vor ein paar Jahren noch die Fernseh- und Radiosender geliefert haben.

Unruhige Zeiten für den Journalismus

Ob Steve Jobs damals vorhergesehen hat, in was für unruhige Zeiten er den Journalismus stürzt? Eine Branche, die damals gerade erst damit anfing, mit dem Internet klarzukommen.

Finger weist auf ein WhatsApp-Icon auf einem Smartphone-Display
Bildrechte: IMAGO

Mit dem Smartphone kamen die Apps, mit den Apps der Siegeszug von Facebook, WhatsApp, Snapchat und allen anderen. Heute landet kaum jemand noch auf den Startseiten von großen Zeitungen oder TV-Sendern. Mittlerweile gibt es Nachrichtenangebote, auf Smartphones zugeschnitten. 58 Prozent der 14 bis 29-Jährigen nutzen täglich Apps. Kuckt man in die Altersgruppe ab 50, sind es gerade mal 15 Prozent.

Daraus ergibt sich ein für die öffentlich-rechtlichen spezifisches Problem: Weil die 14 bis 29-jährigen aufgehört haben, die Tagesschau zu kucken, heißt das nicht, dass die Tagesschau keiner mehr kuckt. Vielmehr differenziert sich der Medienkonsum auch nach Milieus aus. Für Akademiker braucht es andere Angebote, als für Menschen mit Berufsausbildung. Eine schwierige Situation für öffentlich-rechtliche, die den Anspruch und die Pflicht haben, Programm für alle zu machen.

Dazu kommt: Journalismus befindet sich in einer prekären Lage. Einerseits sollen hart erkämpfte Qualitätsstandards beibehalten werden. Andererseits konkurriert jede Website mit abertausenden anderen und im schlimmsten Fall noch den Facebook-Freunden des Lesers um die Aufmerksamkeit. Wie geht man da nicht im Getöse unter? Ein Patentrezept dafür scheint es nicht zu geben. Aber ignorieren lässt sich diese Entwicklung schon lange nicht mehr.

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2016, 06:00 Uhr