Regen über dem Theaterplatz am 7.9.2018. Die besucher suchen schutz unter shcirmen und Jahcken, dem Gratis-Konzert für ein tolerantes, offenens Chemnitz hören sie trotzdem zu.
Auch ein kräftiger Regenguss hielt die Chemnitzer nicht vom Konzertbesuch ab. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Sonderkonzert Chemnitz: Beethovens Neunte für Offenheit und Vielfalt

Die Theater der Stadt Chemnitz haben am Freitagabend Beethovens 9. Sinfonie auf dem Theaterplatz gespielt. An der Gratis-Veranstaltung beteiligten sich Hunderte Künstler von über 40 Häusern aus ganz Deutschland. Sie reagierten damit auf fremdenfeindliche Demonstrationen und Ausschreitungen in der Stadt seit Ende August.

Regen über dem Theaterplatz am 7.9.2018. Die besucher suchen schutz unter shcirmen und Jahcken, dem Gratis-Konzert für ein tolerantes, offenens Chemnitz hören sie trotzdem zu.
Auch ein kräftiger Regenguss hielt die Chemnitzer nicht vom Konzertbesuch ab. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Als Reaktion auf die Geschehnisse in Chemnitz gaben die Theater der Stadt am Freitagabend ein Gratis-Konzert auf dem Theaterplatz. Der Betriebsdirektor der Chemnitzer Oper, Patrick Wurzel, hatte bereits im Vorfeld gegenüber MDR KULTUR erklärt, es gehe darum, ein Zeichen für Demokratie und Gemeinsamkeit zu setzen: "Man redet von 'wir', 'die anderen'. Es wird nicht miteinander gesprochen. Das ist genau das, was wir wollen." Das Konzert steht unter dem Motto "Gemeinsam stärker – Kultur für Offenheit und Vielfalt".

Meine große Hoffnung ist, dass Chemnitz jetzt zum Synonym, zum Katalysator wird, dass die Gesellschaft sich verändert. Man sieht, wir müssen auf die Zukunft reagieren. Jetzt muss etwas passieren.

Patrick Wurzel, Betriebsdirektor der Chemnitzer Oper MDR KULTUR

Theater aus ganz Deutschland beteiligt

Neben mehreren Chemnitzer Ensembles beteiligten sich Künstler von über 40 Theatern aus ganz Deutschland. Wurzel sagte, es sei "überhaupt kein Problem" gewesen, sie innerhalb kurzer Zeit dafür zu begeistern: "Kein Haus hat es sich nehmen lassen, nicht mindestens einen Kollegen zu schicken." Aus Chemnitz traten Solisten und Chöre der Oper, die Robert-Schumann-Philharmonie, die Singakademie und der Universitätschor der TU auf.

Bei der Veranstaltung wurde Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie aufgeführt. Sie ist besonders für ihren Schlusschor berühmt, die "Ode an die Freude". Der Text von Friedrich Schiller preist Werte wie Freundschaft und Einheit in der Vielfalt. Rund 5000 Menschen lauschten der Musik. Auch nachdem das Konzert wegen eines Regengusses für eine Viertelstunde unterbrochen werden musste, bezogen die Besucher wieder ihre Plätze.

Generalintendant Christoph Dittrich sagte, an den Theatern seien Künstler vieler Nationalitäten beschäftigt, die besorgt auf die Entwicklungen der vergangenen Tage schauten: "Wir wollen, dass Chemnitz für diese Mitarbeiter und alle Bürger eine Stadt der Diskursoffenheit ist und bleibt."

Auch Pro Chemnitz meldet neue Demonstration an

Auch die Initiative Pro Chemnitz demonstrierte am Freitagabend erneut in der Chemnitzer Innenstadt. Nach Polizeiangaben mobilisierte sie rund 2350 Menschen. Die Initiative hatte seit Ende August mehrfach gegen Flüchtlingskriminalität protestiert. Dabei waren auch Ausländer und Journalisten angegriffen worden.

Am Montag waren in Chemnitz nach einer Schätzung der Stadt 65.000 Menschen zu einem Gratis-Konzert gegen Fremdenhass gekommen. Dabei waren Rockbands wie Die Toten Hosen und Kraftklub sowie Rapper wie Marteria, Casper und K.I.Z. aufgetreten.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. September 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2018, 09:31 Uhr