Unterwegs in Sachsen-Anhalt 25 Jahre Straße der Romanik: Tipps für eine Jubiläums-Tour

Sachsen-Anhalt ist mehr als Luther in Wittenberg oder das Bauhaus in Dessau. Erkunden lässt sich das ganze Kulturland am besten auf den Tourismusrouten, die es inzwischen gibt: "Das blaue Band" führt über Flüsse, die "Gartenträume" durch 50 historische Parks, die "Himmelswege" zur Arche Nebra. Großartige Dome, Klöster und Schlösser verbindet die "Straße der Romanik", die es seit 25 Jahren gibt. Sehenswert ist alles! MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer hat deshalb einige Orte ausgewählt, wo sich Bauten und Landschaften als ganzer Kulturraum erleben lassen.

ROUTE 1

Ausgangspunkt Kloster Jerichow

Die Tour startet in Kloster Jerichow, einem Ort der Ruhe und Entspannung. Der schlichte Kirchenraum der 850 Jahre alten Klosterstiftskirche St. Marien und St. Nikolaus erzählt von einer wechselvollen Geschichte, denn Mönche leben hier seit der Reformation nicht mehr. Heute dient das Areal touristischen Zwecken, beherbergt nicht nur Gästezimmer und eine Brennerei, sondern auch Museen und einen prächtigen Klostergarten mit kleinem Café.

Station 2 | Sandau (Elbe), 34 km von Kloster Jerichow

Die teilweise wieder aufgebaute Sankt-Laurentius-Kirche im altmärkischen Sandau
Jahrelang saniert, jetzt wieder zu besteigen: der mächtige Turm der teilweise wieder aufgebauten Sankt-Laurentius-Kirche Bildrechte: dpa

Weiter geht es in den Norden Sachsen-Anhalts: Die weite flache Landschaft der Altmark ist geprägt von grünen Alleen und hochragenden Kirchtürmen. Mal sind es kleine Dorfkirchen aus Feldsteinen, mal stattliche rote Klinkerbauten - in Sandau an der Elbe kann man nicht nur mit einer alten Gierseilfähre den Fluss queren, sondern nach langer Sanierungszeit auch den mächtigen Turm der wehrhaften spätromanischen Sankt-Laurentius-Kirche wieder besteigen - und den Blick in die Auen schweifen lassen.

Station 3 | Havelberg, 4,8 km von Sandau entfernt

Wer mehr Geschäftigkeit sucht, fährt weiter ins nahegelegene Havelberg. Hier trifft die Elbe auf die Havel, insofern ist der Ort ein Eldorado für Wassersportler. Man kann aber auch einfach mit einem Eis am Flussufer sitzen und den Blick auf den Dom St. Marien genießen, der seit 1150 auf einer Anhöhe thront. Ein mächtiges Gemäuer für eine Kleinstadt mit heute 8.000 Einwohnern.

Einen Kirchenschatz gibt es im Dom nicht zu sehen. Dafür lernt man im gleich daneben liegenden Museum mehr über die Geschichte der frühdeutschen Burganlage und über die große Bedeutung des Landstrichs im frühen Mittelalter.

Station 4 | Arendsee, Benediktinerinnen-Kloster, ca. 70 km westlich von Havelberg

Blick von der Kirche auf die Klostermauern und den Arendsee.
Wer durchs Gemäuer schaut, sieht das Blau des Arendsees. Bildrechte: MDR/Astrid Wulf

Weiter geht es in Richtung Westen zu einer Ruine, auch sie gehört zu den romanischen Schätzen. Besonders romantisch gelegen ist sie außerdem: Die ehemalige Benediktinerinnen-Kloster am Arendsee ist eine begehrte Kulisse für Freilicht-Konzerte oder Theateraufführungen. Beim Blick durch die Reste des Gemäuers funkelt das Wasser des Sees. Viel Gastronomie gibt es hier nicht, dafür empfiehlt sich ein Abstecher nach Salzwedel.

Station 5 | Salzwedel, 27 km westlich von Arendsee

Fachwerkhäuser stehen am Fluss Jeetze in der Hansestadt von Salzwedel
Fachwerkhäuser am Fluss Jeetze Bildrechte: dpa

Salzwedel ist mit seinen vielen Kanälen ein bezauberndes Städtchen. Mit der Lorenzkirche findet sich dort auch ein besonderes Zeitzeugnis für die Romanik: St. Lorenz unweit der Burganlage.

Der Name der alten Hansestadt verweist auf ihre Entstehung, denn gegründet wurde sie an der einstigen Salzstraße. Wer sich eher für Süßes interessiert, sollte nicht versäumen, in Salzwedel einen Baumkuchen zu essen.

ROUTE 2

Ausgangspunkt Groß Ammensleben (Börde)

Kirche St. Peter und Paul in Groß Ammensleben
Blick auf St. Peter und Paul, die Kirche ist wegen ihrer Akustik ein beliebter Konzertort Bildrechte: Katholische Gemeinde Groß Ammensleben

Diese Tour startet in der Börde. Dort gibt es Deutschlands besten Boden, die Villen der einstigen Zuckerbarone erzählen von den fetten Jahren. Die sind vorbei, inzwischen kämpft auch diese Region mit dem demografischen Wandel. Garant für ein bisschen Kultur auf dem Land sind oft die fantastischen Kirchen, deren Türme weithin sichtbar aus der Ackerlandschaft ragen. So wie in Groß Ammensleben.

Die Klosterkirche ist eines der ältesten Gotteshäuser der Gegend. Sie zeugt von der über 1.000-jährigen Geschichte des Ortes - und von gelebter Ökumene. Die Akustik des Kirchenraums ist geradezu einzigartig, deswegen wird dort viel Musik geboten. Auch Hobbysänger dürfen sich trauen ...

Station 2 | Schloss Hundisburg, 13 km westlich von Groß Ammensleben

In ca. 15 Minuten erreicht man mit dem Auto das Schloss Hundisburg. Das Schloss selbst gehört nicht zur Straße der Romanik, aber die Ruine Nordhusen unweit davon. Die Ruine war ursprünglich ein Kirchenbau aus dem Jahr 1218 und ist recht schnell besichtigt. Das Schloss hingegen braucht Zeit. Nicht nur das Gebäude ist interessant, vor allem der barocke Park fasziniert, mit Buchsbaumhecken und Springbrunnen aber auch einem angegliederten Landschaftspark mit altem Baumbestand, der übrigens auch Teil einer anderen touristischen Route durch Sachsen-Anhalt ist, der "Gartenträume".

Station 3 | Drübeck, 127 km von Schloss Hundisburg

Aus dem Flachland geht es über die B244 in den Vorharz. Etwa anderthalb Stunden dauert es, bis die beiden Türme der romanischen Kirche St. Vitus von Drübeck zu sehen sind. Der kleine Ort lag im 10. und 11. Jahrhundert an einer Handelsstraße.

Benediktinerinnen gründeten dort ein Kloster. Bezaubernd ist schon allein die fast 300-jährige alte Linde im Innenhof - aber auch die Streuobstwiese mit Labyrinth, die kleinen, voneinander separierten Oasen der Äbtissinnen oder der Rosengarten. Außerdem gibt es ein Café, einen Klosterladen und ein Tagungshaus zum Übernachten. Von hier aus lassen sich wundervolle Ausflüge oder Wanderungen machen - z.B. wieder auf der Straße der Romanik nach Ilsenburg.

Station 4 | Ilsenburg, 3,5 km von Drübeck

Ilsenburg ist ein guter Ausgangspunkt für einen der schönsten Wege auf den Brocken - immer am Flüsschen Ilse entlang. Das sanierte Kloster-Ensemble sollte man nicht "links liegen lassen". Die Benediktiner-Abtei wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts auf einer ottonischen Pfalzburg errichtet. Lange vernachlässigt, lockt das Ensemble inzwischen wieder viele Touristen: Manche wollen die Filmkulisse für "Der sieben Zwerge - Männer allein im Wald" sehen. Andere interessieren sich eher für die originalen romanischen Räume. Im Keller sieht man übrigens, wie eine Fußbodenheizung im Mittelalter funktionierte.

Wer eine Pause braucht, kann im Schlosshof einen Kaffee trinken. Wer groß dinieren und übernachten will, der geht 500 Meter weiter und kommt "Zu den Rothen Forellen", die legendäre Herberge wurde schon von Fontane und Heine beschrieben. Heute ist sie ein Fünf-Sterne-Hotel. George Clooney war während der Dreharbeiten für den Film "The Monuments Men" da.

Station 5 | Halberstadt, 33 km von Ilsenburg

Dom zu Halberstadt
Auch der gotische Halberstädter Dom birgt romanische Kostbarkeiten. Bildrechte: IMAGO

Ende und Höhepunkt dieser Tour ist Halberstadt. Eingebettet in ein Ensemble aus romanischen, barocken und neogotischen Bauten liegt der Dom am Rande der Altstadt. Dort ist einer der bedeutendsten Kirchenschätze nördlich der Alpen zu besichtigen. Von Weltrang sind die beiden romanischen Textilwerke aus dem 12. Jahrhundert: der Christus-Apostel- und der Abraham-Engel-Teppich.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. August 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2018, 04:00 Uhr