Einstige touristische Hochburg Das Schwarzatal lockt zum "Tag der Sommerfrische"

Wanderungen, Ausstellungen und ganz viel Sommerfrische-Architektur: Rund um Rottenbach und Schwarzburg im Thüringer Wald wird am 23. August 2020 beim "Tag der Sommerfrische" einiges geboten. Die Organisatoren hoffen, das einstmals sehr touristische Tal so wieder zu beleben – und Interessenten für leerstehende Häuser zu finden. Ein Tipp für einen Ausflug nach Thüringen.

Tag der Sommerfrische im Schwarzatal
Der "Tag der Sommerfrische" findet 2020 zum fünften Mal statt. Bildrechte: IBA Thüringen, Fotos: Thomas Müller

Das Schwarzatal ist ein idyllischer Ort: Viel Wald, saftig grüne Wiesen und natürlich das kühle Nass der Schwarza sorgten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts dafür, dass gestresste Städter hier in die Sommerfrische fuhren. Auch zu DDR-Zeiten wurde die Region von Urlaubern überrannt – bis die Wende 1989 alles änderte. Schlag auf Schlag blieben die Touristen aus, die altehrwürdigen Gästehäuser mit ihren Türmchen und Balkonen wurden nicht mehr genutzt und verfielen.

Sommerfrische-Architektur

Seit nunmehr fünf Jahren gibt es deswegen den "Tag der Sommerfrische": Die lokalen Organisatoren wollen gemeinsam mit der Internationalen Bauaustellung Thüringen (IBA) auf den Charme der Region aufmerksam machen und mögliche Interessenten ansprechen, die sich eine Nutzung bislang leerstehender Gebäude vorstellen können: "Wir kehren diese Häuser aus, machen sie zugänglich und bringen sie so überhaupt erst mal ins Bewusstsein", sagt die IBA-Verantwortliche Ulrike Rothe. "Als Markierung stellen wir am 'Tag der Sommerfrische' Blumensträuße vor die Türen der betreffenden Häuser. Das ist unterschwellig, aber spricht die Seele an. Denn hier gibt es wirklich viele tolle Gebäude."

Tag der Sommerfrische im Schwarzatal
"Haus Bräutigam" wird derzeit saniert. Bildrechte: IBA Thüringen, Fotos: Thomas Müller

Unter anderem können das ehemalige Hotel "Zur Linde" in Sitzendorf, die Alte Post in Mellendorf oder die Jugendherberge "Hans Breuer" in Schwarzburg zum "Tag der Sommerfrische" besichtigt werden. Dazu kommen Positivbeispiele, bei denen es in den vergangenen Jahren gelungen ist, eine neue Nutzung zu finden. In Schwarzburg etwa gründeten ein paar junge Leute einen Verein, um "Haus Bräutigam" zu sanieren und zu einem Ort für temporäres Arbeiten und Wohnen zu entwickeln.

Musik und Leckereien

Neben diesen architektonischen Hinguckern wird ein kulturelles Begleitprogramm organisiert, das Corona-bedingt aber etwas kleiner ausfällt als in den Vorjahren. Konzerte finden nicht statt, dafür werden Jagdhornbläser an verschiedenen erhöhten Orten stehen und zum Tal hin spielen. Außerdem gibt es geführte Wanderungen, ein Erzählcafé rund um Erinnerungen an das frühere Schwarzatal und eine Ausstellung, in der Fotos von einer Radtour durchs Tal im Jahr 1953 gezeigt werden.

Tag der Sommerfrische im Schwarzatal
Zum "Tag der Sommerfrische" kein Problem: die kulinarische Verpflegung im Schwarzatal. Bildrechte: IBA Thüringen, Fotos: Thomas Müller

Wie in den vergangenen Jahren wird es auch wieder einen "Langen Tisch der regionalen Produkte" geben, diesmal am Bahnhof Rottenbach. Lokale Erzeuger, vorwiegend aus dem Lebensmittelbereich, bieten dort ihre Waren an, außerdem besteht die Möglichkeit, einen Picknickkorb für den Ausflug ins Tal zu packen. Burkhard Kolbmüller von der Zukunftswerkstatt Schwarzatal sagt, mit diesem Angebot wende man sich nicht nur an die Besucher von außerhalb: "Es ist wichtig, dass Regionen sich mehr selbst versorgen und auch regionale Kreisläufe entstehen. Das ist im Schwarzatal noch ausbaufähig. Aus dem langen Tisch soll deswegen im Idealfall etwas dauerhaftes entstehen."

Ganz neu denken

Die Verköstigung am "Tag der Sommerfrische" ist nicht ganz unwichtig, denn viele Restaurants im Schwarzatal haben in den vergangenen Jahren geschlossen, die touristische Infrastruktur ist dementsprechend lückenhaft. Ulrike Rothe von der IBA sagt, der Aktionstag selbst sei zwar eine Erfolggeschichte und ziehe viel Interesse auf sich, er habe bislang aber nicht zu einem flächendeckenden Umschwung in der Region geführt. Noch immer gebe es viel Leerstand, bei der Gastronomie müssten ganz neue Konzepte her. "Wir brauchen Alternativangebote. Etwa eine Art Schild mit der Aufschrift 'Nette Schnitte' oder wie man das nennen will. So dass man klingeln kann und einfach ein Butterbrot und ein Wasser bekommen kann." Ulrike Rothe und auch Burkhard Kolbmüller bleiben dran – sie wollen das Tal über den einen Aktionstag hinaus zum (ent)spannenden Reiseziel machen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. August 2020 | 07:40 Uhr