Deutsche Theaterpreise verliehen "Der Faust" für Regisseur Martin G. Berger und seine "Ariadne" in Weimar

Eigentlich sollte alles ganz prächtig und festlich werden, aber nun ging auch "Der Faust" angesichts der Pandemie mit der Zeit. Die Verleihung des Deutschen Theaterpreises erfolgte am Samstagabend per Livestream. Einer der Preisträger stand mit William Forsythe schon vorher fest. Der Choreograf, der auch lange in Dresden wirkte, wurde für sein Lebenswerk geehrt. Freuen konnte sich schließlich Regisseur Martin G. Berger, der die renommierte Auszeichnung für seine Opern-Inszenierung "Ariadne auf Naxos" am Deutschen Nationaltheater Weimar erhielt.

Szenenfoto mit Ylva Stenberg (Zerbinetta) und Camila Ribero-Souza (Ariadne)
"Ariadne auf Naxos" am DNT Weimar in der Regie von Martin G. Berger Bildrechte: Candy Welz

Große Freude in Weimar: Ein "Faust" ging am Samstagabend an Martin G. Berger. Für seine Inszenierung der Oper "Ariadne auf Naxos" am Deutschen Nationaltheater bekam er den renommierten Deutschen Theaterpreis 2020 in der Kategorie Musiktheater-Regie zugesprochen.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich diesen Preis als "Musical-Heini" mal gewinne und um so mehr freue ich mich ganz persönlich, dass ich ihn für ein Stück gewonnen habe, dass meine ganze Arbeit zwischen "ernster" und "unterhaltender" Kunst reflektiert und das zumindest in unserer Fassung ein großes Plädoyer für spartenübergreifendes, gemeinsames Wirken geworden ist - auf und neben der Bühne!

Martin G. Berger, Regisseur "Ariadne auf Naxos" Nach der Preisverleihung via Facebook, 23.11.2020


Corona-bedingt gab es keine Gala, sondern eine Verleihung der undotierten, aber renommierten Auszeichnung in insgesamt acht Kategorien per Livestream . Es sei wichtig, den "Faust" gerade in diesem Jahr zu vergeben und so die Aufmerksamkeit auf die Künstlerinnen und Künstler zu lenken, sagte Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins vorab. Damit werde erinnert an die Kraft, die die Künste in der Gesellschaft entwickeln und daran, "wie wichtig es ist, für ihre stete Ermöglichung einzutreten - auch unter den Bedingungen von Corona".

Im März war "Ariadne" für mich auch ein gesellschaftliches Statement: sich gegenseitig zuzuhören, einander mit Verständnis zu begegnen und in zunehmend gespaltenen Gesellschaften für ein Miteinander zu werben. So viel schwerer bestimmte Leute uns dieses Wollen im Moment machen, so wichtig bleibt es doch. Aber der Aspekt der Kunstdiskussion ist durch die Pandemie auch wieder stärker in den Vordergrund getreten: Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen, wir gehören alle zusammen, vom Kleinkunstabend bis zur großen Oper! Wir sind die Maus Frederick, die die Farben sammelt für die harten Wintertage und man spürt wie sehr wir fehlen!

Martin G. Berger, Regisseur "Ariadne auf Naxos" Nach der Preisverleihung via Facebook, 23.11.2020

Choreograf William Forsythe fürs Lebenswerk geehrt

Der US-amerikanische Tänzer, Choreograf und Künstler William Forsythe, steht am 25.11.2014 in der Ausstellung "William Forsythe Black Flags" im White Cube der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden (Sachsen) vor zwei Industrierobotern, die große schwarze Fahnen bewegen. 9 min
Bildrechte: dpa

Gespräch mit Kritiker Boris Michael Gruhl William Forsythe geehrt

William Forsythe geehrt

Der Choreograf William Forsythe erhält den Deutschen Theaterpreis für sein Lebenswerk. Der 70jährige US-Amerikaner hat den zeitgenössischen Tanz entscheidend beeinflusst und wirkte viele Jahre in Dresden-Hellerau.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 21.11.2020 06:00Uhr 09:21 min

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Ausgezeichnet wurden schließlich u.a. Schauspielerin Astrid Meyerfeldt für ihre Rolle als Mary Tyrone in "Eines langen Tages Reise in die Nacht" am Schauspiel Köln, Schauspiel-Regisseurin Ewelina Marciniak für ihre Inszenierung "Der Boxer" am Thalia Theater Hamburg oder Choreograf Bryan Arias für "29 May 1913" am Hessischen Staatsballett Darmstadt/Wiesbaden im Rahmen des Doppeltanzabends "Le Sacre du Printemps".

Ein Preisträger stand bereits zuvor fest. Der Choreograf William Forsythe erhielt den "Faust" für sein Lebenswerk. Der 70-jährige US-Amerikaner habe den zeitgenössischen Tanz entscheidend beeinflusst und Generationen von Tänzerinnen und Tänzern geprägt, begründete die Jury. Forsythe wirkte mit seiner Company viele Jahre auch in Dresden-Hellerau.

Auch "Dornröschen" aus Leipzig und "Lohengrin" aus Chemnitz nominiert

Nominiert waren neben Regisseur Martin G. Berger mit Choreograf Jeroen Verbruggen und Bühnenbildner Sebastian Ellrich auch zwei weitere Theaterschaffende mit Produktionen an Häusern in Mitteldeutschland. Aus Sicht von MDR KULTUR-Opernkritiker Uwe Friedrich stimmte bei Bergers Inszenierung der Strauss-Oper "Ariadne auf Naxos" alles. Berger erzählt die Geschichte demnach völlig neu, er schickt alle Beteiligten auf Zeitreise, stoppt manchmal das Orchester, um Kommentare in die Originalhandlung einzufügen. Großen Jubel gab es nach der Premiere im DNT Anfang März auch für das glänzende Ensemble.

Szenenfoto mit Marlene Gaߟner (Dryade), Camila Ribero-Souza (Ariadne), Heike Porstein (Najade) und Emma Moore (Echo)
"Ariadne auf Naxos" am DNT Weimar in der Regie von Martin G. Berger Bildrechte: Candy Welz

Jeroen Verbruggen war für seine Choreografie "Dornröschen - Once upon a dream" an der Oper Leipzig nominiert. Inspirieren ließ sich Verbruggen von der französischen Fassung durch Charles Perrault, die um einiges grausamer ist als die Grimmsche. So hat auch Verbruggens Choreografie nichts mit klassischem russischen Ausstattungsballett zu tun: "Die Lesart des Belgiers nimmt teilweise schon albtraumhafte Züge an, was ihre gewollte Wirkung betrifft, niemals die Umsetzung, die ist von Anfang bis Ende traumhaft schön", fand MDR KULTUR-Kritiker Wolfgang Schilling.

Szenenbild 'Dornröschen' Oper Leipzig
Jeroen Verbruggen: "Dornröschen - Once upon a dream" an der Oper Leipzig Bildrechte: Ida Zenna

Für die Chemnitzer Neuproduktion von "Lohengrin", die im Januar Premiere feierte, schuf Sebastian Ellrich das Bühnenbild. In eine Art Endzeit-Vergnügungspark samt Achterbahn versetzte er Richard Wagners romantische Oper. So spielt sie in einer kaputten Welt, die auch ein Kriegsschauplatz sein könnte. Damit war Ellrich für den "Faust" nominiert.

Cornelia Ptassek spielt Elsa.
"Lohengrin" an der Oper Chemnitz, Bühnenbild von Sebastian Ellrich Bildrechte: Nasser Hashemi

Ein Preis der Theater

Der undotierte Theaterpreis wird seit dem Jahr 2006 vom Deutschen Bühnenverein in Zusammenarbeit mit den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Über die Preisträgerinnen und Preisträger entscheidet eine fünfköpfige Jury, die von der Akademie benannt wird. Zu den Mitgliedern gehörte diesmal u.a. der ehemalige Intendant des Leipziger Theaters der Jungen Welt, Jürgen Zielinski. Grundlage für die Nominierungen sind Vorschläge der Theater, darüber entscheiden Kritikerinnen und Kritiker sowie ein Ausschuss des Bühnenvereins. Somit gilt "Der Faust" als ein Preis der Theater für ihre Künstlerinnen und Künstler.

Carsten Brosda ist neuer Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Indessen wurde Carsten Broda mit großer Mehrheit zum neuen Chef des Deutschen Bühnenvereins gewählt. Brosda wurde bei der digitalen Jahreshauptversammlung am 21. November für vier Jahre zum neuen Präsidenten ernannt. Brosda ist Senator der Behörde für Kultur und Medien in Hamburg.

Theater in Zeiten der Pandemie

Kunstschaffende aus Mitteldeutschland in Zeiten der Pandemie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. November 2020 | 08:40 Uhr

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