Gemeinschaft MDR startet ins Themenjahr "Miteinander leben"

Miteinander leben – unter diesem Leitgedanken steht das Jahr 2020 im MDR. Intendantin Karola Wille sagte, es sei zu spüren, dass die Gesellschaft auseinander drifte: "Und es ist auch unsere Aufgabe, zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beizutragen. Dieser Verantwortung stellen wir uns." Man wolle "ein Stück Kultur des Verstehens mit entwickeln", und das "in einer Zeit, wo viele nicht miteinander, sondern übereinander reden." Am Montag fiel im Rahmen einer Auftaktveranstaltung in Leipzig der Startschuss für das Themenjahr. Programmdirektorin Katja Wildermuth hat mit MDR KULTUR über das Thema und die Vorhaben für das Jahr gesprochen.

Katja Wildermuth 9 min
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MDR KULTUR: Frau Wildermuth, der MDR sagt, miteinander leben sei deshalb so wichtig, weil die digitale und globalisierte Welt alte Werte völlig über den Haufen wirft. Aber was kann der MDR da tun oder leisten?

Katja Wildermuth: Es gibt eine Studie des Hans-Bredow-Instituts: Wie erleben Menschen den gesellschaftlichen Zusammenhalt hierzulande? Und die Zahlen sind schon erschreckend: Es sind 65 Prozent, die sagen, die Gesellschaft driftet auseinander. Jeder sitzt alleine hinter seinem Bildschirm. Jeder sitzt in seiner Filterblase. Wir fangen an, nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander zu reden oder aufeinander einzuhetzen. Das ist erstmal ein Tatbestand.

Dann müssen wir gucken – und das ist ja schon Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – wie wir mit Formaten, mit Dialog, mit Thematisierung dieses Thema aufgreifen und ein Stück nach vorn bringen – und so natürlich am Ende des Tages vielleicht wieder Leute miteinander ins Gespräch bringen, die eigentlich überhaupt nicht mehr miteinander reden. Vielleicht Leuten wieder ein gesellschaftliches Miteinander erfahrbar machen, was es vorher nicht so gab. Das haben wir uns vorgenommen.

Inwiefern stehen die Programme unter dem Motto "Miteinander leben"?

Wir nehmen das Wort "miteinander" sehr ernst. Wir haben verschiedene Programmschwerpunkte in ganz unterschiedlicher Richtung. Da geht es um miteinander gestalten, um miteinander anpacken, miteinander singen, auch miteinander feiern, sich miteinander einbringen. Wir reden über Ehrenamt. Wir reden über Vereinsleben. Wir reden über politische Partizipation. Wir reden aber auch über das Chorfest und die beglückende Erfahrung des Miteinander-Singens. Also ein breites Spektrum.

Wie genau will man das Miteinander in den verschiedenen Schwerpunkten stärken?

Ich fange mal beim Politischen an, weil politisch ja nicht ganz unwichtig ist. Wir sind als MDR exklusiver Partner und Medienbegleiter des Projekts "Deutsche Bürgerräte". Unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Schäuble sind 160 Bürger aus ganz Deutschland ausgewählt worden, natürlich auch viele aus Mitteldeutschland, um sich zu treffen und zu gucken, was für Ratschläge geben ganz normal durch Zufallsprinzip ausgewählte Bürger den Repräsentanten der Demokratie, also den professionellen Politikern. Über was für Themen muss die Politik reden, was für Lösungen soll sie auf bestimmte Fragen erhaben.

Sie sprachen eben bereits ein Chorfest an. Was sind die Vorhaben im kulturellen Bereich?

Wir haben einen großen Schwerpunkt, der sich mit dem Thema "miteinander singen" beschäftigt. Es gibt Anfang Mai das erste deutsche Chorfest im Osten seit über 150 Jahren. Wir machen da ganz viele Angebote. Wir begleiten einen renommierten Musikwissenschaftler auf der Suche nach einsamen, aber talentierten Seelen im Sendegebiet, die vielleicht miteinander singen wollen. Die bringen wir in Leipzig auf dem Chorfest zusammen.

Blicken wir in Richtung Jugend. Wie ist es da mit dem Miteinander?

Miteinander und Jugend – ich finde, das ist eine ganz große Herausforderung. Einerseits sehen wir, dass sich bestimmte Teile des Landes und bestimmte Gruppen im Bereich Jugend immer mehr voneinander entfernen. Jeder hat sich in seiner Selbstbestätigungs-Social-Media-Blase eingerichtet. Andererseits sehen wir aber bei der Jugend auch neue Anzeichen von Achtsamkeit, von sich helfen wollen, von Nachbarschaft, von Verantwortung übernehmen für die Gemeinde, aber natürlich auch für den Planeten.

Was wir versuchen wollen ist, dass wir sehr viel mehr gemeinsame Erlebnisse mit jungen Leuten bei uns im Sendegebiet machen. Der SPUTNIK Spring Break ist eines davon. Aber wir haben auch die LitPop wieder aufleuchten lassen – eine Jugendveranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse, wo ganz tolle Leute kommen und aus ihren Büchern lesen und es Musik gibt. Wenn sie da einmal waren und die Schlangen der jungen Leute sehen, die warten reinzukommen, dann sehen Sie, dass es ein Bedürfnis nach diesem gemeinsamen Erleben gibt, was eben über das vereinsamte aufs Smartphone-Glotzen hinausgeht.

Miteinander leben ist also ein weites Feld, aber es wird sehr konkret.

Genau! Wir haben jetzt schon ein Dutzend Programmvorhaben, die wir jenseits aller Regelprogramme geplant haben. Und wir sind ja erst im Januar, das heißt, es wird noch ganz viel dazukommen. Ich weiß, dass viele Kollegen noch tolle Ideen haben. "Miteinander leben" ist eine Herausforderung und eine Frage, die uns allen auf den Nägeln brennt.

Termine zum MDR-Themenjahr "Miteinander leben" (Auswahl) 28.01.2020: Wohnprojekt Weimar – der Traum vom gemeinsamen Leben | 21 Uhr MDR Fernsehen

30.04. bis 03.05.2020: Deutsches Chorfest in Leipzig

29.05. bis 01.06.2020: SPUTNIK Spring Break

04.10.2020: Wie glücklich sind die Ostdeutschen? |
Dokumentation im MDR-Fernsehen

Das Gespräch führte Moderatorin Annett Mautner für MDR KULTUR.

Genossenschaftlich wohnen

Die Rückansicht einer jungen Frau die eine Wand malert. 5 min
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Ein Haus in Leipzig wird an die derzeitigen Mieter verkauft, mit Hilfe der derzeitigen Wohnungsgenossenschaft. Es gibt hohen sanierungsbedarf. Wie entwickelt sich so ein Projekt? Ein Einblick?

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Neue Wohngenossenschaften – wer gründet sie und wie unterscheiden sich sich von den alten? Im Gespräch ist dazu Frank Eckardt, Prof. für Urbanistik an der Bauhaus Uni Weimar.

MDR KULTUR - Das Radio Di 28.01.2020 18:05Uhr 04:41 min

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Neue Wohngenossenschaften – wer gründet sie und wie unterscheiden sich sich von den alten? Im Gespräch ist dazu Frank Eckardt, Prof. für Urbanistik an der Bauhaus Uni Weimar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 27. Januar 2020 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 04:00 Uhr