Festung Paphos
Festung in Paphos auf Zypern, das gemeinsam mit Aarhus in Dänemark 2017 den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" trägt. Bildrechte: IMAGO

Wie wird man's und wer war's schon? Stichwort Europäische Kulturhauptstadt

Festung Paphos
Festung in Paphos auf Zypern, das gemeinsam mit Aarhus in Dänemark 2017 den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" trägt. Bildrechte: IMAGO

Kulturhauptstädte im Rotationsprinzip

Melina Mercouri, um 1985
Melina Mercouri, um 1985 Bildrechte: IMAGO

Die Benennung einer Kulturhauptstadt durch die Europäische Union geht zurück auf einen Vorschlag der griechischen Künstlerin und Kulturministerin Melina Mercouri von 1985. Dreimal schon trugen deutsche Städte diesen Titel: 1988 Berlin (West), 1999 Weimar und 2010 Essen. Berlin und Weimar wurden noch ohne Wettbewerb von der EU-Bürokratie bestimmt. Seit 2005 stellt im Rotationsprinzip jeweils ein EU-Land die Kulturhauptstadt Europas. Die Reihenfolge wird durch einen Europäischen Ratsbeschluss von 1999 festgelegt. Deutschland war 2010 an der Reihe.

Seit 2009 sind auch die neuen EU-Länder dabei

2007 und 2008 gab es eine Tandem-Lösung mit einer je Stadt innerhalb und außerhalb der EU - Luxemburg und Sibiu (Hermannstadt) in Rumänien bzw. Liverpool und Stavanger im Nicht-EU-Land Norwegen. Nach dem Beitritt weiterer zehn EU-Mitglieder 2004 wurde ab 2009 jährlich ein Kulturhauptstadt-Titel an einen der neuen Mitgliedsstaaten vergeben. Als Erstes war die litauische Hauptstadt Vilnius an der Reihe (zusammen mit Linz in Österreich). 2010 trug die ungarische Stadt Pécs an der Seite von Essen in Deutschland den Titel. Dritter im Bunde war Istanbul im Nicht-EU-Land Türkei. 2017 heißt das Tandem Aarhus (Dänemark) und Paphos (Zypern).

Bisherige Europäische Kultur(haupt-)städte

1985: Athen
1986: Florenz
1987: Amsterdam
1988: Berlin
1989: Paris
1990: Glasgow
1991: Dublin
1992: Madrid
1993: Antwerpen
1994: Lissabon
2009: Linz (Österreich) und Vilnius (Litauen)
1995: Luxemburg
1996: Kopenhagen
1997: Thessaloniki
1998: Stockholm
1999: Weimar
2000: Avignon, Bergen, Bologna, Brüssel, Helsinki, Krakau, Prag, Reykjavik und Santiago de Compostela
2001: Rotterdam und Porto
2002: Brügge und Salamanca
2003: Graz
2004: Genua und Lille
2005: Cork
2006: Patras in Griechenland
2007: Luxemburg und Sibiu (Hermannstadt/Rumänien)
2008: Liverpool (Großbritannien) und Stavanger (Norwegen)
2009: Linz (Österreich) und Vilnius (Litauen)
2010: Essen (Deutschland - stellvertretend für das Ruhrgebiet), Pécs (Ungarn), Istanbul (Türkei)
2011: Turku (Finnland), Tallinn (Estland)
2012: Guimarães (Portugal), Maribor (Slowenien)
2013: Marseille (Frankreich), Košice (Slowakei)
2014: Umeå (Schweden), Riga (Lettland)
2015: Mons (Belgien) und Plzeň (Pilsen/Tschechien)
2016: San Sebastián (Baskenland/Spanien) und Wrocław (Breslau/Polen)
2017: Aarhus (Dänemark) und Paphos (Zypern)

Und so geht's weiter

2018: Leeuwarden (Niederlande) und Valetta (Malta)
2019: Matera (Italien) und Plowdiw (Bulgarien)
2020: Rijeka (Kroatien) und Galway (Irland)

Für 2021 gibt es Empfehlungen, sie wurden aber noch nicht formell benannt:
Timișoara (Rumänien), Eleusis (Griechenland) und Novi Sad (Serbien als EU-Beitrittskandidat bzw. möglicher Beitrittskandidat)

Ab 2020 alle drei Jahre eine Kulturhauptstadt in einem EU-Beitrittskandidaten

Ein neuer Rahmen für die Zeit nach 2019 wurde 2014 vom Europäischen Parlament und dem Rat verabschiedet. Dazu gehört eine Liste von Mitgliedstaaten, die von 2020 bis 2033 Ausrichterstaaten sein können. Damit erhalten Städte in Ländern, die EU-Beitrittskandidaten oder potenzielle EU-Beitrittskandidaten sind, ab 2021 die Möglichkeit, alle drei Jahre den Titel zu erhalten. Die Auswahl wird im Rahmen einer offenen Ausschreibung erfolgen. Das bedeutet, dass dann eventuell Städte aus verschiedenen Ländern gegeneinander antreten werden.