Musiklegende 70. Geburtstag: "Happy Birthday", Stevie Wonder

Sein erstes Nummer-Eins-Album hatte er mit 12, bis heute spielt niemand Fender-Rhodes-Piano, Schlagzeug und Harmonika so wie er. Er gilt als wohl größter schwarzer Musiker der 70er-Jahre, der selbst moderne Hip-Hop-Größen wie Kanye West beeinflusst hat. Am 13. Mai 2020 wird Stevie Wonder 70 Jahre alt. Seinen Song "Happy Birthday" widmete er einst dem Bürgerrechtler Martin Luther King. Das Pop-Genie schrieb "Songs in the Key of Life" – Songs in der Tonart des Lebens – und Hits für die Ewigkeit.

Stevie Wonder
Sonnenbrille, breites Lachen: Stevie Wonder Bildrechte: dpa
Stevie Wonder 4 min
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Seinen Song "Happy Birthday" widmete er einst dem schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King. Jetzt feiert Stevie Wonder selbst Geburtstag. Eine Hommage an den Künstler, der mehr als Gute-Laune-Hits schrieb.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 13.05.2020 06:00Uhr 04:23 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Seinen Song "Happy Birthday" widmete er einst dem schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King. Jetzt feiert Stevie Wonder selbst Geburtstag. Eine Hommage an den Künstler, der mehr als Gute-Laune-Hits schrieb.

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Berry Gordy schäumte so sehr, dass er um ein Haar einen Herzanfall erlitten hätte. Er, der allmächtige Boss des legendären Motown-Labels, hatte ihn doch erst zum Star gemacht, damals, 1962, als der Bengel gerade mal zwölf gewesen war. Und jetzt schickte ihm der Mistkerl, eben volljährig geworden, via Anwalt ein Telegramm, in dem er all seine Verträge auflöste. Für wen hielt sich dieser undankbare blinde Flegel eigentlich?

Motowns Goldjunge will "mehr Respekt"

Der blinde amerikanische Popsänger und Pianist Stevie Wonder am Klavier.
Auf dem Weg zum Ruhm und zum eigenen Label Bildrechte: dpa

Doch der schlaksige schwarze Musiker mit dem dünnen Oberlippenbart wusste lediglich um seinen Wert. Schließlich war er von Gordy von Anfang an als Genie vermarktet worden, als afroamerikanische Wunderkind-Mischung aus Mozart und Ray Charles, und bei Motown hatten sie auch gleich den treffenden Künstlernamen gefunden: Stevie Wonder. Und eigentlich hatte er Berry Gordy mit der Vertragsauflösung nur einen kleinen Denkzettel verpassen wollen. Als der Label-Impresario Jahre später darüber sprach, was ihm für ein Felsen vom Herzen gefallen war, konnte man immer noch hören, wie viel Kreide er gefressen hatte:

O-Ton Berry Gordy: "Es war kurz nach seinem 21. Geburtstag, und er wollte mir bloß zeigen ... Nun ja, er wollte mehr Respekt, und am Ende musste ich ihm 13 Millionen für einen neuen Vertrag zahlen – eine unerhörte Summe damals, aber wahrscheinlich der beste Deal, den ich je gemacht habe."S

Superhits und Erneuerer der schwarzen Musik

In der ersten Hälfte der Siebziger Jahre ist die Konkurrenz auf dem R-&-B-Markt alles andere als von schlechten Eltern: Da sind Curtis Mayfield, Isaac Hayes, George Clinton, Sly Stone oder Marvin Gaye, um nur einige Schwergewichte zu nennen. Aber keiner von ihnen kann es mit Stevie Wonder aufnehmen, der eine schier endlose Kette von Superhits herausbringt: "You Are the Sunshine of My Life", "Superstition", "Higher Ground", "Boogie on Reggae Woman", "Sir Duke", "Isn't She Lovely". Sein Markenzeichen: ein unnachahmlich infektiöser, von E-Piano und Synthesizer beflügelter Groove, in dem der Funk gleichsam zum kosmischen Funken urbanen Lebens wird. Sein Selbstverständnis hat Wonder so ausgedrückt:

Der blinde amerikanische Popsänger und Pianist Stevie Wonder bei einem Auftritt vor einer riesigen Zuhörermenge.
100 Millionen verkaufte Platten, ausverkaufte Konzerte Bildrechte: dpa

"Viele Leute haben mich als Soul-Sänger bezeichnet, aber das höre ich überhaupt nicht gern. Ich möchte erst mal als Individuum betrachtet werden, als jemand, der die Befähigung hat, einem Song Ausdruck zu verleihen, ihn zu singen, Menschen direkt oder indirekt zu berühren. Ich verabscheue Leute, die glauben, jemand wie Paul McCartney oder John Lennon hätte keinen Soul. Soul bedeutet, Menschen mit etwas Bestimmtem so tief zu berühren, dass man sie zum Weinen oder zum Lächeln bringt. Und das können alle möglichen Songs."

Turmhoch über dem Pop der Siebziger

Was lernt man daraus? Dass ein Mann, der nicht sehen kann, per se keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß macht, mehr noch, dass sich Blindheit und Vision noch nie ausgeschlossen haben. 100 Millionen Platten hat Stevie Wonder verkauft, und man greift sicher nicht zu hoch, wenn man ihn als Innovator vom Kaliber eines Miles Davis begreift. Wie turmhoch er über dem Pop der Siebziger stand, hat Paul Simon bei der Verleihung der Grammys 1976 zusammengefasst, als er für das beste Album des Jahres ausgezeichnet wurde. In seinen Worten schwangen Bewunderung, Demut, Kopfschütteln – und das Wissen darum, dass er dem Meister nicht das Wasser reichen konnte. Seine Worte lauteten: "Und insbesondere möchte ich mich bei Stevie Wonder bedanken, dafür, dass er dieses Jahr keine Platte gemacht hat."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Mai 2020 | 08:10 Uhr