Objekte des Modelabels Wurlawy, Trachten, geschaffen von Sarah Gwiszcz
Einer der Entwürfe des Modelabels Wurlawy. Bildrechte: Wurlawy

Gleich gibt's eine Tracht! Modedesign zwischen Brauchtum und Zeitgeist

Auch Trachten unterliegen modischen Trends. Das sorbische Modelabel Wurlawy nimmt diese Herausforderung an. Sarah Gwiszcz gestaltet hier Kleidung, die modern wirkt, gerade durch die traditionelle Note.

Objekte des Modelabels Wurlawy, Trachten, geschaffen von Sarah Gwiszcz
Einer der Entwürfe des Modelabels Wurlawy. Bildrechte: Wurlawy

Die junge Modedesignerin Sarah Gwiszcz fertigt Kleidung im Stil sorbischer Trachten. Im brandenburgischen Lübbenau hat sie ihr eigenes Modelabel gegründet: Wurlawy, das heißt so viel wie "wilde Spreewaldfrau". Schon seit Jahren lässt sich Sarah für ihre Kollektionen von der Kleidung ihrer Heimat inspirieren. Die Spreewaldtracht ist dabei besonders bekannt für ihre weißen Hauben, die an den Seiten des Kopfes weit abstehen.

Objekte des Modelabels Wurlawy, Trachten, geschaffen von Sarah Gwiszcz
Sarah Gwiszcz Bildrechte: Stefan Otto

Ich mach' Mode, inspiriert von der Tracht, damit jeder sich so ein Stück Heimat überall hin mitnehmen kann.

Sarah Gwiszcz, Modedesignerin

Auch Tracht ist Mode

Traditionelle Trachten vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ein Phänomen, das auch aus anderen Bereichen der Mode bekannt ist, sei es beim Gruppenidentität stiftenden Punk-Styling oder dem Herrenanzug der aktuell angesagten Marke als Symbol der vermeintlichen Oberschicht.

Tracht und Mode haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt, so Heike Becker. Sie lehrt Modedesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Schon früher orientierten sich Trachten an Trends. Genauso bedient sich die Mode aus dem Fundus des Vergangenen.

Tracht hält man für etwas, was traditionell da ist und nicht wandelbar, also im großen Gegensatz zur Mode. Tatsächlich entspricht das aber nicht den Tatsachen. Auch die Trachten verändern sich über die Jahre und über die Zeit.

Heike Becker, Modedesignerin

Tradition als Ankerplatz

Objekte des Modelabels Wurlawy, Trachten, geschaffen von Sarah Gwiszcz
Sarah Gwiszcz verbindet in ihrer Mode Tradition und Moderne. Bildrechte: Wurlawy

Besonders in letzter Zeit sind Trachten – und von ihnen inspirierte Mode – wieder gefragt. Den Grund dafür sieht Heike Becker in der globalisierten Welt. Die Bezugspunkte und Relationen des Lebens ändern sich, dem gegenüber soll sich ein Ankerplatz der Konstanz entgegenstellen, auch in der Mode. Die Besinnung auf regionale Kleidung ist ein Beispiel dafür.

Die Fixpunkte gehen uns anhand unserer vielen Möglichkeiten verloren. Und da ist diese neue Zuwendung zum Thema Heimat, wie ein neues Biedermeier, was wir gerade erleben, diese Zurückgezogenheit ins Private usw. ist ein Indiz für die Unsicherheit, die existiert.

Heike Becker, Modedesignerin

Sorbische "Calaveras"

Objekte des Modelabels Wurlawy, Trachten, geschaffen von Sarah Gwiszcz
Mode, inspiriert von mexikanischen Traditionen und entworfen von Sarah Gwiszcz Bildrechte: Wurlawy

Tracht kann Halt und Orientierung bieten. Zu traditionalistisch und rückwärtsgewandt wird es dabei im Modedesign aber trotzdem nicht. Hier haben die Kreativen eine ganz eigene Herangehensweise. Die Kombination von Elementen verschiedener Kulturkreise ist dabei besonders spannend.

Auch Modedesignerin Sarah Gwiszcz hat bereits Kleidung entworfen, bei der sie sorbische Trachten mit den Symbolen des mexikanischen Día de los Muertos – dem Tag der Toten – verknüpft hat. Totenköpfe und Tradition, das haben viele in ihrer Heimat erstmal nicht verstanden. Aber damit sich die Trachten weiter entwickeln können, müsse man offen bleiben für solche Einflüsse, erklärt die junge Designerin.

Wenn ich jetzt meine Heimattracht mit der Welt teile und gleichzeitig aber auch Einflüsse aus der Welt mit reinsetze, entsteht immer wieder ein neues Potpourri und es verändert sich was und es gibt eine Entwicklung.

Sarah Gwiszcz, Modedesignerin

Aktuell kombiniert Sarah Gwiszcz beliebte moderne Kleidungsstücke mit Trachtenelementen. So die sogenannten "Spreewaldbeanies", kleine Jersey-Mützchen, hinten mit einem Spitzenansatz versehen, der an Spreewald-Kopftücher erinnert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Oktober 2017 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 13:10 Uhr

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Ein Fluss mit Gebäuden im Hintergrund.
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