Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison
Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison (1931-2019) Bildrechte: dpa

Trauer Schriftstellerin Toni Morrison gestorben

Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison
Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison (1931-2019) Bildrechte: dpa

Die US-amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison ist tot. Wie ihr Sprecher Paul Bogaards bestätigte, starb sie am Montagabend im Alter von 88 Jahren. Morrison galt als die große Veteranin der afroamerikanischen Literatur. Ihr Leben und Schreiben widmete sie dem Kampf gegen den Rassismus in den USA. 1993 bekam sie den Literaturnobelpreis, gelobt wurde von der Jury ihre visionäre Kraft und poetische Prägnanz.

Ihre Mission sah Morrison bis zuletzt nicht als erfüllt an, so forderte sie mit teils drastischen Worten Gleichberechtigung ein. Die wortgewaltige Autorin, die im Alter mit gesundheitlichen Problemen kämpfte und im Rollstuhl saß, schrieb bis zuletzt. 2017 erschien ihr Roman "Gott, hilf dem Kind" auf Deutsch, 2018 ihre Essays "Die Herkunft der anderen: Über Rasse, Rassismus und Literatur". Schon ihr Debüt "Sehr blaue Augen" aus dem Jahr 1970 erzählte davon, was es bedeutete als Schwarze in den USA aufzuwachsen.

Geboren in eine Arbeiterfamilie, Abschluss an Elite-Uni

Toni Morrison wurde am 18. Februar 1931 als Chloe Anthony Wofford in Lorain, Ohio in eine Arbeiterfamilie geboren. Als Lieblingsautoren ihrer Kindheit gab sie Jane Austen und Leo Tolstoi an. Ihr Vater brachte ihr afroamerikanische Sagen und Mythen nahe. Ab 1949 studierte sie Anglistik an der Howard Universität in Washington, damals eine "schwarze Universität". Später absolvierte sie den Master of Arts an der Cornell Universität, die zur Ivy League gehört.

Dozentin, Lektorin, Autorin

Toni Morrison erhält 2012 von US-Präsident Barack Obama die Medal of Freedom
Presidential Medal of Freedom 2012 Bildrechte: IMAGO

Als Dozentin kehrte sie zurück nach Washington, wo sie den jamaikanischen Architekten Howard Morrison heiratete. 1964, sechs Jahre und zwei Söhne später, folgte die Scheidung und Toni Morrisons Einstieg ins Verlagsgeschäft. Während ihrer Zeit als Lektorin bei Random House etablierte sie viele afroamerikanische Autoren. 1970 erschien dann ihr erster eigener Roman "Sehr blaue Augen", der ebenso wie das Nachfolgewerk "Sula", durchweg positiv bei der Kritik ankam.

Der große Durchbruch beim breiten Publikum gelang ihr aber erst mit "Solomons Lied" im Jahr 1977. Für diesen und ihre gesamtes Werk wurde sie 1988 mit dem Pulitzer-Preis und 1993 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Neben vielen weiteren Ehrungen wurde ihr die Presidential Medal of Freedom verliehen, US-Präsident Barack Obama würdigte sie damit im Jahr 2012.

Nebenbei lehrte die Autorin jahrelang an der Eliteuniversität Princeton kreatives Schreiben. 2010 starb einer ihrer beiden Söhne an Krebs, ein Schicksalsschlag, mit dem Morrison lange kämpfte. Neben Erfolgsromanen wie "Teerbaby", "Menschenkind" oder "Jazz" sehen viele Kritiker das 500-Seiten-Werk "Paradies" als Morrisons bestes an.

"Kluge und warmherzige Frau"

Der Literaturkritiker Denis Scheck nannte Toni Morrison im Interview mit MDR KULTUTR "wirklich eine beeindruckende Grande Dame der Literatur", die – trotz divenhafter Züge – eine "unheimlich  kluge und warmherzige Frau" gewesen sei. "Ihr Lebensthema war der internalisierte Rassimus", sagte Scheck. "Dafür hatte sie ein feines Gespür."

Sie hatte eine rasiermesserscharfe Intelligenz, ein Ohr für Sprache und gestalterische Fähigkeit.

Denis Scheck über Toni Morrison

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 06. August 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 16:01 Uhr

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