Blick auf die Oper in Halle/S.
Das Opernhaus in Halle. Bildrechte: Falk Wenzel

ARD-Themenwoche Gerechtigkeit Werden junge Mütter an deutschen Theatern diskriminiert?

Eine Mitarbeiterin der Oper Halle erhebt schwere Vorwürfe gegen Geschäftsführer Stefan Rosinski: Er habe ihren Vertrag nicht verlängert, weil sie in Elternzeit gegangen sei. Was steckt hinter den Anschuldigungen? Und: Gibt es ähnliche Probleme auch an anderen deutschen Bühnen?

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR

Blick auf die Oper in Halle/S.
Das Opernhaus in Halle. Bildrechte: Falk Wenzel

Barbara Frazier ist eine umtriebige Theatermacherin. Mit Anfang 30 hat sie bereits drei Jahre lang das Kinder- und Jugendtheater der Stadt Ulm geleitet, wurde für ihre Arbeit dort auch ausgezeichnet. Seit 2016 arbeitet sie als Theaterpädagogin an der Oper Halle, wo sie laut Intendant Florian Lutz "hervorragende" Arbeit leistet. Nun aber wurde Frazier vom Geschäftsführer der Bühnen Halle, Stefan Rosinski mitgeteilt, dass ihr im kommenden Sommer auslaufender Vertrag nicht verlängert werde.

Raus nach der Babypause

Für Frazier, die vor kurzem Mutter geworden ist, ist klar, dass sie mit dieser Entscheidung für ihre Elternzeit "abgestraft" werden solle. Denn die vom Geschäftsführer angeführten "künstlerischen Gründe" gegen die Weiterbeschäftigung seien gegen den erklärten Willen der künstlerischen Leitung der Oper ausgesprochen worden.

Wer ist zuständig für die Theaterpädagogik?

Es sind Anschuldigungen, die Geschäftsführer Rosinski nicht hinnehmen will: Die Tatsache, dass jemand Vater oder Mutter sei, könne niemals ein Einspruchsgrund gegen deren Beschäftigung sein. Im Interview mit MDR KULTUR sagte er, er habe den Eindruck, "dass da jemand aus Leistungsgründen nicht verlängert wurde", und verweist auf eine Entscheidung der Leiterin der Theaterpädagogik an den Bühnen Halle, Sylvia Werner. Diese erklärt, Fraziers Leistung habe nicht ausgereicht. Angesichts von personellen Sparvorgaben könne man sich "die künstlerische Spielwiese nicht leisten".

Verband fordert Konsequenzen

Für das bundesweite Ensemble-Netzwerk, das sich für Arbeitnehmerrechte an öffentlich geförderten Theatern einsetzt, ist Barbara Frazier kein Einzelfall. Seit dem Beginn der #metoo-Debatte gäbe es immer wieder Berichte von Mitarbeiterinnen, nach denen Verträge von Theatermitarbeiterinnen nach Rückkehr aus dem Mutterschutz oder der Elternzeit ohne Angabe substantieller Gründe nicht verlängert würden, erklärte Sprecherin Laura Kiehne gegenüber MDR KULTUR. Gerade bei Sparmaßnahmen an den Theatern könne es nicht sein, dass dies Eltern treffe, da sie besonders verletzliche Personen seien und besonders geschützt werden müssten.

Das Netzwerk fordert in der Konsequenz, dass der entsprechende Tarifvertrag "NV Bühne" geändert wird. Dieser erlaube bisher eine Struktur sozialer Ungerechtigkeit, indem er Frauen und Eltern ungeschützt ließe und Verantwortlichen Raum für Willkür öffne. Hier sei nun der Deutsche Bühnenverein als Tarifpartner gefragt.

Künstlerisches Personal an deutschen Theatern wird grundsätzlich nur befristet eingestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. November 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 14:18 Uhr