Udo Lindenberg steht in seiner Ausstellung "Zwischentöne" im Museum der bildenden Künste in Leipzig vor einer seiner Arbeiten.
Gesamtkunstwerk: Der echte Lindenberg vor einem echten Lindenberg in Leipzig. Bildrechte: dpa

"Zwischentöne" Ausstellung: Bilder von Udo Lindenberg in Leipzig

Bilder aus Likör, Fotos und Ejakulator-Kunst: Das Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt ab dem 6. September eine Udo-Lindenberg-Ausstellung mit dem Titel "Zwischentöne". Zum Auftakt reiste der Sänger selbst an – und räkelte sich auf einem goldenen Trabi.

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR

Udo Lindenberg steht in seiner Ausstellung "Zwischentöne" im Museum der bildenden Künste in Leipzig vor einer seiner Arbeiten.
Gesamtkunstwerk: Der echte Lindenberg vor einem echten Lindenberg in Leipzig. Bildrechte: dpa

Der Hut sitzt, Sonnenbrille und Sakko ebenso. Unter dem Blitzlichtgewitter räkelt sich Udo auf seinem goldenen Trabi aus der letzten Produktionsreihe. Damit fertig, ruft er in die Meute:

Ich danke, dass ihr alle hier seid, und ich freue mich sehr. Wo ist der Eierlikör?

Udo Lindenberg

Udo Lindenberg macht Leipzig seine Aufwartung, im 30. Jahr der Friedlichen Revolution; schließlich hat er zur deutsch-deutschen Völkerverständigung beigetragen: Unvergessen sein "Sonderzug nach Pankow", die Episoden um Honni-"Honey" und die Lederjacke, Kerle waren den Tränen nahe, wenn er immer mal "seine Freunde aus der DDR" grüßte. Freundlich, tolerant und generös, so lieben Udo seine Fans. Und das sind viele.

Hinzu kommt der Wortwitz in seinen Liedern, die unverkennbar näselnde Sangesdarbietung als auch jene "latschige" Lässigkeit, die selbst in der tiefsten DDR hartgesottene Germanisten und Gesangspädagogen fröhlich machte.

Malerei von Udo Lindenberg aus seiner Ausstellung ''Udo Lindenberg. Zwischentöne''.
Eines der "Likörelle": "In 15 Minuten sind die Russen auf dem Kurfürstendamm" (2006) Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig/Udo Lindenberg

Lindenberg als Person der Geschichte

Malerei von Udo Lindenberg aus seiner Ausstellung ''Udo Lindenberg. Zwischentöne''.
"Deutschland, wat nu?" (2007) von Udo Lindenberg Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig/Udo Lindenberg

Hier setzt die Ausstellung in Leipzigs größtem Kunstmuseum an, dem Museum der bildenden Künste, die nicht den Fehler macht, Lindenberg als singendes Malergenie zu präsentieren. Drei große Räume hat man Udo freigeräumt und seiner Malerei einen zweiten Ausstellungsparcours beigegeben, der den Sänger als Person der Geschichte dokumentiert.

Viele Fotos von Udo, singend oder auch im Rausch, sind in den pergolaartigen Gängen durch die Schau zu sehen, große und kleine AMIGA-Schallplatten, zudem Kopien von Lindenbergs Stasi-Akte. Jeanette Stoschek, stellvertretende Direktorin des Museums der bildenden Künste, findet: "Das zu erleben, dieses Ineinanderfügen von diesen ganzen Facetten, das ist schon extrem mitreißend." Man müsse die Schau im Gesamten sehen, nicht einzelne Fotos oder Texte – "dann wird das Ganze sehr lebendig."

Malerei von Udo Lindenberg aus seiner Ausstellung ''Udo Lindenberg. Zwischentöne''.
Malerei von Udo Lindenberg aus seiner Ausstellung: "Berlin, wat nu?" (1996) Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig/Udo Lindenberg

Auch Referenzen zu Udo von großen, huttragenden bildenden Künstlern wie Lüpertz oder Beuys evoziert die Schau, und danach kann man sich endlich dem malerischen Werk des Sängers öffnen, das zum Beispiel aus den weitbekannten "Likörellen" besteht: Lindenberg pinselt sich nebst weiterer Figuren auf die Leinwand, am Brandenburger Tor, mit den "Russen auf dem Kurfürstendamm", mit Farbe und buntem Alkohol wie Blue Curaçao oder Eierlikör.

Seit 1996 stellt Udo öffentlich aus, das Leipziger Bildermuseum gehört dabei zu seinen gewichtigsten Kunst-Stationen, zur Freude von Museumsdirektor Alfred Weidinger, dem mit der Schau ein Quoten-Hit gewiss ist.

Die Malerei heißt ja 'Lindiismus.'

Udo Lindenberg über seine Kunst

Und so können die Besucher nun die Malereien des Multimillionärs ins Auge fassen, die meist, mit wenigen Strichen versehen, karikaturistische Züge tragen. Bei seinen Neonazi-Bildnissen der "Pimmelköpfe" hat der Sänger malerisch etwas mehr Aufwand betrieben, und auch Goethes "Faust" ist an Udo Lindenberg nicht vorüber gegangen, so hat er einen eigenen malerischen "Faust-Zyklus" geschaffen, der allerdings an Eichborns "Bockstarke", blödelnde "Klassiker" gemahnt.

Malerei von Udo Lindenberg aus seiner Ausstellung ''Udo Lindenberg. Zwischentöne''.
"Checkpoint" von Udo Lindenberg (2006) Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig/Udo Lindenberg

Ist das Bildermuseum der richtige Ort für eine Lindenberg-Ausstellung?

Udo Lindenberg vor dem Palast der Republik.
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen: alte Fotos von Lindenberg. Hier vor dem Palast der Republik (1983). Bildrechte: Museum der bildenden Künste Leipzig/Kristina Eriksson

Und, Feministinnen aufgemerkt, in der Schau gibt es auch ein performatives Element aus anderen Zeiten, den "Ejakulatur". "Aus dem Schlagzeug werden Farben spritzen und er wird damit eben auch kreativ sein, er wird daraus wieder Kunstwerke schaffen und dann ist doch die Assoziation "Ejakulator" eigentlich nur folgerichtig", erklärt die stellvertretende Museumsdirektorin Stoschek.

"Wenn die Signatur oder die Marke stimmen, ist das Werk beinah egal", schrieb diesen Frühling der "Spiegel" über malende Prominente mit "Nebenerwerbsneigung". Die Reihe derer ist lang, sie reicht von Bob Dylan bis zu Armin Müller-Stahl. Die Frage lautet: Warum musste Udo in Leipzig ausgerechnet ins Kunstmuseum? In einem Haus mit historischem Schwerpunkt hätten sich Geschichts- und Kunstwissenschaftler ohne Gesichtsverlust einigen können, auch die Malereien würde man zeigen – und alle wären zufrieden gewesen. Nicht zuletzt mit dem Besucheransturm, den das Bildermuseum nun prognostiziert.

Angaben zur Ausstellung "Udo Lindenberg: Zwischentöne"
Museum der bildenden Künste Leipzig
6. September bis 24. November 2019

Geöffnet
Di., Do.-So., Feiertage: 10–18 Uhr
Mi.: 12–20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. September 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 14:04 Uhr